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Sightseers

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 20. Juni 2013

Sightseers

Ein jedes Jahr gibt es auf dem Fantasy Film Fest neben vielen durchschnittlichen Filmen auch die eine oder andere Perle zu entdecken, die nachhaltig in Erinnerung verbleibt. Nachdem Regisseur und Drehbuchautor Ben Wheatley auf besagtem Filmfest bereits mit „Kill List“ und mit „The ABCs of Death“ vertreten war, folgte im letzten Jahr seine urkomische Horrorkomödie „Sightseers“, die nun entsprechend für den Home Entertainment Bereich ausgewertet wird.

Das junge britische Paar bestehend aus Chris (Steve Oram) und Tina (Alice Lowe) ist nun bereits seit einiger Zeit glücklich vereint, doch so richtig will das Liebesleben einfach nicht in Schwung kommen. Tina lebt nach wie vor bei ihrer unausstehlichen Mutter (Eileen Davies), deren liebster Hund bei einem kleinen Unfall mit Stricknadeln umgekommen ist. Nicht viel anders ergeht es jedoch auch Chris, der alles andere als angesehen bei diesem Hausdrachen ist, weshalb beide einfach mal für ein paar Tage an die frische Luft müssen. Mit dem Wohnwagen geht es durch England, wo neben diversen Campingplätzen das Crich-Tram-Museum, eine Bleistiftfabrik und natürlich das Ribblehead-Viadukt besichtigt werden müssen. Leider stoßen beide in diesem geruhsamen Urlaub immer wieder auf Störenfriede, die einfach nicht in deren Weltbild passen wollen und so versucht Chris dieses Problem auf seine ganz eigene Art und Weise zu lösen…

SightseersDer britische Regisseur und Drehbuchautor Ben Wheatley konnte die Zuschauer bereits mit seinem durchaus ungewöhnlichen Film „Kill List“ begeistern, als dieser mit einer Mischung aus Thriller und übernatürlichen Horrorfilm dem Werk mit der Zeit eine gänzlich neue Richtung vorgab. Mit „Sightseers“ versucht Wheatley nun etwas komplett anderes zu erschaffen, denn obwohl Großbritannien bisher nicht unbedingt dafür bekannt war im Bereich der Horrorkomödie eine Vorreiterrolle einzunehmen, schafft es Wheatley dennoch mit seinem kleinen aber feinen Werk die Zuschauer zu unterhalten. An seiner Seite stehen erneut die aus „Kill List“ bekannten Drehbuchautoren Amy Jump (A Field in England), Alice Lowe (Hot Fuzz – Zwei abgewichste Profis) und Steve Oram (It’s All Gone Pete Tong), die auch diesmal wieder für den einen oder anderen Spaß in ihren Skript zu haben sind.

Im Grunde beginnt „Sightseers“ recht ruhig, wenn wir ein älteres Haus irgendwo in England sehen, mit Tina eine Frau in den mittleren Jahren und deren Mutter, der man bereits ab der ersten Sekunde ansieht, dass mit dieser nicht gut Kirschen essen ist. An den Wänden hängen eine Unmenge an Bildern, doch wer nun denke es wären Bilder der Kinder, der irrt. Es sind Bilder des verstorbenen Hundes den Tina „ausversehen“ mit Stricknadeln getötet hat, was ihr ihre Mutter jedoch nie mehr verzeihen sollte. Parallel wird nun mit Chris jene Person eingeführt, die sich im Grunde auf einem ähnlich verlorenen Posten wie Tina befindet. Arbeitslos, mittellos und dann auch noch eine Freundin, deren Mutter ihn beim besten Willen nicht ausstehen kann.

SightseersNatürlich hat Chris noch ganz andere Probleme die Tina bisher noch nicht kannte, die sich jedoch im Laufe des Urlaubs mehr und mehr offenbaren sollen. Mit einem Sauberkeitsfimmel auf die Welt gekommen muss er sogleich die erste Person auf liegen gelassenen Abfall aufmerksam machen, doch wenn auch an dieser Stelle ein ermahnendes Wort nicht hilft, so müssen andere Seiten aufgezogen werden. Man setzt den Wohnwagen dezent zurück, überfährt den netten Herrn und wischt anschließend fein säuberlich das Blut vom Wohnwagen ab, bevor man sich sogleich entfernt.

Natürlich lebt „Sightseers“ nicht nur von solchen Szenen und dennoch könnte man ihn ohne weiteres mit „Bonnie und Clyde“ oder Oliver Stones „Natural Born Killers“ vergleichen, obwohl „Sightseers“ nie wirklich die Tiefe genannter Filme erreichen soll. Im Grunde geht es um ein ganz normales Paar das Probleme hat, dass mit Eifersucht umzugehen und den anderen Partner verstehen lernen muss. Natürlich könnte man diese Beziehungsratgeber nun in genau jene Filme verpacken die wir alle bereits zur Genüge kennen, aber wollen wir das wirklich? Die Beziehungsprobleme gelten hier vielmehr als Auslöser für all die dargestellte Gewalt, diese könnte man wiederrum als Metaphern für unterrückte Ängste interpretieren und wenn man von Ängsten spricht, so stolpert man erneut wieder über das eine oder andere Todesopfer, mit dem sich in „Sightseers“ der Kreis erneut schließen soll.

SightseersAll diese dargebotene Gewalt bewegt sich zumeist in einem doch recht erträglich Rahmen, auch wenn zuweilen die Grenze des guten Geschmacks – bei dem einen oder anderen – zumindest gestreift werden könnte. Es werden Menschen überfahren, erschlagen, von Klippen gestoßen und ausgeraubt, wodurch dem Einfallsreichtum unserer beiden Hauptprotagonisten keine Grenzen gesetzt werden. Prinzipiell scheinen genau diese beiden sich ihre eigene Rolle wie auf den Leib geschrieben zu haben, denn wenn man schon das entsprechende Drehbuch zu „Sightseers“ konzipiert, kann man noch besser seine jeweiligen Stärken und Schwächen mit einbauen.

Alice Lowe spielt wirklich gut jene Tina die noch immer zurückgezogen im Elternhaus lebt, dort von ihrer Mutter tyrannisiert wird und bei alledem diese Prise grenzenlose Naivität an den Tag legt, sodass man ihr diese verworrenen und teilweise auch unsicheren Momente zu jeder Zeit abzunehmen vermag. Ganz ähnlich verhält es sich mit Steve Oram und seinem roten Vollbart, bei dem immer wieder jene Grundzüge zum Vorschein kommen, die bereits in der Schule seinen Charakter pflegten. Gehänselt und alleingelassen kann er erst nach und nach aus sich heraus gehen und seiner Geliebten endlich gestehen, dass er bereits vor über einem halben Jahr seinen Job verloren hat.

SightseersAll diese Faktoren sind es letzten Endes die „Sightseers“ trotz seines geringen Budgets sehenswert erscheinen lassen, an dessen Erfolg Kamerafrau Laurie Rose (Down Terrace) nicht unwesentlich beteiligt ist. Ihre unterkühlten Bilder von England stehen in direktem Kontrast mit der verworrenen Psyche der beiden im Mittelpunkt stehenden Figuren, im Hintergrund fügt sich harmonisch der entsprechende Soundtrack von Komponist Jim Williams (Hotel Babylon) ein, wodurch alles letztendlich zu einer Einheit verschmilzt, die gute Unterhaltung garantiert, wenn man sich denn darauf einlassen kann.

Ab dem 20. August 2013 ist „Sightseers“ im Verleih von MFA+ FilmDistribution auf Blu-ray und DVD im Handel erhältlich und all jenen zu empfehlen, die rabenschwarze Komödien aus England zu schätzen wissen. Das Bild der Blu-ray ist mit 1080/24p gewohnt scharf und reich an Farben, während der Ton in DTS-HD 5.1 (DVD in Dolby Digital 5.1) in den Sprachen Deutsch und Englisch gut auf die Boxen abgestimmt ist. Wie immer haben wir uns für euch alles Material angeschaut das zusätzlich auf dem Medium vorhanden war, wo einiges durchaus interessantes zu Tage trat. In gleich fünf Interviews mit Alice Lowe, Steve Oram, Ben Wheatley, Anke Engelke und Bjarne Mädel erfahren wir auf 38 Minuten viel interessantes zum Film, zu den jeweiligen Rollen und natürlich zum Ablauf der Synchronisation, während wir in der fünfminütigen B-Roll Anke Engelke und Bjarne Mädel dabei zusehen können, wie diese sich einfach nicht einigen können, wer während der ersten Bettszene als erstes angefangen hat zu lachen.

Mit „Sightseers“ ist Ben Wheatley ein sehenswerter zweiter Film gelungen, der neben seinem schwarzen Humor insbesondere mit seiner verrückten Geschichte und den einmaligen Hauptdarstellern überzeugen kann.

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Wir vergeben daher 7 von 10 Filmpunkten.

Copyright: MFA+

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Sightseers

Länge: 88 min

Kategorie: Comedy

Start: 20.08.2013

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Info

Sightseers

Sightseers

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 88 min
Kategorie: Comedy
Start: 20.08.2013

Bewertung Film: (7/10)

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