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La grande bellezza

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 5. Juni 2013

La grande bellezza

Einer der herausragenden Filme bei den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes war ganz ohne Zweifel die italienische Produktion „La grande bellezza“ von Paolo Sorrentino, in der er in traumhaften Bildern die Schickeria Roms darstellte und dies mit einer wunderschönen Geschichte über die Liebe verband. Leider reichte es bei „La grande bellezza“ (unverständlicherweise) nicht zur begehrten Palme d’Or und dennoch wurde der Film wie im Fluge in ganze 28 Länder verkauft, unter denen sich auch Deutschland befinden sollte.

Es ist Sommer und Rom erstrahlt in seiner schönsten Pracht, leidenschaftlich und verführerisch. Der ehemalige Schriftsteller Jep Gambardella (Toni Servillo) hat seit seinem ersten erfolgreichen Buch kein zweites mehr geschrieben und dennoch kommt er gut über die Runden, vertreibt er sich seine Zeit doch als erfolgreicher Journalist mit allerhand ausschweifenden Partys, wunderschönen Frauen und sündhaft teuren Speisen in den edelsten Restaurants der Stadt. Als eines Tages Jep’s erste große Liebe verstirbt beginnt er mit seinen 65 Jahren über das Leben noch einmal nachzudenken, denn nicht nur das ihn auf einmal die Schickeria Roms mehr und mehr beginnt zu langweilen, er entdeckt auch das Leben komplett neu für sich. Mit der Stripperin Ramona (Sabrina Ferilli) tritt nun eine komplett andersartige Frau in sein Leben, die ihn fortan auf alle Partys begleitet…

La grande bellezzaDer italienische Regisseur und Drehbuchautor Paolo Sorrentino (Cheyenne – This Must Be the Place) – der erst im Jahre 2008 mit „Il Diva“ von der Politik und den Machtverhältnissen in Italien berichtete – zog es erneut zu den Filmfestspielen von Cannes, wo er inzwischen bereits mit seinem fünften Film in Folge vertreten war. In seinem 142 Minuten langen Werk für das er zusammen mit Umberto Contarello (Licht meiner Augen) das entsprechende Drehbuch konzipierte, erzählt er von dem wunderschönen Rom, dessen Oberschicht sowie einem einsam wirkenden älteren Mann, der all dem schon lange überdrüssig ist.

Bereits in der Eingangssequenz bekommen wir wunderschöne Kamerafahrten über Rom geboten, wir sehen bedeutende Sehenswürdigkeiten der Stadt, bis auf einmal die Kamera bei einem älteren asiatischen Touristen stehen bleibt, der auf einmal tot umfällt. Wie es dazu kam wird nie geklärt werden, wer dieser Mann war ebenso wenig, denn plötzlich blendet die Kamera um auf eine Szene, in der Jep Gambardella seinen 65. Geburtstag feiern soll. Wir sehen die fein angezogene Oberschicht Roms ausgelassen feiern, perfekt ausgeleuchtete Darsteller sich zu Popmusik bewegen, während all dies durch das gelegentliche Erscheinen von Dicken oder Zwergenhaften Menschen unterbrochen wird, die sich mit ihrem Äußeren einfach nicht in diese Szenerie einfügen lassen wollen.

La grande bellezzaBei alledem bekommen wir bei einer Länge von 142 Minuten wunderschöne Bilder geboten die in erster Linie nur zwei Hauptdarsteller kennen und das ist der ehemalige Schriftsteller und Journalist Jep Gambardella sowie die Stadt Rom, der in „La grande bellezza“ ein umwerfendes Denkmal gesetzt wurde. Ein Film kann allerdings nicht allein von seinen ausschweifenden Bildern leben und so erzählt Paolo Sorrentino eine Geschichte vom älteren Jep, der sich beim Tod seiner Jugendliebe dieser plötzlich zurück erinnert und sich zu fragen beginnt, was er in all dieser Zeit eigentlich geleistet hat. Die Stadt Rom lässt ihn bereits seit nunmehr 40 Jahren nicht mehr los, er feiert täglich bis weit in die Morgenstunden wo andere bereits wieder aufstehen, während er sich von seinen Freunden bereits schon lange nur noch gelangweilt fühlt.

Paolo Sorrentino versucht mit dieser Geschichte eine Liebeserklärung an die Stadt Rom abzugeben und gleichzeitig mit seinen tragischen und komischen Bildern zugleich die entsprechende Oberschicht vorzuführen. Sorrentino rechnet mit diesen maßlos ab, wenn er beispielsweise Jep einen mehrere Minuten andauernden Monolog führen lässt, wo er eine seiner Freundinnen auf übelste Weise ihr eigenes kümmerliches Leben vor Augen führt und gleichzeitig die Frage in den Raum wirft, was sie überhaupt je geleistet hätte. All dies ist zuweilen mehr als nur interessant anzuschauen, denn diese Übersättigung von Schönheit die Sorrentino hier versucht auszudrücken, ist kaum in Worte zu fassen.

La grande bellezzaPaolo Sorrentino ist ein Mann der Gegensätze und genau jene Gegensätze werden in „La grande bellezza“ ausführlich behandelt. Da steht in einem alten antiken Gebäude plötzlich eine Giraffe die ein Zauberer am nächsten Tag verschwinden lassen will, es tritt ein fein angezogener Mann mit einer wunderschönen Frau auf den Balkon die plötzlich einen dicken Arbeiter küsst und es folgt verrückter Elektropop, der sogleich wieder von den leisen Streichern klassischer Musik abgelöst wird, um Traurigkeit und Schwermut in die entsprechenden Bilder zu legen.

Diesen Wandel von einem Extrem ins andere vollzieht Sorrentino zuweilen mit spielerischer Leichtigkeit, sodass dem Zuschauer dabei förmlich schwindlig wird. In der einen Szene blickt Jep noch gedankenverloren auf die Schlafzimmerdecke wo er sich in den Wellen des Meeres verliert, während wir im nächsten Augenblick einen Blick auf die Künstlerszene Roms geboten bekommen, bei der man zwischen Verzückung und dem Kopf schütteln hin und hergerissen ist. Da haben wir eine nackte Frau mit Hammer und Sichel auf die Schamhaare gemalt die geradewegs mit dem Kopf an einen Brückenpfeiler läuft, während in einer ganz anderen Szene ein weinendes Mädchen große Farbeimer auf eine riesige Leinwand wirft und somit jenen Weg der Kunst zu gehen versucht, den ihre eigenen Eltern ihr vorgeben.

Natürlich vermag „La grande bellezza“ neben seinen großartigen Bildern von Kameramann Luca Bigazzi (Brot & Tulpen) und den zuweilen schnellen Schnitten von Cutter Cristiano Travaglioli (Fascisti su Marte) auch mit seinen Darstellern zu unterhalten, wo in erster Linie Toni Servillo (Ein ruhiges Leben) zu nennen ist. Wenn er als letzter den Raum betritt und in der Menge perfekt ausgeleuchtet wird, so überragt er schon ohne auch nur ein einzelnes Wort gesagt zu haben. Wenn er seine Augen rollen lässt, dann ist man sicher im nächsten Augenblick einen seiner ausschweifenden Dialoge zu hören, doch wenn er einfach nur stumm durch die Straßen Roms des Nachts stolziert weiß man, dass es in seinem Leben nur eine einzige Liebe geben kann, und das ist Rom.

Paolo Sorrentino’s „La grande bellezza“ ist ganz ohne Frage einer der besten Filme diesen Jahres, auch wenn er mit seinen 142 Minuten auf Anhieb vielleicht etwas zu langatmig wirkt. Das Drehbuch ist mit seinem Spiel der Gegensätze überaus gelungen, die Bilder sind eine Augenweide und wenn Sorrentino die Schickeria Roms vorführt, so ist dies mehr als nur unterhaltend.

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Wir vergeben daher 8 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Cannes, DCM

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La grande bellezza

Länge: 142 min

Kategorie: Comedy, Drama

Start: 25.07.2013

cinetastic.de Filmwertung: (8/10)

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La grande bellezza

La grande bellezza

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 142 min
Kategorie: Comedy, Drama
Start: 25.07.2013

Bewertung Film: (8/10)

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