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Was bleibt

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 14. Februar 2012

Genau zweimal im Jahr fährt Schriftsteller Marko (Lars Eidinger) mit seinem Sohn Zowie (Egon Merten) zu seinen Eltern nach Süddeutschland, damit diese auch mal wieder ihren Enkel sehen. Was von außen scheinbar wie eine intakte Familie wirkt, soll sich dennoch nach und nach als Lug und Trug heraus stellen. Marko lebt von seiner Frau Tine (Eva Meckbach) bereits seit sechs Monaten getrennt, nur davon weiß noch niemand etwas. Der zweite Sohn – Jakob (Sebastian Zimmler) – hat eine prächtige Zahnarztpraxis, nur bleiben dort die Patienten aus und die Schulden erdrücken ihn, auch davon weiß niemand etwas. Die dritte Partei sind die Eltern selbst, bestehend aus Gitte (Corinna Harfouch) und Günther (Ernst Stötzner), die zwar seit 30 Jahren verheiratet sind, aber so richtig zusammen doch schon lange nicht mehr. Ausgerechnet an diesem Wochenende beichtet die psychisch kranke Gitte, dass sie selbst seit nunmehr zwei Monaten ihre Medikamente abgesetzt hat und es ihr noch immer gut geht. Was im ersten Augenblick nach einer positiven Überraschung klingt, setzt die drei Männer in volle Aufregung. Einzig und allein Marko will seiner Mutter glauben, doch plötzlich verschwindet diese spurlos…

Was bleibtNachdem Regisseur und Drehbuchautor Hans-Christian Schmid bereits mit seiner Produktionsfirma 23/5 FILMPRODUKTION „Requiem“ und „Sturm“ erfolgreich an den Start brachte, schlägt er nun zusammen mit seinem Drehbuchautor Bernd Lange erneut zu, um die wunderbar heile Welt einer gut bürgerlichen Familie darzulegen, die gar nicht so intakt ist, wie sie uns glauben machen mag.

Fernbeziehungen zu seinem Partner oder gar den lieben Eltern zu pflegen ist nicht immer leicht, was nicht selten in deinem einen oder anderen Streit am Wochenende gipfelt, welches doch eigentlich für die gemeinsame Entspannung gedacht war. Ein Ähnliches Schicksal erleidet auch Marko, der im Grunde nur für ein langes Wochenende seine Eltern besuchen will, um sich bekochen zu lassen und endlich einmal die Füße hoch zu legen. Leider ist die Familie rund um dem im Ruhestand befindlichen Verlagschef Günther alles andere als intakt, wie sich nach und nach herausstellen soll. Katalysator ist nicht etwa das große Ereignis, dass Günther seine Firma verkauft hat und kürzer treten will, nein es ist die psychisch labile Gitta, die bereits seit zwei Monaten ohne Medikamente auskommt. Während Günther und Jakob entsetzt sind und um ihre Gesundheit fürchten, ist es lediglich Marko, der das positive darin sehen mag.

Was bleibt„Was man liebt, das lässt man los, was zurückkommt bleibt“ sagt Gitta darauf in einem persönlichen Gespräch zu Marko und genau dies soll sich auch schon bald bewahrheiten. Es folgt der Twist mit Jakobs Firma und dessen Geldsorgen, Marko beichtet seiner Mutter, dass er von Tina seit sechs Monaten getrennt lebt und zu guter letzt kommt auch noch heraus, dass Günther seit zwei Jahren eine Affäre hat. Im Mittelpunkt all dieser Aufregung soll sich jedoch ein Lied befinden, welches Marko auf dem Klavier begleitet und Gitte und Günther voller scheinbarer Freude singen. Endlich können beide anhand des Lied Textes das sagen, was sie schon so lange bewegt, endlich wird das ausgesprochen, was niemals ausgesprochen werden sollte. Die heile Fassade bröckelt, Gitte verschwindet spurlos und nach und nach geht jeder wieder dem gewohnten Leben nach, was vor kurzem noch unmöglich gewesen wäre. Grade das Ende des Filmes mag für den einen oder anderen überraschend sein und dennoch ist es genau das, was wir uns doch immer wünschen, es ist anders und innovativ.

Von den Hauptdarstellern kann man im Grunde niemanden hervor heben, denn sie alle spielen ihre Rolle ausgezeichnet. Ob dies nun Lars Eidinger und Sebastian Zimmler sind, die die beiden Brüder völlig gegensätzlich spielen oder Corinna Harfouch und Ernst Stötzner, welche das ältere Ehepaar verkörpern, rund um gelungen. Erwähnenswert ist hier aber auch die wirklich gute Arbeit von Kameramann Bogumil Godfrejow und Cutter Hansjörg Weißbrich, die beide schon in diversen Schmid Produktionen vertreten waren.

„Was bleibt“ ist der etwas andere Film über die feine heile Welt einer gutbürgerlichen Familie, die im Grunde nur auf Lug und Trug aufgebaut ist. Obwohl dieser Film nicht zum engeren Kreis der Berlinale Favoriten zählen wird, haben Hans-Christian Schmid und Bernd Lange ein durchaus ungewöhnliches Werk erschaffen, dass sich sehen lassen kann.

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Copyright: Pandora

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Was bleibt

Länge: 85 min

Kategorie: Drama

Start: 06.09.2012

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 85 min
Kategorie: Drama
Start: 06.09.2012

Bewertung Film: (7/10)

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