Mikael Blomkvist (Daniel Craig) ist ein investigativer Wirtschaftsjournalist, der fest entschlossen ist, seine Ehre wieder herzustellen. Nachdem dieser wegen über Verleumdung verurteilt wurde, tritt der reiche industrielle Henrik Vanger (Christopher Plummer) in sein Leben, um seine Dienste als Journalist und Detektiv in Anspruch zu nehmen. Henriks Nichte Harriet wurde im Jahre 1966 als 16 jähriges Mädchen ermordet, was allerdings nie bewiesen worden konnte. Bis auf das plötzliche Verschwinden konnten in den ganzen 40 Jahren kein Hinweis gefunden werden, was mit dem Mädchen passiert war. Die einzige Botschaft seither ist, dass Henriks jedes Jahr einmal eine getrocknete Blume vom vermeintlichen Mörder erhält. Mittelpunkt dieser Verschwörung ist Henriks weitläufige Familie, die aus lauter Streitigkeiten untereinander kaum noch ein Wort miteinander wechselt.

Etwa zur selben Zeit wird Lisbeth Salander (Rooney Mara) – eine ungewöhnliche aber gleichermaßen geniale Detektivin und Hackerin der Sicherheitsfirma Milton Security – damit beauftragt, in Blomkvists Leben herum zu schnüffeln, was letztendlich aber dazu führt, dass sie Blomkvist bei dem Mord an Harriet Vanger hilft. Gemeinsam betreten sie ein 40 Jahre altes Schachspiel aus Intrigen, Mord und Inzucht…

VerblendungWie schon so oft könnte man sich an dieser Stelle nun darüber auslassen, welches Motiv Hollywood in seiner Vielzahl an Remakes berühmter Filme sieht. Einmal mehr wurde nun der Blockbuster Roman Stieg Larssons genommen, um nach Niels Arden Oplevs (Millennium) Verblendung aus dem Jahre 2009 ein Remake mit amerikanischen Darstellern zu drehen. Für diesen Job kam im Grunde nur einer in Frage, “The Social Network” Regisseur und Oscar-Nomine David Fincher (Fight Club, Der seltsame Fall des Benjamin Button). Zusammen mit Drehbuchautor und Oscar-Gewinner Steven Zaillian (Schindlers Liste, Gangs of New York) sollte hier allerdings keine eins zu eins Kopie entstehen, sondern eine völlig neue Interpretation Stieg Larssons Roman.

Während Zaillian in seinem Drehbuch im Grunde dicht am Original bleibt, fallen vor allem die vielen kleinen Details auf, in denen sich der Film von Niels Arden Oplevs Verfilmung im Jahre 2009 unterscheidet. Zum einen gibt es einen völlig neuen Handlungsstrang mit Blomkvists Tochter, welche ihn auf die Bibel Verse aufmerksam macht, zum anderen entwickelt Zaillian eine völlig neue Interpretation vom Ende des Filmes, die sich durchaus sehen lassen kann. Während man hier im Vorfeld noch dachte, dass grade die ausufernde Gewalt und Vergewaltigungsszenen für den amerikanischen Markt in abgeschwächter Form dargestellt werden würden, muss man überraschend aufatmen. Auch diese Stellen wurden in aller Deutlichkeit vom Buch übernommen, welche vor allem Rooney Mara (A Nightmare on Elm Street) wirklich wunderbar spielt. Hatte man hier anfangs noch seine gerechtfertigten Bedenken, so ist es ganz erstaunlich, was man aus der hübschen Frau aus “The Social Network” gemacht hat. Mit kurzen Haaren, jeder Menge Piercings und einem großen Drachen Tattoo spielt sie äußerst überzeugend die Rolle der Lisbeth Salander, welche perfekt mit dem Bond Darsteller Daniel Craig (James Bond 007 – Casino Royale, Cowboys & Aliens) harmoniert. Egal ob dies die ausgefallenen Sex-Szenen sind oder die gemeinsame Arbeit am Fall der Vanger, es passt einfach perfekt.

VerblendungBei all dem Lob muss ich hier aber auch Kritik üben, und das ist das wirklich “ungewöhnliche” Intro des Filmes. In einer Form von schwarzem Öl (oder soll das Wasser sein?) verschmelzen hier spielerisch immer wieder Körper, was mit einem sehr starken und aggressiven Soundtrack hinterlegt wurde. Als Kunstwerk oder Intro eines Musikvideos mag dies sicherlich passend sein, in Bezug auf einen Film wie “Verblendung” aber völlig deplatziert. Im gesamten Kontext wirkt dieses Intro mehr wie ein Fremdkörper, als ein passender Einstieg in eine wirklich großartige Romanvorlage.

Obwohl das Remake von “Verblendung” nur 2 Jahre nach dem schwedischen Original daher kommt, ist es für den amerikanischen Markt durchaus als gelungen anzusehen. Zweifelhaft ist hierbei aber wie anfangs bereits erwähnt der Grund, der dafür herhalten muss. Die Geschichte ist fast wie in der schwedischen Version und eine wirkliche Neuinterpretation hat diese auch von Steven Zaillian nicht erfahren können, was also rechtfertigt ein Remake nach nur 2 Jahren? David Finchers “Verblendung” ist gut und kann unterhalten, kommt aber bei weitem nicht an das schwedische Original heran.

Billy Beane (Brad Pitt) wurde einst als künftiger Baseball-Superstar gehandelt, konnte den hohen Erwartungen jedoch nie gerecht werden. Viele Jahre später hat Billy einen Schlussstrich unter seine aktive Spielerkarriere gezogen und versucht sich als Manager der Oakland Athletics, einem Team dessen beste Zeiten seit langem vorbei sind. Nicht das Billy schlechte Spieler hätte nein, doch nach jeder erfolgreichen Spielsaison verliert er seine besten Spieler an andere Clubs, die ihnen einfach mehr Gehalt zahlen können. Aus diesem Dilemma sieht er einfach kein Entkommen, muss er doch mit rund einem Drittel von dem auskommen, was anderen Clubs zur Verfügung steht. Auf einer seiner üblichen Vorstellungen bei anderen Trainern lernt er den jungen Yale-Absolventen Peter Brand (Jonah Hill) kennen, für den Baseball nur aus Zahlen und Statistiken zu bestehen scheint. Anfangs von seinen Scouts noch belächelt, fangen beide an das gesamte Team der Oakland Athletics komplett neu zu strukturieren. Man achtet nicht mehr auf einen Spieler oder dessen soziales Umfeld und wie er sich womöglich integrieren würde, man geht rein nach den Zahlen auf dem Papier. Es werden Spieler geholt die niemand kennt, Spieler mit einer ungewöhnlichen und belächelten Wurftechnik oder Spieler die schlicht zu alt oder verletzungsanfällig sind. Aus ihnen formt Billy ein Team, das Fans wie auch Manager überraschen wird und die Art des Baseballs revolutioniert.

Die Kunst zu gewinnen - MoneyballWenn es für den gewöhnlichen Kino Besucher nichts Langweiligeres gibt, dann sind dies in der Regel Sportfilme. Noch schlimmer aber sind Filme über die amerikanische Sportart Baseball, die hier zu Lande wohl nur die wenigsten kennen oder begreifen dürften. Wenn man aus diesem schon trockenen Thema dann noch ein Sportfilm macht, der sich fast ausschließlich um Zahlen und Statistiken dreht, dürften wohl auch die letzten Interessierten verprellt worden sein. Das dies auch anders geht, zeigt uns eindrucksvoll der Regisseur Bennett Miller (The Cruise). Miller der zuletzt 2005 den Oscar prämierten Film “Capote” drehte, meldet sich nach nunmehr 6 Jahren mit einem Werk zurück, dass auf einer wahren Begebenheit des amerikanischen Baseballs basiert. Neben der Arbeit von Miller ist hier aber vor allem Drehbuchautor Aaron Sorkin (Eine Frage der Ehre) in den Vordergrund zu stellen, der erst in diesem Jahr für seinen Film “The Social Network” einen Oscar in der Kategorie “Best Writing, Adapted Screenplay” erhielt. Zusammen mit Steven Zaillian (Schindlers Liste) erschuf dieser ein schier unglaubliches Drehbuch, welches ein so trockenes Thema wie Baseball und Statistiken locker aufbereitete und mit gelungenen Dialogen gar spannend gestaltet.

Die Kunst zu gewinnen - MoneyballIn der Hauptrolle kann einmal mehr Brad Pitt (Inglourious Basterds, Fight Club) brillieren, welcher momentan wohl zu den gefragtesten Hollywood Darstellern zählen darf. Erst kürzlich lieferte er in “The Tree of Life” eine phänomenale Darbietung unter der Regie von Terrence Malick ab, welche ihn allein dafür schon die gefragte Oscar-Nominierung einbringen sollte. Sofern dies nicht reicht, kann er die Jury mit Sicherheit von seiner Leistung in “Die Kunst zu gewinnen – Moneyball” überzeugen. Pitt spielt hier den verbissenen Manager der Oakland Athletics, welche alles andere als ein großes Budget haben. Ihn interessieren hier keine 20 Siege in Folge, ihn interessiert kein Angebot über 20 Mio. der Konkurrenz, er will das System durchbrechen. Das System welches besagt, dass nur Clubs mit viel Geld die Meisterschaft für sich entscheiden können. Diesen Weg geht Pitt mit so viel Charisma und Engagement, dass man sich einfach nur zurücklehnen und ihm zuhören möchte. Die Überraschung schlecht hin ist allerdings Jonah Hill (Männertrip, Megamind), der bisher nur mit diversen Komödien auf sich aufmerksam machen konnte. Der von ihm beschreitende Weg vom Jüngling der frisch aus Yale kommt, bis hin zum erfahrenen Scout der auch den alten Herren noch Vorschriften machen kann, einfach gut gelungen. Unterstrichen wird diese Rolle immer wieder durch kleine, von Sorkin eingeworfene lustige Momente, die den Film immer wieder dezent an den geeigneten Stellen aufheitern.

“Die Kunst zu gewinnen – Moneyball” ist nach Matt Damon’s “Invictus – Unbezwungen” endlich wieder ein Sportfilm, der auf ganzer Linie begeistern kann. Ein phantastisches Drehbuch, ein wunderbarer Cast, was will man mehr?

Washington 1865. Der amerikanische Bürgerkrieg zwischen Nord- und Südstaaten ist grade erst vorbei, da wird eines Abends Präsident Lincoln (Gerald Bestrom) von John Wilkes Booth (Toby Kebbell) im Theater ermordet und Außenminister Seward schwer verletzt. Verantwortlich für diesen feigen Anschlag ist eine Gruppe der besiegten Südstaaten, die den Norden damit nachhaltig erschüttern wollen. Das Volk ist daraufhin in heller Aufruhr und verlangt Vergeltung. Insgesamt werden 7 Männer und eine Frau verhaftet, die in dieses Komplott involviert sein sollen. Als diese schließlich vor das Militärgericht gestellt werden, ist es an dem jungen Frederick Aiken (James McAvory) die Verteidigung von Mary Surratt (Robin Wright) zu übernehmen. Da Mary die erste Frau ist welcher die Todesstrafe droht, übernimmt Frederick daraufhin wiederwillig den Fall. Anfangs noch von Vorurteilen gezeichnet, stellt er sich und die Schuld seiner Mandantin schon bald in Frage, doch will das Volk überhaupt Gerechtigkeit?

Die Lincoln VerschwörungRobert Redford (Der Pferdeflüsterer) ist als Regisseur von “Die Lincoln Verschwörung” zurück auf der Leinwand und präsentiert uns ein außergewöhnliches Drama, was so in der Geschichte des Filmes bisher wenig Beachtung erfuhr. Neben Politthrillern wie “Von Löwen und Lämmern” geht er diesmal auf die grundsätzlichen Rechte eines jeden ein, die nicht nur damals sondern auch nach 2001 förmlich mit Füßen getreten wurden. Hilfreich zur Seite steht ihm hierfür der Lincoln Experte James D. Solomon, welcher das Drehbuch so authentisch wie möglich geschrieben hat. Das ein gutes Drehbuch noch lange keinen guten Film ausmacht, weiß auch Redford. Hierfür sorgt in erster Linie Kameramann Newton Thomas Sigel (Superman Returns, X-Men 2), welcher das alte Washington mit stimmungsvollen Bildern in Szene setzt.

Da erfahrungsgemäß grade geschichtliche Inszenierungen oft langatmig und trocken sein können, wurde auf exzellente Darsteller gesetzt. James McAvoy (Abbitte) als junger Anwalt ist in seiner Rolle überaus emotional und ein wunderbarer Gegenpart zu Robin Wright (New York, I Love You), welche die eher zurückhaltende Mary Surratt verkörpert. Beide ergänzen sich hervorragend und polarisieren Redfords politische Botschaft mehr als deutlich. Ob es nun die Ermordung Lincolns ist oder die Inhaftierung der Guantanamo Insassen, die Verteidigung der per Verfassung geschützten Freiheit ist nicht alltäglich.

Redford präsentiert uns mit “Die Lincoln Verschwörung” ein packendes Drama mit einer eindeutig politischen Botschaft. So authentisch dies auch durch James D. Solomon umgesetzt wurde, so langatmig ist es manchmal. Über die ganzen 122 min hat es einige derbe Hänger, die vor allem jene langweilen werden, die nicht ausschließlich an amerikanischer Geschichte interessiert sind. Für alle die abseits der üblichen Hollywood Filme ein gutes Drama mit politischem Hintergrund erwarten, kann ich “Die Lincoln Verschwörung” wärmstens empfehlen.