Texas Killing Fields

Das Sprichwort “Wie der Vater so der Sohn” (oder in unserem Fall die Tochter) trifft leider nicht immer zu, was die Regisseurin Ami Canaan Mann (Tochter des “Heat” Regisseurs Michael Mann) am eigenen Leibe erfahren musste, als sie im Jahre 2001 beim nur wenig erfolgreichen Drama “Morning” Regie führen durfte. Nach einem kurzen Ausflug in die amerikanischen Fernsehshows ist sie nun nach über zehn Jahren noch einmal zurück um sich mit “Texas Killing Fields” zu rehabilitieren, doch auch dieses Mal soll ihr nicht alles gelingen.

Detective Mike Souder (Sam Worthington) arbeitet mit seinem aus New York versetzten Kollegen Brian Heigh (Jeffrey Dean Morgan) im Morddezernat der kleinen texanischen Stadt Texas City und untersucht den mysteriösen Fall eines Serienmörders, der in nur 30 Jahren ganze 60 Leichen in den Sümpfen zurückgelassen hat. Die Sümpfe sind bei den Einheimischen nur als “Texas Killing Fields” bekannt und liegen ganz nebenbei nicht im Zuständigkeitsbereich von Heigh, doch dieser kann einfach nicht los lassen. Als die kleine Anne (Chloë Moretz) plötzlich verschwindet beginnt ein Kampf gegen die Zeit…

Texas Killing FieldsIn den letzten Jahren versucht man uns leider immer mehr mit Filmen über die vermeintlich schwere Polizeiarbeit zu überzeugen, sodass diese sich kaum noch unterscheiden. Drehbuchautor Don Ferrarone (Bad Boys II) war ursprünglich selber als Ermittler in Texas tätig und ließ seine Erfahrungen mit in dieses Drehbuch einfließen, bei dem er den Fokus auf einen von vielen Mördern der “Texas Killing Fields” legt. Entstanden ist hierbei in seinem Drehbuch-Debüt leider nur ein völlig durchschnittlicher Film, dem es einfach an der nötigen Dynamik fehlt, sich von seinen Pendants erfolgreich abzuheben.

Die Geschichte beginnt mit zwei Polizisten die nicht unterschiedlicher sein könnten. Auf der einen Seite haben wir mit Brian Heigh einen Detective der das Leben in Texas kennt und sich für die Bevölkerung interessiert, auf der anderen Seite Mike Souder, der für all dies wenig Verständnis aufzubringen scheint. Beide unterscheiden sich hierbei radikal mit ihren Ermittlungsmethoden, die das Verhältnis der beiden auch im Nachhinein nicht sonderlich positiv beeinflussen. Während Heigh das kleine Mädchen Anne von ihrer als Prostituierte arbeitende Mutter versucht wegzuholen und ein besseres Leben zu bieten, hat Souder für all dies wenig Verständnis.

Texas Killing FieldsDas zweite Konfliktpotential zwischen beiden ist die Arbeit in ihren zuständigen Distrikten, die Souder penibel genau versucht einzuhalten. Lediglich Heigh kümmert sich um die Mordfälle außerhalb ihrer Stadt und ihrer Zuständigkeiten, welche schon bald auf eine neue und persönliche Ebene getragen werden. Auf ihrer Mailbox erscheint plötzlich der Hilfeschrei einer sterbenden Frau, bei der sich der Killer im Nachhinein auch noch persönlich meldet. Als nur wenig später mit der kleinen Anne ein Mädchen betroffen ist das Heigh direkt kennt, ist für diesen kein Halten mehr und er beginnt die “Texas Killing Fields” auf eigene Faust hin zu untersuchen.

Obwohl die Geschichte über die besagten “Texas Killing Fields” genug Stoff für mehrere Thriller bietet, schafft  Drehbuchautor Don Ferrarone es nicht diesen erfolgreich in ein spannendes Konstrukt zu verpacken. Der Film beginnt schwermütig, versucht immer wieder den Fokus auf die kleine Anne zu setzen und dabei dies schon vorher möglichst dunkel und gefährlich wirken zu lassen. Dadurch ist die spätere Entführung absolut nichts Neues mehr, wobei das Wort “Thriller” hierbei auch alles andere als treffend genutzt wurde. Vielmehr erinnert “Texas Killing Fields” an ein Drama zweier Polizisten, die mit der Entführung von Anne ihren eigenen Katalysator präsentiert bekommen haben.

Texas Killing FieldsVon Seiten der Darsteller kann man hier leider genauso wenig Positives berichten wie von der nur durchschnittlichen Geschichte. Die aus “The Tree of Life” bekannte Cannes Gewinnerin Jessica Chastain (Take Shelter – Ein Sturm zieht auf) tritt hier kaum in Erscheinung und wirkt als taffe FBI Agentin eher als Fremdkörper, als das sie sich positiv in die Geschichte mit einbringt. Die Rolle von Sam Worthington (Kampf der Titanen) und seiner aufgesetzt wirkenden Religiosität bedient hier leider wieder alle Klischees, wobei das Schauspiel von Jeffrey Dean Morgan (P.S. Ich Liebe Dich) über alles erhaben ist. Mit seinem heruntergekommenen äußerem, seiner Überzeugung und dem nötigen Willen den Fall auch außerhalb seines Zuständigkeitsbereiches zu lösen, kann dieser durchaus überzeugen.

Der Thriller “Texas Killing Fields” erscheint ab dem 10.07.2012 auf Blu-ray und DVD im Handel und kann neben seinem durchaus guten Bild vor allem mit seinem kräftigen Sound in DTS-HD Master Audio 5.1 (Englisch nur Dolby Digital 5.1) überzeugen. An dieser Stelle würden wir normalerweise auf die umfangreichen Extras der Blu-ray bzw. DVD eingehen, doch leider waren diese auf unserem Vorab-Exemplar noch nicht enthalten. Auf der fertigen Blu-ray zum Verkaufsstart werden neben der “B-Roll” auch Interviews mit Chloe Moretz, Sam Worthington, Stephen Graham und Regisseurin Ami Mann enthalten sein.

Mit “Texas Killing Fields” schafft es Ami Mann auch diesmal nicht die überaus großen Schuhe ihres Vaters auszufüllen. Die Geschichte ist zum Großteil einfach zu harmlos, zu vorhersehbar und die Charaktere wirken aufgesetzt. Lediglich der Soundtrack von Dickon Hinchliffe ist wie immer gelungen.

Zorn der Titanen

Gerade einmal zwei Jahre ist es her, seitdem Louis Leterrier mit “Kampf der Titanen” für Schlagzeilen sorgte, im positiven wie auch im negativen Sinne. Während die Kämpfe und die Action Szenen überaus pompös gestaltet waren, hatte der Film unübersehbare Schwächen im Drehbuch. Um diesem Problem entgegen zu wirken, wurde für “Zorn der Titanen” nicht nur der gesamte Stab an Drehbuchautoren ausgetauscht, sondern Regisseur Louis Leterrier gleich mit dazu. Unter der Regie von Jonathan Liebesman (World Invasion: Battle Los Angeles) waren diesmal Dan Mazeau, David Johnson (Red Riding Hood – Unter dem Wolfsmond) und Greg Berlanti (Green Lantern) für die Story verantwortlich, die jedoch kaum besser geworden ist als unter dem alten Team.

Zehn Jahre ist es her, seitdem Halbgott Perseus (Sam Worthington) den monströsen Kraken besiegt hat, seitdem leben er und sein zehnjähriger Sohn Helius (John Bell) ein beschauliches Leben in einem kleinen Fischerdorf. Fern ab von diesem Dorf bekämpfen die Götter dennoch noch immer die Titanen und der Kampf droht zu verlieren, beten doch die Menschen die Götter kaum noch an. Während Kronos – Anführer der Titanen – immer mehr an Macht gewinnt, sieht Göttervater Zeus (Liam Neeson) nur noch eine Chance. Eine Allianz mit seinen Brüdern Poseidon (Danny Huston) und Hades (Ralph Fiennes), doch sein eigener Sohn Ares (Édgar Ramírez) wechselt die Seiten und nimmt Zeus im Tartarus gefangen. Nun liegt es an Perseus, Andromeda (Rosamund Pike) und Poseidons Sohn und Halbgott Agenor (Toby Kebbell) gegen den Anführer der Titanen vorzugehen und die Erde vor dem Untergang zu bewahren…

Zorn der TitanenNachdem das Drehbuch von “Kampf der Titanen” äußerst wenig Inhalt offenbaren konnte, sollte es mit neuen Drehbuchautoren in “Zorn der Titanen” besser werden. Das gute Vorsätze oftmals nicht lang halten, zeigt uns dieser Film wohl am besten. Im Grunde ist hierbei die Geschichte schnell erzählt. Zeus wird verraten, Perseus muss diesen im Tartarus befreien und schon winkt der Endkampf gegen Kronos, dem Anführer der Titanen, der damals von Zeus und seinen beiden Brüdern besiegt worden war. Wenn man diese Geschichte nun auf 95 Minuten versucht auszudehnen, so ist dies nur mit den nötigen Action Szenen zu schaffen, die sich praktisch im fünf Minutentakt aneinander reihen.

Wie bei so vielen Blockbustern im Action Segment können hier jedoch neben der kaum vorhandenen Geschichte vor allem jene Szenen überzeugen, wo es laut kracht und die Protagonisten sich gegen riesige Ungeheuer erwehren müssen. Ob dies nun der Kampf gegen die Chimäre ist, die Auseinandersetzung auf Hephaestus (Bill Nighy) Insel mit den Zyklopen oder der Kampf gegen Kronos, das Auge bekommt einiges geboten. Hier kommt vor allem das eingesetzte 3D zugute, das bis auf die anfänglichen dunklen Szenen überaus ansehnlich präsentiert wurde. Die Tiefe der Bilder ist gut zu sehen, ständig fliegen Steine und Lava Brocken über den Bildschirm und auch die schnellen Kämpfe lassen dies durchaus noch als angenehm empfinden.

Zorn der TitanenWenn man nun allerdings auf die schauspielerische Leistung der einzelnen Darsteller zurückkommen möchte, so muss man dies wohl sehr differenziert vom Drehbuch betrachten. Die Dialoge waren bei keinem Darsteller wirklich überzeugend und insbesondere Hauptdarsteller Sam Worthington (Avatar – Aufbruch nach Pandora) scheint diese Rolle noch immer um einige Ecken zu groß gewesen zu sein. Er war ohne Frage besser als in “Kampf der Titanen”, doch eine überzeugende Darbietung sieht anders aus. Ganz anders waren da schon Liam Neeson (Schindlers Liste) und Ralph Fiennes (Der englische Patient), die als Zeus und Hades sichtlich Spaß an ihrer Rolle gehabt haben. Rückblickend auf den Kampf gegen Kronos in dem beide wieder als Team agieren und sich ihrer “Kindheit” erinnern, herrlich. Definitiv zu wenig Leinwandzeit wurde Bill Nighy (The Best Exotic Marigold Hotel) zugestanden, ist er von allem doch fast die präsenteste Persönlichkeit die nebenbei mit einer ordentlichen Portion Humor daher kommt. Ob nun die Dialoge als Hephaestus über “den Seefahrer”, der Kampf gegen Ares oder die Erklärung von seinem Irrgarten im Tartarus, er war einfach umwerfend.

“Zorn der Titanen” präsentiert sich auch dieses Mal als äußerst flache Geschichte ohne sonderlich viel Inhalt. Neben einem nur leidlich überzeugenden Hauptdarsteller kommen hier vor allem jene auf ihre Kosten, die rein an der Action interessiert sind. Die Kämpfe sind pompös, das 3D durchaus gelungen und die Nebendarsteller überzeugend, was will man für einen lockeren Männerabend mit dem einen oder anderen Bier mehr?

Ost Berlin im Jahre 1965. Die drei jungen Mossad Agenten David (Sam Worthington), Stephan (Marton Csokas) und Rachel (Jessica Chastain) bekommen den Auftrag, den berühmt berüchtigten Nazi-Kriegsverbrecher Dieter Vogel (Jesper Christensen) – den Chirurgen von Birkenau – zu stellen und nach Israel zu portieren. Um Vogel in die Falle zu locken, begibt sich die junge und noch unerfahrene Rachel in Behandlung des Berliner Frauenarztes, woraufhin er im Handumdrehen überwältigt und verschleppt werden kann. Durch Zufall allerdings kann dieser sich befreien und verhindert so den illegalen Grenzübertritt, woraufhin die drei wieder zurück in ihr Versteck müssen. Während die Zeit dort quälend langsam zu vergehen scheint, wird sich ein Vorfall ereignen, der alle drei für die nächsten 30 Jahre beschäftigen soll. Dreißig Jahre später werden Rachel, Stephan und David noch immer von Israel als Helden gefeiert, heute mehr denn je. Rachel (Helen Mirren) ist mit Stephan (Tom Wilkinson) verheiratet und hat mit ihm eine gemeinsame Tochter namens Sarah (Romi Aboulafia), die ausgerechnet über den damaligen Einsatz ihrer Eltern nun ein Buch veröffentlicht hat. Nachdem David (Ciarán Hinds) allerdings Selbstmord begeht, scheint Rachel und Stephen die Vergangenheit wieder einzuholen. Was ist wirklich damals passiert, im Jahre 1965 in Ost Berlin?

Eine offene RechnungNachdem der israelische Spielfilm “Ha-Hov” unter der Regie von Assaf Bernstein 2007 in die dortigen Kinos kam, erhielt er neben vielen hervorragenden Kritiken auch vier Nominierungen zum renommiertesten israelischen Filmpreis. Wie nicht anders zu erwarten, war dies auch der Zeitpunkt, an dem man sich für ein amerikanisches Remake entschied, dass in Anlehnung an die westlichen Bedürfnisse entsprechen angepasst wurde. Regisseur dieser Adaption ist niemand geringeres als der Oscar nominierte John Madden (The Best Exotic Marigold Hotel), der zuletzt mit “Shakespeare in Love” sein letztes großes Meisterwerk feiern konnte. Seitdem ist viel Zeit vergangen und da Madden nur alle 3 Jahre einen Film dreht, auch nur drei Filme. Zusammen mit den Drehbuchautoren Matthew Vaughn (Kick-Ass), Jane Goldman (Der Sternwanderer) und Peter Straughan (Dame, König, As, Spion) entstand ein Werk, das mit einigen Abstrichen durchaus den Vergleich mit seinem Original gewachsen ist.

Unterteilt in zwei Handlungsabschnitte – 1965 und 1997 – beschreibt Madden die über 30 Jahre andauernde Tortur, denen die drei ehemaligen Mossad Agenten ausgeliefert waren. Während dieser immer wieder in den Zeitebenen vor und zurück springt, erfahren wir nicht nur schon bald die Wahrheit über den Chirurgen von Birkenau, sondern auch die innere Ängste und Selbstzweifel die das Team plagt. Höhepunkt des Filmes ist aber deren Zusammensein im Versteck, sobald die Entführung Vogels misslungen ist. Auf engstem Raum durchleben die drei noch sehr jungen Mossad Agenten was es bedeutet, in der Ausweglosigkeit gefangen zu sein. Es gibt kein Zurück, es gibt keinen alternativen Plan nach vorn, es folgt die unbändige Ungeduld darauf, was denn als nächstes geschehen wird. In der Mitte dieser drei steht Vogel, der erbarmungslos mit den Gefühlen derer spielt, sie mit psychologischen Tricks versucht zu verwirren und dem letzten Endes dadurch auch die Flucht aus der Wohnung gelingt. So sehr gerade diese erste Hälfte des Drehbuches wirklich als spannender Thriller gestaltet ist, so sehr flacht dieses im weiteren Verlauf ab. Wir wissen was mit Vogel geschehen ist, die Zeitebenen vermischen sich immer mehr und gerade die letzten 10 Minuten des Filmes bringen uns dann das, was niemand auch nur im Ansatz wollte oder erwartet hätte. Ein komplett überflüssiges und scheinbar für westliche Gefilde bestimmtes Finale entsteht, das dem Film weder gut tut, noch in irgend einer Weise Story technisch weiter bringt.

Eine offene RechnungAuch wenn die Geschichte damit leider nur als besserer Durchschnitt anzusehen ist, so können die Darsteller auf ganzer Linie überzeugen. Allen voran die durch “The Tree of Life” bekannt gewordene Jessica Chastain (Take Shelter) sowie die unglaubliche Helen Mirren (Die Queen). Ob sie beide nun die junge oder 32 Jahre später die ältere Rachel spielen, es ist im Grunde ein und dieselbe Person. Feine Nuancen und Gesten gleichen sich aufs Haar und beide drücken durch Mimik mehr aus, als es so mancher Dialog zustande bringen würde. Chastain mimt als jüngstes Mitglied des Mossad Teams eine komplett unerfahrene, teils noch ängstliche Darstellerin, wobei Mirren tief gezeichnet ist von der Last die sie in ihrer Seele mit sich trägt. 30 Jahre lang wird sie vom israelischen Volke gefeiert, 30 Jahre lügt sie dieses und die Weltbevölkerung an und ist mit der Zeit sichtlich davon gezeichnet. Nicht weniger gut sind Marton Csokas (Alice im Wunderland) und Tom Wilkinson (Shakespeare in Love) in der Rolle des Stephen sowie Sam Worthington (Avatar – Aufbruch nach Pandora) und Ciarán Hinds (There Will Be Blood) als David.

Ab dem 26.01.2012 bringt Universal Pictures “Eine Offene Rechnung” auf Blu-ray und DVD in euer heimisches Wohnzimmer und wie immer haben wir uns für euch die Scheibe ganz genau angesehen. In messerscharfen 1080p ist das Bild der Blu-ray allen Zweifeln erhaben und kann durch eine wirklich gute Farbgebung auf ganzer Linie überzeugen. Neben der deutschen Tonspur habt ihr ebenfalls Deutsch, Französisch und Italienisch zur Auswahl, wobei jede Tonspur leider nur in Dolby Digital 5.1 vorliegt. Neben einem Audiokommentar von Regisseur John Madden und Produzent Kris Thykier – die euch zu fast jeder Szene viele Hintergrundinformationen geben – sind die zusätzlichen Inhalte leider mehr als rar gesät. In “Einblick in Eine Offene Rechnung” erhalten wir einen kurzen Trailer artigen Überblick von 3 Minuten mit einer minimalen Vorstellung der Charaktere, was auch in “Jedes Geheimnis hat seinen Preis: Helen Mirren in Eine Offene Rechnung” nicht viel ausführlicher vonstattengeht. Helen Mirren spricht in sehr knappen 3 Minuten von der Rolle der beiden Rachels und wie beide Darstellerinnen diese Umgesetzt haben, was letztendlich in Lobeshymnen von John Madden endet. Den Abschluss bilden 2 Minuten “Die Berlin Affäre: Das Dreieck im Zentrum von Eine Offene Rechnung”, in denen vor allem die 3 jungen Darsteller zu Wort kommen. Ausgenommen von dem Audiokommentar haben wir zusätzliche Inhalte von ganzen 8 Minuten, was bei einem Film wie “Eine Offene Rechnung” schon fast als Frechheit anzusehen ist. Bis auf lose Interviewausschnitte die oftmals keine 10 Sekunden andauern, wird uns kaum etwas geliefert, was uns mehr Informationen liefern könnte, sehr schade!

“Eine Offene Rechnung” ist ein guter Thriller der vor allem in der ersten Hälfte überzeugen kann. Neben einem (fast) guten Drehbuch können hier vor allem die Darsteller überzeugen, allen voran Helen Mirren sowie Jessica Chastain, die eine wirklich beeindruckende Performance abliefern. Während der Film durchaus zu empfehlen ist, werden allerdings alle Fans sehr enttäuscht sein, von den wirklich minimalistisch dargebotenen Extras der Blu-ray und DVD, die kaum über 8 Minuten hinaus gehen.

 

Nick Cassidy (Sam Worthington) war einst ein erfolgreicher und hoch angesehener Cop, bis er eines Tages für einen Raub verhaftet wurde, den er nie begangen hatte. Als Cop sitzt er auch noch Jahre später unter schwersten Bedingungen im Gefängnis, wo er sich in erster Linie seinen Mithäftlingen erwehren muss. Völlig verzweifelt nutzt er die erstbeste Gelegenheit zur Flucht und steigt mit einem ausgeklügelten Plan auf den Fenstersims eines New Yorker Hotels, wo er schon bald die Aufmerksamkeit der Passanten und er der Polizei erhält. Während er mit dem Gespräch der Psychologin Lydia Anderson (Elizabeth Banks) sich Zeit zu verschaffen versucht, geht dieser allerdings noch einem zweiten Plan nach. Zur selben Zeit brechen sein Bruder Joey (Jamie Bell) und dessen Freundin Nina (Pooja Kumar) in das benachbarte Hochhaus des industriellen David Englander (Ed Harris) ein, um den angeblich gestohlenen Diamanten nun wirklich zu entwenden. Während Nick auf dem Fenstersims die Zeit verrinnt, beginnt nicht nur die Spezialeinheit der Polizei unruhig zu werden, sondern auch jene korrupten Kollegen, die in den Diamantenraub von damals verwickelt waren.

Ein riskanter PlanWie weit würde ein Mann gehen, wenn er zu Unrecht verhaftet für etwas angeklagt wird, dass er nie begangen hat? Genau diese Frage stellte sich auch Regisseur Asger Leth, der nach seinem Regiedebüt mit der Dokumentation “Ghosts of Cité Soleil” im Jahre 2006 nun sein Debüt im Bereich des Langspielfilms feiert. Mit Hilfe des Drehbuchautors Pablo F. Fenjves (Murder on Spec) entwickelt dieser eine Geschichte, welche sich fast ausschließlich in einer Höhe von 225 Fuß auf der schmalen Fensterkante eines New Yorker Hochhauses abspielt.

Ein unscheinbarer Mann betritt das Hotel, bestellt auf seinem Zimmer Hummer und Champagner, schreibt einen Abschiedsbrief und begibt sich nach draußen. Ein ähnliches Szenario erleben Jahr für Jahr viele New Yorker Polizisten und fast immer liegt die Überlebenschance bei etwa 50:50, wie einige Polizisten zu berichten haben. Mit gezielten Hinweisen auf einen ernsten Selbstmord verlangt Nick die Psychologin Lydia, welche noch am ehesten seine Position verstehen kann. Lydia hat vor kurzem vor einem ähnlichen Fall gestanden, in welchem sie allein auf einen Selbstmörder einreden musste, der letzten Endes doch von der Brücke sprang. Mit interessanten Dialogen gelingt es Ein riskanter PlanFenjves an dieser Stelle, die teils eintönig langsam vergehende Zeit auf dem Fenstersims zwischen Nick und Lydia zu überbrücken. Ganz anders verfährt er mit seinem Bruder Joey und dessen Freundin Nina, die als vollkommende Anfänger in teils sehr ungeschickten Aktionen versuchen, den 30 Mio. Dollar teuren Diamanten zu entwenden. Hierfür bedient er sich in erster Linie flachen, aber dennoch witzigen Elementen, sowie dem unglaublichen Sex Appel von Hauptdarstellerin Pooja Kumar (Bollywood Beats). Egal ob im engen Lederanzug oder ganz in Unterwäsche, die Rolle des Eye Candy füllt sie zu 110% aus.

“Ein riskanter Plan” bringt für Fans dieses Genres leider nicht viel Neues mit sich. Während die Darsteller – allen voran Elizabeth Banks und Sam Worthington – eine wirklich solide Leistung abliefern und zusammen hervorragend harmonieren, läuft die Geschichte dennoch nach altbekanntem Muster ab. Schon früh lassen sich die verschiedensten Wendungen des Filmes erahnen, wobei insbesondere der Sub-Plot mit den korrupten Polizisten mehr als enttäuscht. Somit kommt “Ein riskanter Plan” leider nicht über den Durchschnitt hinaus und ist eher als DVD Kandidat für das heimische Wohnzimmer zu empfehlen.

Israel im Jahre 1997. Die junge Journalistin Sarah Gold (Romi Aboulafia) stellt ihr Buch der Öffentlichkeit vor, in welchem sie die Mossad-Aktion im Jahre 1965 detailliert schildert. An dieser Mission war neben ihrer Mutter Rachel Singer (Helen Mirren) auch David Peretz (Ciarán Hinds) und Stephan Gold (Tom Wilkinson) beteiligt. Aufgabe war es, den Naziverbrecher Dieter Vogel (Jesper Christensen) nach Israel zu entführen, um ihm dort vor allen Augen den Prozess zu machen. Leider ging die akribisch vorbereitete Mission in Ost Berlin schief und die 3 Agenten konnten das Land nicht verlassen. Bei einem Fluchtversuch Vogels musste dieser leider erschossen werden, so zumindest die offizielle Version. 32 Jahre später müssen die drei nun wieder die Geschichte von damals durchleben und es stellt sich heraus, dass nicht alles so war wie es in den Berichten wiedergegeben wurde. Erneut müssen sie sich der Vergangenheit und dem berüchtigten “Chirurgen von Birkenau” Dieter Vogel stellen…

Eine offene Rechnung“Eine offene Rechnung” ist das Hollywood Remake vom 2007 erschienenen israelischen Film “Ha Hov”, der unter anderen 4 Nominierungen vom “Awards of the Israeli Film Academy” erhielt. Da Hollywood alle guten Filme noch einmal für das westliche Publikum aufbereiten muss, erhielt hierfür John Madden (Shakespeare in Love, Killshot) die Gelegenheit. Hilfreich zur Seite standen ihn hierfür seine beiden Drehbuchautoren Matthew Vaughn (Kick-Ass, Der Sternwanderer) und Jane Goldman (X-Men: Erste Entscheidung). Herausgekommen ist ein durchaus nett anzusehender Agenten-Thriller der immer wieder zwischen zwei Zeitebenen hin und her wechselt. Weniger gut ist hierbei John Maddens nicht konsequent durchgezogene Haltung zum Film. Die Zeitebene um 1965 versucht er historisch in vielen kleinen Dingen zu untermauern und dennoch traut er sich nicht, die Gruppe für ihr eigenes Handeln zu hinterfragen. Er setzt sich nicht mit dem Thema auseinander ob diese Aktion gerechtfertigt war oder welche Konsequenzen dies im Jahre 1997 hätte, er beschränkt alles rein auf den Kriegsverbrecher Dieter Vogel.

Die Hauptrollen sind in “Eine offene Rechnung” gleich doppelt besetzt. Rachel Singer wird von Helen Mirren (Die Queen, Tintenherz) und Jessica Chastain (The Tree of Life, The Help) gespielt, David Peretz von Ciaran Hinds (Salvation Boulevard, The Rite) und Sam Worthington (Texas Killing Fields, Kampf der Titanen) sowie Stephan Gold von Tom Wilkinson (The Green Hornet, Die Lincoln Verschwörung) und Marton Csokas (Alice im Wunderland, The Tree). Alle 6 spielen ihre Rolle äußerst gut wobei Helen Mirren positiv hervorstechen kann.

So spannend “Eine offene Rechnung” am Anfang auch erzählt wurde, so urplötzlich fällt dieser Spannungsbogen ab der Hälfte des Filmes wieder ab. Die Geschichte ist erzählt, wir kennen die Wahrheit und alles weitere versucht irgendwie den Film künstlich in die Länge zu sehen. Spätestens nach dem völlig überzogenen Ende kann ich jedem interessierten nur raten, sich ggf. noch einmal das israelische Original anzusehen. Der bereits erschienene original Film heißt im deutschen “Der Preis der Vergeltung”.