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Ein freudiges Ereignis

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 13. September 2012

Ein freudiges Ereignis

In den letzten Jahren versuchen sich vermehrt Regisseure an dem Thema der Schwangerschaft und den damit einhergehenden späteren Problemen der richtigen Kindererziehung zu widmen, was zumeist als Komödie konzipiert ist, mit Witz den Zuschauer jedoch nur in den seltensten Fällen unterhalten kann. Mit Kirk Jones seinem “Was passiert, wenn’s passiert ist” haben wir vor kurzem erst ein Beispiel gesehen wie man es am besten nicht machen sollte, umso erfreulicher ist die Umsetzung des französischen Regisseur Rémi Bezançon, der zwar weniger mit seinem Witz unterhalten kann, als vielmehr mit dem Abbild des echten Lebens.

Die junge und attraktive Studentin Barbara (Louise Bourgoin) verliebt sich in Nicolas (Pio Marmaï) der in einer Videothek versucht seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Beide leben ihre Liebe in allen Zügen aus, ziehen in eine gemeinsame Wohnung und lassen das Leben in vollen Zügen auf sich einwirken. Um das Glück zu komplettieren wünschen sich beide ein Kind was natürlich auch gleich beim ersten Versuch klappt, doch aus den unterhaltsamen neun Monaten bis hin zur Geburt wird schon bald eine Zeit voller Selbstzweifel für Barbara. Kaum ist die kleine Lea auf der Welt, bricht für beide spürbar die Welt zusammen. Auf einmal findet sich Barbara in einer Selbsthilfegruppe für stillende wieder, zwischen beiden liegt nur noch das Baby im Bett, an Sex ist nicht zu denken und zu allem Überfluss hat auch noch Nicolas Mutter ständig das letzte Wort, wenn es um die Kindererziehung geht…

Ein freudiges EreignisBasierend auf dem gleichnamigen Roman von Eliette Abeccassis (Kadosh) konzipiert Rémi Bezançon (C’est la vie – So sind wir, so ist das Leben) zusammen mit der Drehbuchautorin Vanessa Portal einen Film der weniger von seiner witzigen Seite überzeugen kann, als vielmehr mit seiner eigenen Geschichte die in einer ehrlichen Art und Weise vom Elternwerden und Elternsein in einer modernen Gesellschaft berichtet.

Ein sehr bekanntes Sprichwort sagt “Eltern werden ist nicht schwer, Eltern sein umso mehr” das die Geschichte rund um Barbara und Nicolas nicht treffender beschreiben könnte. Beide sind bis über die Ohren in einander verliebt und glücklich, beide wünschen sich ein gemeinsames Kind um dieses Glück zu komplettieren und beide haben im Grunde gar keine Ahnung vom richtigen Leben, was uns Rémi Bezançon gleich in mehreren Szenen versucht zu zeigen. Nicolas arbeitet in einer Videothek und denkt daheim lieber ans Videospiel, Barbara arbeitet an ihrer Doktorarbeit für ihr Psychologiestudium und beide gehen zusammen Abends gern einmal aus und trinken einen über den Durst.

Ein freudiges EreignisWährend Barbara mit der Geburt der kleinen Lea schon bald überfordert ist, geht Nicolas seinem gewohnten Tagesablauf nach. Er trifft sich noch immer Abends mit seinen Freunden, Videospiele kann man auch spielen wenn man auf einem Arm das Kind hat und wenn Barbara mit ihren Nerven am Ende ist, holt sie sich ausgerechnet Tipps von einer seltsamen Psychosekte die das eigene Stillen des Kindes über alles setzt. Natürlich leben sich beide auseinander, dass Baby bekommt einen immer höheren Stellenwert, im Bett herrscht zwischen beiden schon länger absolute Flaute und so muss kommen was kommen musste, die Trennung ist unausweichlich.

All das versucht Rémi Bezançon immer wieder mit kleinen witzigen Szenen aufzuheitern, wenn sich Barbara beispielsweise einen Dildo in Form eines Hundes kauft der per Pfeifton mit der Zunge leckt, Nicolas Mutter mit einer riesigen Milchpumpe anrückt oder das Baby kurzerhand als sprechendes 3D Modell gezeigt wird. All das mag bei dem Zuschauer das eine oder andere Schmunzeln auslösen, wirklich witzig sieht allerdings anders aus. Zum Glück sind die Stärken von “Ein freudiges Ereignis” jedoch ganz andere und das ist in erster Linie die wirklich gute Umsetzung jener Situation der viele Eltern Jahr für Jahr ausgesetzt sind. Die beiden Partner leben sich langsam auseinander, das Baby nimmt einen immer wichtigeren Stellenwert ein worunter die Beziehung letztendlich leidet und spätestens wenn einer der Partner vollkommen überlastet mit der Situation ist, schleichen sich Depressionen mit Leichtigkeit ein.

Ein freudiges EreignisVon Seiten der Darsteller sind Louise Bourgoin (Adèle und das Geheimnis des Pharaos) und Pio Marmaï (Nathalie küsst) beide überaus überzeugend wenn sie ihre jeweiligen Rollen mit den ganz individuellen Problemen versuchen auf der Leinwand auszuleben. Anfangs noch beide Feuer und Flamme ist Bourgoin schon bald mit der Situation überfordert und driftet ab ins depressive, während sich Marmaï einfach nicht auf die Rolle als Vater einlassen kann.

“Ein freudiges Ereignis” erzählt von dem schwierigen Weg zweier Menschen ihre Rolle als Elternteil zu finden und anschließend auch zu bewältigen. Obwohl gerade die witzigen Stellen oftmals ein wenig zu kurz kommen, überzeugt Rémi Bezançon dennoch mit seiner detaillierten und vor allem ehrlichen Darstellung des Lebens, das so im Kino leider viel zu selten dargeboten wird.

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Wir vergeben daher 6,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Camino

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Ein freudiges Ereignis

Länge: 107 min

Kategorie: Comedy, Drama

Start: 04.04.2013

cinetastic.de Filmwertung: (6,5/10)

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Info

Ein freudiges Ereignis

Ein freudiges Ereignis

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 107 min
Kategorie: Comedy, Drama
Start: 04.04.2013

Bewertung Film: (6,5/10)

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