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Beerland

Geschrieben von Frank Schmidke am 21. März 2013

Beerland-3Es ist immer ein bisschen seltsam, wenn die eigene Kultur, oder das was gemeinhin dafür gehalten wird von außen betrachtet wird. Zwischen Fremdschämen und Stolz liegt häufig nur ein schmaler Grat. Da macht auch „Beerland“ keine Ausnahme. Der seit Jahren in Deutschland lebende Amerikaner und Dokumentarfilmer Mark Sweetwood begibt sich auf eine Expedition in die deutsche Bierkultur. Muss man sich mit den Teutonen besaufen, um sie zu verstehen?

Beerland-9Für seine Studie der deutschen „Bierkultur“, wie es Mark Sweetwood nennt, hat der in Berlin lebende Amerikaner einen ganz persönlichen Anlass: Als ihn seine Eltern besuchten, um auf dem Oktoberfest diesem Brauereierzeugnis zu huldigen, mussten die Besucher erstaunt feststellen, dass sie auf einer Kirmes gelandet waren und es kaum möglich war in einem der Festzelte einen Platz zu bekommen, wenn man nicht ein Jahr vorher reserviert hatte.

Grund genug sich einmal mit dem Verhältnis der Deutschen zu ihrem Lieblingsgetränk zu befassen und Mark Sweetwood reist durch das Land, von Kölner Karneval ins Bierland nahe Bamberg, vom Münchener Oktoberfest zum Fest einer niedersächsischen Schützengilde, um dem deutschen Bier auf die Spur zu kommen. Dabei trifft er eigenwillige unabhängige Braumeister, Hopfenbauern, Bierhistoriker, Stammtische und einen pazifistischen Schützenverein.

Beerland-1„Beerland“ ist als kultureller Selbstversuch angelegt und höchst subjektivausgefallen. Der Autor und Regisseur („Hacker“, Forgetting Dad“) macht in  seiner zweiten Regiearbeit keinen Held daraus, dass er Bier  auch als Getränk schätzt und die hiesige Bierkultur wird nur anfangs mit dem amerikanischen Verhältnis zum Alkohol verglichen. Dort muss man 21 sein, um Beer trinken zu dürfen und der Genuss in der Öffentlichkeit ist verboten. Wie anders erscheint da das Land mit dem Reinheitsgebot, auf das man so stolz ist.

Der dokumentarische Ansatz erinnert ein wenig an Morgan Spurlocks Selbstversuch „Supersize Me“ oder an die Filme von Michael Moore („Bowling for Columbine“). Das ist über weite Strecken sehr unterhaltsam ausgefallen und der Zuschauer erfährt einiges über Trinkkultur oder auch –unsitte, die Geschichte des Gerstensaftes und über deutsche Befindlichkeiten. Auffällig ist allerdings dass sich die Dokumentation vornehmlich im süddeutschen Raum bewegt.

Beerland-5Allerdings hätte es gerade bei der dem Thema innewohnenden deutschen Selbstverliebtheit durchaus etwas kritischere Töne geben dürfen. Überhaupt fragt sich in wie weit die im Film portraitierte Lebensweise und  die Traditionspflege tatsächlich in der deutschen Öffentlichkeit stattfinden. Ein wenig pflegt und nährt „Beerland“ auch eben jene Klischees, die untrennbar mit der deutschen Bierkultur verbunden sind – Vereinsmeierei und Stammtischtümmelei.

Ohne Frage hat der Alkoholkonsum gerade bei Jugendlichen in den letzten Jahren und Jahrzehnten erheblich zugenommen, mit Bier hat das allerdings weniger zu tun, als mit der konsequenten und hocheffizienten Herbeiführung von Rauschzuständen. Auch dem Biertrinker geht es um den Rausch, der schon seine  Ahnen im wilden Kampf gegen die Römer beflügelt hat. „Beerland“ verharmlost den Alkoholkonsum zwar nicht, hat aber auch nichts dagegen sich den landesüblichen Gepflogenheiten anzupassen.

Alles in Allem ist Mark Sweetwoods Dokumentarfilm „Beerland“ eine großteils kurzweilige und unterhaltsame Auseinandersetzung mit dem „deutschen Kulturgut“ Bier. Wie gesagt, Fremdschämen inklusive.

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Copyright: Movienet Film

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Beerland

Länge: 85 min

Kategorie: Documentary

Start: 25.04.2013

cinetastic.de Filmwertung: (6/10)

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Geschrieben von Frank Schmidke

Länge: 85 min
Kategorie: Documentary
Start: 25.04.2013

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