cinetastic.de - Living in the Cinema

You Drive Me Crazy

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 20. Februar 2013

You Drive Me Crazy

Ein jedes Jahr versuchen sich tausende Jugendliche in Deutschland an der Führerscheinprüfung, um einerseits endlich unabhängig von öffentlichen Verkehrsmitteln zu sein, andererseits aber auch den Übergang ins Leben eines Erwachsenen zu vollziehen, bei welchem oft das Statussymbol Auto einen entscheidenden Faktor darstellt.

Regisseurin Andrea Thiele (Wanted: Who Murdered Derek?) geht in ihrer Dokumentation „You Drive Me Crazy“ noch einen Schritt weiter und interessiert sich nicht für die deutschen Fahrschüler, sondern für jene, die bereits die Führerscheinprüfung in ihrem jeweiligen Geburtsland erfolgreich bestanden haben und sich nun dazu gezwungen sehen, diese in einem anderen Land noch einmal zu wiederholen. Dabei prallen nicht nur völlig unterschiedliche Fahrweisen und Einstellungen aufeinander, sondern ebenso die jeweiligen landestypischen Mentalitäten, die sich ein jeder erst einmal aneignen muss.

You Drive Me CrazyDa haben wir beispielsweise die kleine und fast schon zart besaitete Koreanerin Hye-Won die ihrem Mann nach Deutschland gefolgt ist, nun Musik in München studiert und dort mit ihrem Kind sowie einem kleinen Hund lebt. Ausgerechnet Hye-Won bekommt den typischen Ur-Bayer Herrn Krieger als Fahrlehrer zugeteilt, der nicht unbedingt der geduldigste ist und fast alles versucht, um der Koreanerin die deutschen Vorfahrtsregeln beizubringen. Natürlich prallen dabei zwei komplett gegensätzliche Meinungsbilder aufeinander, denn während Hye-Won an jeder Kreuzung Koreas eine Ampel gewohnt ist und bereits negative Erfahrungen mit einem Unfall hatte, hat ihr Fahrlehrer für all dies nur wenig Verständnis.

Genauso wenig Verständnisvoll ist die aus Deutschland stammende Mirela, die ihren Job in der Modebranche gekündigt hat und stattdessen direkt nach Indien ging, um dort ein eigenes Fashionlabel zu gründen. Auf der Suche nach Geschäftspartnern ist diese sehr viel im Auto unterwegs, ständig genervt von Taxifahrern die kein Englisch sprechen und noch mehr von den Autos minderer Qualität, die jeden zweiten Tag auf offener Straße liegen bleiben. Auch Mirela möchte in Indien den Führerschein wiederholen, doch stoßen hier in erster Linie ihre Zielstrebigkeit und Arroganz mit jener Ruhe Indiens aufeinander, die man als Ausländer in Mumbai lieber haben sollte. In Indien geht alles ein wenig langsamer, vieles würde man als Deutscher bestenfalls als Flickwerk betrachten und so kommt Mirela nicht umhin, fast alles mit jeder Menge Sarkasmus zu kommentieren, was ihr Indisch sprechender Fahrlehrer natürlich kein bisschen versteht.

You Drive Me CrazyDer dritte im Bunde ist der aus Texas stammende Jake, der Zeit seines Lebens von Japan fasziniert ist und etwas komplett Neues probieren möchte, weshalb es ihn nach Tokio verschlägt. Dort angekommen stößt er mit seinen kaum vorhandenen Japanisch Kenntnissen aber nicht nur auf sprachliche Hindernisse, sondern vor allem auf mobile, denn Tokios letzte Bahn fährt bereits nachts um 24 Uhr, was er einfach nicht verstehen kann. Mit dem alten japanischen Fahrlehrer Tetsuya bekommt er jene Person die ihm versucht das geduldige Fahren beizubringen, doch genauso wie es fast unmöglich ist durch die erste von vier Fahrprüfungen in Tokio zu fallen, so benötigt Jake gleich mehrere verzweifelte Anläufe dafür, was zumeist in dem fehlenden Verständnis der japanischen Mentalität begründet liegt.

Bei allen drei Geschichten geht es Regisseurin Andrea Thiele um die typischen Fehler von Fahranfängern, aber auch um jene Probleme, die oft durch die vorhandene Sprachbarriere erzeugt werden. Wenn ein Ur-Bayer einer Koreanerin das Fahren beibringen will ist das witzig, wenn dies ein ruhiger älterer Japaner bei einem Amerikaner versucht, ist dies meist zum Brüllen komisch. In ihrer Dokumentation „You Drive Me Crazy“ geht es Andrea Thiele jedoch vornehmlich vor allem um das Zusammenprallen von unterschiedlichen Kulturen,  was einerseits in dem ritualmäßigen fahren eines Autos durch Tetsuya versucht wird darzustellen, zum anderen aber auch in jener Szene, in der Hye-Won mit ihren Verwandten das Münchner Oktoberfest besucht.

You Drive Me CrazyWie berichtet Jake einem seiner Freunde mit einem Bier in der Hand doch so schön, in Japan gibt es unendlich viele Möglichkeiten durch die Prüfung zu fallen, bevor man auch nur das Auto betreten hat. Um den Führerschein in einem fremden Land zu bestehen muss man sich aber vor allem die Mentalität des jeweiligen Landes aneignen, was vor allem in Japan existentiell zu sein scheint. Die Tür muss bei exakt 10cm schnell zugezogen werden, auf der Bremse muss man genau drei Sekunden stehen und wenn man an der Bahnschranke keinen Zug hört, so sollte man dennoch nach Vorschrift einmal nach Links und Rechts blicken.

Wie sagte ein Amerikaner doch so schön als er nach dem siebenten Mal seine Fahrprüfung in Japan endlich bestanden hat: „Fahren Sie einfach wie ihre Großmutter! In Japan dreht sich alles um Geduld und Frustration. Es ist alles eine Riesenshow. Die Prüfer wissen das. Wir wissen das. Aber wir müssen mitspielen…“

Mit „You Drive Me Crazy“ ist Andrea Thiele in ihrem Debüt eine durchaus witzige Dokumentation gelungen, bei der ein jeder Zuschauer oftmals mehr über kulturelle Unterschiede und andersartige Mentalitäten lernt, als aus so manch anderem Sachbuch.

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Wir vergeben daher 7 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Real Fiction

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Mit Facebook Anmelden um zu Posten!

Anmelden
You Drive Me Crazy

Länge: 84 min

Kategorie: Documentary

Start: 18.04.2013

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (nan/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten!

Gewinnspiele

Gewinne Kinokarten, BluRays, DVDs,
Fan Packages und mehr!

Gleich mitmachen

Info

You Drive Me Crazy

You Drive Me Crazy

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 84 min
Kategorie: Documentary
Start: 18.04.2013

Bewertung Film: (7/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (nan/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten