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Mad Circus – Eine Ballade von Liebe und Tod

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 28. März 2012

Mad Circus - Eine Ballade von Liebe und Tod

Wenn man versucht, sich jene Regisseure ins Gedächtnis zu rufen, die für ihre schrillen und grotesken Filme stehen, so fallen einem sofort Oscar-Preisträger Quentin Tarantino und Cannes-Gewinner Robert Rodriguez ein. Ähnliche Qualitäten hat jedoch auch der spanische Regisseur und Drehbuchautor Álex de la Iglesia, der für sein neuestes Werk „Mad Circus – Eine Ballade von Liebe und Tod“ vom Großmeister Quentin Tarantino persönlich auf den Filmfestspielen in Venedig den Silbernen Löwen überreicht bekam.

In den Wirren des spanischen Bürgerkrieges (1936 – 1939), der zwischen der demokratisch gewählten Regierung und den Putschisten unter General Francisco Franco ausgetragen wird, unterhalten zwei Clowns eine Reihe von Kindern, bis plötzlich Regierungssoldaten das Zelt stürmen und die Artisten zwangsrekrutieren. Bewaffnet mit Gewehren und Macheten gehen diese gegen die Truppen von Francisco Franco vor und unterliegen dennoch. Der junge Javier – Sohn dieses Clowns – findet seinen Vater schließlich dem Tode nahe und schwört Rache, Rache für all die gefallenen Soldaten und Rache für seinen Vater. Viele Jahre später, 1973, in der Endphase des Franco-Regimes, heuert Javier (Carlos Areces) selber bei einem Zirkus an und trifft dort als trauriger Clown auf eine Gruppe talentierter Artisten. Aushängeschild dieser Artisten ist der lustige Clown Sergio (Antonio de la Torre), den alle Kinder der Stadt lieben. Doch Sergio hat auch seine dunklen Seiten, die sich vornehmlich in Form seiner sadistischen Spiele mit seiner Freundin Natalia (Carolina Bang) zeigen. Als sich Javier schließlich unsterblich in Natalia verliebt ist sofort klar, dass diese Dreiecksbeziehung nicht lange gut gehen kann, und so treiben alle einem Finale entgegen, das vor allem durch ausufernde Gewalt gekennzeichnet ist…

Mad Circus - Eine Ballade von Liebe und TodSchon der Anfang von Álex de la Iglesias „Mad Circus – Eine Ballade von Liebe und Tod“ zeigt die surreale Welt, in der wir uns bewegen, wenn zwei Clowns die Kinder unterhalten und im Off die Explosionen der Bomben zu hören sind. Die Tür fliegt auf, die Artisten werden zwangsrekrutiert und auf einmal sehen wir nur noch, wie sich ein farbenfroher Clown mit einer Machete in der Hand durch die ankommende Horde voller Soldaten kämpft, ohne Rücksicht auf Verluste. Wenn man es nicht besser wüsste könnte man nun glauben, man wäre im neuen Film von Quentin Tarantino – doch falsch gedacht.

„Mad Circus – Eine Ballade von Liebe und Tod“ ist ein Film über die Liebe, das Begehren und den Tod gleichermaßen. Als Metapher,stehend für Spanien, spiegelt der Film vor allem in seinen Figuren jene Einflüsse wider, unter denen das Land fast 40 Jahre lang stand. Der böse Clown steht für die Diktatur Francos, der traurige Clown für den Widerstand, und die schöne Natalia steht für den Masochismus dieses Landes, das sich von seiner Geschichte bis heute nicht erholt hat.

Mad Circus - Eine Ballade von Liebe und TodIm Mittelpunkt steht die wunderschöne Akrobatin Natalia, welche sich zwischen zwei Männer der Extreme einfach nicht entscheiden kann. Auf der einen Seite haben wir Sergio, den überaus gewalttätigen Liebhaber der sie nur dann liebt, wenn sie auch zu ihm steht. Auf der anderen Seite steht Javier, der liebevolle, aber in sich verbitterte alternde Clown. Schon früh kommt es hierbei zu einem ersten Aufeinandertreffen, wenn Sergio auf einem Rummel Javier auf einen „Hau den Lukas“ wirft und so lange mit einem Hammer Javiers Bauch bearbeitet, bis die Glocke erklingt. Doch auch Javier mutiert zu einem aus Rache getriebenen Tier, wenn er wenig später das Gesicht Sergios mit einer Trompete verunstaltet, so dass nur noch ein Tierarzt (!!!) den Geschundenen notdürftig zusammenflicken kann.

Der wirkliche Spaß beginnt allerdings erst, als Javier von einem alternden faschistischen General gefangen genommen wird und dieser ihn wie einen Hund abrichten lässt. Sich rückbesinnend auf die versprochene Rache für seinen Vater verätzt sich Javier das Gesicht, drückt sich zudem noch das heiße Bügeleisen hinein und schlüpft in einen Bischofsmantel, in welchem er unter Zuhilfenahme zweier Maschinengewehre erst einmal kräftig unter den Beteiligten aufräumt.  Zum großen Showdown kommt es schließlich ausgerechnet auf dem Kreuz des „Valle de los Caidos“, was stellenweise an die Schlussszene von Hitchcocks „North by Northwest“ erinnert.

Mad Circus - Eine Ballade von Liebe und TodAb dem 27.04.2012 kommt Iglesias „Mad Circus – Eine Ballade von Liebe und Tod“ auf Blu-ray und DVD in den Handel und somit auch in euer Wohnzimmer. Das Bild der Blu-ray ist mit 1080/24p gestochen scharf und auch die Audiospur kann in DTS-HD Master Audio 5.1 überzeugen. Wie immer würden wir euch gern die Extras der Blu-ray vorstellen – wenn es denn welche gäbe. Für alle Fans von zusätzlichen Hintergrundinformationen bringt Koch Media allerdings noch eine zwei Disc Special Edition heraus, die mit einem „Produktionstagebuch“, „Álex de la Iglesia in Berlin“, „Making of“, „Spezialeffekte“ und „Entfallene Szenen“ eine randvolle Disc aufweist, die uns jedoch leider nicht zur Verfügung stand.

Iglesias „Mad Circus – Eine Ballade von Liebe und Tod“ ist eine wunderbar groteske Aufarbeitung des Franco-Regimes, angesiedelt irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn. Obwohl der Film mit seinen 107 Minuten spürbare Längen hat, steht er dennoch den Filmen von Tarantino und Rodriguez nur wenig nach.

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Mad Circus - Eine Ballade von Liebe und Tod

Länge: 107 min

Kategorie: Comedy, Horror, War

Start: 27.04.2012

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Mad Circus - Eine Ballade von Liebe und Tod

Mad Circus – Eine Ballade von Liebe und Tod

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 107 min
Kategorie: Comedy, Horror, War
Start: 27.04.2012

Bewertung Film: (7/10)

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