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Song for Marion

Geschrieben von Frank Schmidke am 8. Februar 2013

song-for-marion-10 Es ist nicht leicht, die Einsamkeit des Alters auszuhalten, vor allem, wenn der geliebte Ehepartner nach einem gemeinsamen Leben verstirbt. Auch der grantelige Rentner Arthur muss sich in dem britischen Drama „Song for Marion“ damit abfinden, ohne seine geliebte Frau weiterzuleben. Ausgerechnet in Marions belächeltem Rentnerchor findet Arthur neuen Lebensmut. „Song For Marion“ ist ein berührendes bisweilen lustiges Drama mit viel Musik. Die alten Stars Vanessa Redgrave und Terence Stamp laufen noch einmal zu großer Form auf und Regisseur und Autor Paul Andrew Williams, der bisher drei Thriller gedreht hat,  schlägt sich gut auf dem Spielfeld des humorigen Dramas und bietet seinen Stars eine feine Plattform.

song-for-marion-12Seit mehr als 50 Jahren sind Marion (Vanessa Redgrave) und Arthur (Terence Stamp) nun schon verheiratet. Den erwachsenen Sohn James (Christopher Ecclestone) und die Enkelin sieht das Ehepaar nur selten, weil das Verhältnis von Vater und Sohn nicht eben gut ist.  Obwohl Arthur sich rührend um seine Frau kümmert, fällt es ihm schwer Nähe zuzulassen. Die kranke aber lebenslustige Marion singt einmal in der Woche im Seniorenchor. Arthur bringt sie dort immer hin und holt sie wieder ab. Das Gesinge, das die junge Chorleiterin Elizabeth (Gemma Aerton) mit den mehr oder minder rüstigen Rentner veranstaltet, ist dem grummeligen Eigenbrötler Arthur allerdings zu albern, ja fast peinlich. Er wartet draußen auf seine geliebte Gattin.

Während die Gesangsgruppe beschließt, an einem Gesangswettbewerb für  Chöre teilzunehmen, verschlechtert sich Marions Zustand: Ihr Krebsleiden ist wieder ausgebrochen und nicht mehr heilbar. Ihre Ärztin rät ihr, die verbleibende Zeit zu genießen, und Marion lässt es sich nehmen, weiter zu singen, was bei Arthur auf komplettes Unverständnis stößt. Nicht eben feinfühlig, stößt er nicht nur seinen Sohn mit der ruppigen Mitteilung vom nahenden Tod der Mutter vor den Kopf, sondern auch den Rentnerchor, der vor dem Fenster ein Ständchen bringt.

song-for-marion-3Als Marion gestorben ist, vereinsamt Arthur zunehmend: Er bricht den Kontakt zu Sohn und Enkelin ab und hockt nur noch zu Hause rum.  Gelegentlich treibt es ihn aus alter Gewohnheit zum Gemeindehaus, wo der Chor probt. Die junge Chorleiterin Elizabeth entpuppt sich als verständnisvolle Frau, die versucht, Arthur zu überreden, mit dem Singen anzufangen. Gerade jetzt, wo der Chor sich für den Wettbewerb qualifiziert hat. Doch Arthur ist nicht so leicht umzustimmen.

Rein musikalisch hat sich Regisseur und Autor Paul Andrew Williams von der sehenswerten Doku „Young at Heart“ beeinflussen lassen, in der ein Rentnerchor sich Rock und Pop Stücke vornimmt und diese als Vokalstücke auf die Bühne bringt. So verwundert es nicht, dass die OPAZ, wie sich Elizabeth Sängergruppe nennt, sich an „Let’s Talk About Sex“ von Salt’n’Pepa und „Ace of Spades“ von Motörhead versuchen. Das allein macht schon Spaß und sorgt für gute Laune.

song-for-marion-1Allerdings steht das Drama um Rentner Arthur, der den Verlust seiner geliebten Frau verarbeiten muss, deutlich im Vordergrund von „Song for Marion“. Es ist eine große Stärke von Williams erstem Drama, dass die Beziehung von Marion und Arthur, ihre Sozialkontakte und ihr Familienleben so präsent entwickelt werden, dass man sich als Zuschauer in die Situation von Arthur wiederfindet und mit ihm leidet und neuen Mut schöpft. Das mag sich jetzt selbstverständlich anhören für ein Drama, ist es aber keineswegs. Es ist vor allem den großartigen Hauptdarstellern, inklusive der quirligen Gemma Aerton zu verdanken, dass „Song for Marion“ so berührend ausgefallen ist. Ihre lebensbejahende Art springt da ein, wo Marions Lebensfreude Arthurs Leben einst komplettiert hat und so gelingt es dem Witwer schließlich, aus seinem Schneckenhaus herauszuschauen.

„Song for Marion“ funktioniert im Grunde als gelungene Mischung aus zwei Elementen: Während sich das Drama im Wesentlichen innerhalb der Familie abspielt, sorgt die Musik (zumindest über weite Strecken) eher für die humoristischen Elemente. Das ist in seiner Konsequenz zwar absehbar, berührt aber dennoch, weil die Darsteller die Qualitäten der Geschichte wirkungsvoll herauskitzeln und dem Drama eine große Glaubhaftigkeit verleihen.

Angesichts von Paul  Andrew Williams bisherigem Filmschaffen verwundert es nicht gerade, wenn der Regisseur und Drehbuchautor sagt, „Song for Marion“ sei sein bisher persönlichstes Drehbuch, das vor allen von seinen Großeltern inspiriert sei. Bislang hat sich Williams vor allem im Thriller-Genre ausgetobt und mit „London To Brighton“ (2006), „The Cottage“ (2008) gute Genrekost abgeliefert, die hierzulande nur als DVD-Premieren erschienen sind. Mit seinem Thriller „Cherry Tree Lane“ (2010) überzeugte Williams allerdings nur eingefleischte Fans. Zeit also, etwas Neues auszuprobieren. Und mit „Song for Marion“ ist dem Regisseur eine beachtliche Umorientierung gelungen.

Das britische Drama „Song for Marion“ erfindet das Genre zwar nicht neu, ist aber ein bewegendes und fein gespieltes Drama über Verlust und Alter, das mit einigem Humor und vor allem viel Musik zu überzeugen weiß und zu Herzen geht.

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Copyright: Ascot Elite

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Song for Marion

Länge: 93 min

Kategorie: Comedy, Drama, Music

Start: 14.03.2013

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Geschrieben von Frank Schmidke

Länge: 93 min
Kategorie: Comedy, Drama, Music
Start: 14.03.2013

Bewertung Film: (7/10)

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