Texas Killing Fields

Das Sprichwort “Wie der Vater so der Sohn” (oder in unserem Fall die Tochter) trifft leider nicht immer zu, was die Regisseurin Ami Canaan Mann (Tochter des “Heat” Regisseurs Michael Mann) am eigenen Leibe erfahren musste, als sie im Jahre 2001 beim nur wenig erfolgreichen Drama “Morning” Regie führen durfte. Nach einem kurzen Ausflug in die amerikanischen Fernsehshows ist sie nun nach über zehn Jahren noch einmal zurück um sich mit “Texas Killing Fields” zu rehabilitieren, doch auch dieses Mal soll ihr nicht alles gelingen.

Detective Mike Souder (Sam Worthington) arbeitet mit seinem aus New York versetzten Kollegen Brian Heigh (Jeffrey Dean Morgan) im Morddezernat der kleinen texanischen Stadt Texas City und untersucht den mysteriösen Fall eines Serienmörders, der in nur 30 Jahren ganze 60 Leichen in den Sümpfen zurückgelassen hat. Die Sümpfe sind bei den Einheimischen nur als “Texas Killing Fields” bekannt und liegen ganz nebenbei nicht im Zuständigkeitsbereich von Heigh, doch dieser kann einfach nicht los lassen. Als die kleine Anne (Chloë Moretz) plötzlich verschwindet beginnt ein Kampf gegen die Zeit…

Texas Killing FieldsIn den letzten Jahren versucht man uns leider immer mehr mit Filmen über die vermeintlich schwere Polizeiarbeit zu überzeugen, sodass diese sich kaum noch unterscheiden. Drehbuchautor Don Ferrarone (Bad Boys II) war ursprünglich selber als Ermittler in Texas tätig und ließ seine Erfahrungen mit in dieses Drehbuch einfließen, bei dem er den Fokus auf einen von vielen Mördern der “Texas Killing Fields” legt. Entstanden ist hierbei in seinem Drehbuch-Debüt leider nur ein völlig durchschnittlicher Film, dem es einfach an der nötigen Dynamik fehlt, sich von seinen Pendants erfolgreich abzuheben.

Die Geschichte beginnt mit zwei Polizisten die nicht unterschiedlicher sein könnten. Auf der einen Seite haben wir mit Brian Heigh einen Detective der das Leben in Texas kennt und sich für die Bevölkerung interessiert, auf der anderen Seite Mike Souder, der für all dies wenig Verständnis aufzubringen scheint. Beide unterscheiden sich hierbei radikal mit ihren Ermittlungsmethoden, die das Verhältnis der beiden auch im Nachhinein nicht sonderlich positiv beeinflussen. Während Heigh das kleine Mädchen Anne von ihrer als Prostituierte arbeitende Mutter versucht wegzuholen und ein besseres Leben zu bieten, hat Souder für all dies wenig Verständnis.

Texas Killing FieldsDas zweite Konfliktpotential zwischen beiden ist die Arbeit in ihren zuständigen Distrikten, die Souder penibel genau versucht einzuhalten. Lediglich Heigh kümmert sich um die Mordfälle außerhalb ihrer Stadt und ihrer Zuständigkeiten, welche schon bald auf eine neue und persönliche Ebene getragen werden. Auf ihrer Mailbox erscheint plötzlich der Hilfeschrei einer sterbenden Frau, bei der sich der Killer im Nachhinein auch noch persönlich meldet. Als nur wenig später mit der kleinen Anne ein Mädchen betroffen ist das Heigh direkt kennt, ist für diesen kein Halten mehr und er beginnt die “Texas Killing Fields” auf eigene Faust hin zu untersuchen.

Obwohl die Geschichte über die besagten “Texas Killing Fields” genug Stoff für mehrere Thriller bietet, schafft  Drehbuchautor Don Ferrarone es nicht diesen erfolgreich in ein spannendes Konstrukt zu verpacken. Der Film beginnt schwermütig, versucht immer wieder den Fokus auf die kleine Anne zu setzen und dabei dies schon vorher möglichst dunkel und gefährlich wirken zu lassen. Dadurch ist die spätere Entführung absolut nichts Neues mehr, wobei das Wort “Thriller” hierbei auch alles andere als treffend genutzt wurde. Vielmehr erinnert “Texas Killing Fields” an ein Drama zweier Polizisten, die mit der Entführung von Anne ihren eigenen Katalysator präsentiert bekommen haben.

Texas Killing FieldsVon Seiten der Darsteller kann man hier leider genauso wenig Positives berichten wie von der nur durchschnittlichen Geschichte. Die aus “The Tree of Life” bekannte Cannes Gewinnerin Jessica Chastain (Take Shelter – Ein Sturm zieht auf) tritt hier kaum in Erscheinung und wirkt als taffe FBI Agentin eher als Fremdkörper, als das sie sich positiv in die Geschichte mit einbringt. Die Rolle von Sam Worthington (Kampf der Titanen) und seiner aufgesetzt wirkenden Religiosität bedient hier leider wieder alle Klischees, wobei das Schauspiel von Jeffrey Dean Morgan (P.S. Ich Liebe Dich) über alles erhaben ist. Mit seinem heruntergekommenen äußerem, seiner Überzeugung und dem nötigen Willen den Fall auch außerhalb seines Zuständigkeitsbereiches zu lösen, kann dieser durchaus überzeugen.

Der Thriller “Texas Killing Fields” erscheint ab dem 10.07.2012 auf Blu-ray und DVD im Handel und kann neben seinem durchaus guten Bild vor allem mit seinem kräftigen Sound in DTS-HD Master Audio 5.1 (Englisch nur Dolby Digital 5.1) überzeugen. An dieser Stelle würden wir normalerweise auf die umfangreichen Extras der Blu-ray bzw. DVD eingehen, doch leider waren diese auf unserem Vorab-Exemplar noch nicht enthalten. Auf der fertigen Blu-ray zum Verkaufsstart werden neben der “B-Roll” auch Interviews mit Chloe Moretz, Sam Worthington, Stephen Graham und Regisseurin Ami Mann enthalten sein.

Mit “Texas Killing Fields” schafft es Ami Mann auch diesmal nicht die überaus großen Schuhe ihres Vaters auszufüllen. Die Geschichte ist zum Großteil einfach zu harmlos, zu vorhersehbar und die Charaktere wirken aufgesetzt. Lediglich der Soundtrack von Dickon Hinchliffe ist wie immer gelungen.

Ost Berlin im Jahre 1965. Die drei jungen Mossad Agenten David (Sam Worthington), Stephan (Marton Csokas) und Rachel (Jessica Chastain) bekommen den Auftrag, den berühmt berüchtigten Nazi-Kriegsverbrecher Dieter Vogel (Jesper Christensen) – den Chirurgen von Birkenau – zu stellen und nach Israel zu portieren. Um Vogel in die Falle zu locken, begibt sich die junge und noch unerfahrene Rachel in Behandlung des Berliner Frauenarztes, woraufhin er im Handumdrehen überwältigt und verschleppt werden kann. Durch Zufall allerdings kann dieser sich befreien und verhindert so den illegalen Grenzübertritt, woraufhin die drei wieder zurück in ihr Versteck müssen. Während die Zeit dort quälend langsam zu vergehen scheint, wird sich ein Vorfall ereignen, der alle drei für die nächsten 30 Jahre beschäftigen soll. Dreißig Jahre später werden Rachel, Stephan und David noch immer von Israel als Helden gefeiert, heute mehr denn je. Rachel (Helen Mirren) ist mit Stephan (Tom Wilkinson) verheiratet und hat mit ihm eine gemeinsame Tochter namens Sarah (Romi Aboulafia), die ausgerechnet über den damaligen Einsatz ihrer Eltern nun ein Buch veröffentlicht hat. Nachdem David (Ciarán Hinds) allerdings Selbstmord begeht, scheint Rachel und Stephen die Vergangenheit wieder einzuholen. Was ist wirklich damals passiert, im Jahre 1965 in Ost Berlin?

Eine offene RechnungNachdem der israelische Spielfilm “Ha-Hov” unter der Regie von Assaf Bernstein 2007 in die dortigen Kinos kam, erhielt er neben vielen hervorragenden Kritiken auch vier Nominierungen zum renommiertesten israelischen Filmpreis. Wie nicht anders zu erwarten, war dies auch der Zeitpunkt, an dem man sich für ein amerikanisches Remake entschied, dass in Anlehnung an die westlichen Bedürfnisse entsprechen angepasst wurde. Regisseur dieser Adaption ist niemand geringeres als der Oscar nominierte John Madden (The Best Exotic Marigold Hotel), der zuletzt mit “Shakespeare in Love” sein letztes großes Meisterwerk feiern konnte. Seitdem ist viel Zeit vergangen und da Madden nur alle 3 Jahre einen Film dreht, auch nur drei Filme. Zusammen mit den Drehbuchautoren Matthew Vaughn (Kick-Ass), Jane Goldman (Der Sternwanderer) und Peter Straughan (Dame, König, As, Spion) entstand ein Werk, das mit einigen Abstrichen durchaus den Vergleich mit seinem Original gewachsen ist.

Unterteilt in zwei Handlungsabschnitte – 1965 und 1997 – beschreibt Madden die über 30 Jahre andauernde Tortur, denen die drei ehemaligen Mossad Agenten ausgeliefert waren. Während dieser immer wieder in den Zeitebenen vor und zurück springt, erfahren wir nicht nur schon bald die Wahrheit über den Chirurgen von Birkenau, sondern auch die innere Ängste und Selbstzweifel die das Team plagt. Höhepunkt des Filmes ist aber deren Zusammensein im Versteck, sobald die Entführung Vogels misslungen ist. Auf engstem Raum durchleben die drei noch sehr jungen Mossad Agenten was es bedeutet, in der Ausweglosigkeit gefangen zu sein. Es gibt kein Zurück, es gibt keinen alternativen Plan nach vorn, es folgt die unbändige Ungeduld darauf, was denn als nächstes geschehen wird. In der Mitte dieser drei steht Vogel, der erbarmungslos mit den Gefühlen derer spielt, sie mit psychologischen Tricks versucht zu verwirren und dem letzten Endes dadurch auch die Flucht aus der Wohnung gelingt. So sehr gerade diese erste Hälfte des Drehbuches wirklich als spannender Thriller gestaltet ist, so sehr flacht dieses im weiteren Verlauf ab. Wir wissen was mit Vogel geschehen ist, die Zeitebenen vermischen sich immer mehr und gerade die letzten 10 Minuten des Filmes bringen uns dann das, was niemand auch nur im Ansatz wollte oder erwartet hätte. Ein komplett überflüssiges und scheinbar für westliche Gefilde bestimmtes Finale entsteht, das dem Film weder gut tut, noch in irgend einer Weise Story technisch weiter bringt.

Eine offene RechnungAuch wenn die Geschichte damit leider nur als besserer Durchschnitt anzusehen ist, so können die Darsteller auf ganzer Linie überzeugen. Allen voran die durch “The Tree of Life” bekannt gewordene Jessica Chastain (Take Shelter) sowie die unglaubliche Helen Mirren (Die Queen). Ob sie beide nun die junge oder 32 Jahre später die ältere Rachel spielen, es ist im Grunde ein und dieselbe Person. Feine Nuancen und Gesten gleichen sich aufs Haar und beide drücken durch Mimik mehr aus, als es so mancher Dialog zustande bringen würde. Chastain mimt als jüngstes Mitglied des Mossad Teams eine komplett unerfahrene, teils noch ängstliche Darstellerin, wobei Mirren tief gezeichnet ist von der Last die sie in ihrer Seele mit sich trägt. 30 Jahre lang wird sie vom israelischen Volke gefeiert, 30 Jahre lügt sie dieses und die Weltbevölkerung an und ist mit der Zeit sichtlich davon gezeichnet. Nicht weniger gut sind Marton Csokas (Alice im Wunderland) und Tom Wilkinson (Shakespeare in Love) in der Rolle des Stephen sowie Sam Worthington (Avatar – Aufbruch nach Pandora) und Ciarán Hinds (There Will Be Blood) als David.

Ab dem 26.01.2012 bringt Universal Pictures “Eine Offene Rechnung” auf Blu-ray und DVD in euer heimisches Wohnzimmer und wie immer haben wir uns für euch die Scheibe ganz genau angesehen. In messerscharfen 1080p ist das Bild der Blu-ray allen Zweifeln erhaben und kann durch eine wirklich gute Farbgebung auf ganzer Linie überzeugen. Neben der deutschen Tonspur habt ihr ebenfalls Deutsch, Französisch und Italienisch zur Auswahl, wobei jede Tonspur leider nur in Dolby Digital 5.1 vorliegt. Neben einem Audiokommentar von Regisseur John Madden und Produzent Kris Thykier – die euch zu fast jeder Szene viele Hintergrundinformationen geben – sind die zusätzlichen Inhalte leider mehr als rar gesät. In “Einblick in Eine Offene Rechnung” erhalten wir einen kurzen Trailer artigen Überblick von 3 Minuten mit einer minimalen Vorstellung der Charaktere, was auch in “Jedes Geheimnis hat seinen Preis: Helen Mirren in Eine Offene Rechnung” nicht viel ausführlicher vonstattengeht. Helen Mirren spricht in sehr knappen 3 Minuten von der Rolle der beiden Rachels und wie beide Darstellerinnen diese Umgesetzt haben, was letztendlich in Lobeshymnen von John Madden endet. Den Abschluss bilden 2 Minuten “Die Berlin Affäre: Das Dreieck im Zentrum von Eine Offene Rechnung”, in denen vor allem die 3 jungen Darsteller zu Wort kommen. Ausgenommen von dem Audiokommentar haben wir zusätzliche Inhalte von ganzen 8 Minuten, was bei einem Film wie “Eine Offene Rechnung” schon fast als Frechheit anzusehen ist. Bis auf lose Interviewausschnitte die oftmals keine 10 Sekunden andauern, wird uns kaum etwas geliefert, was uns mehr Informationen liefern könnte, sehr schade!

“Eine Offene Rechnung” ist ein guter Thriller der vor allem in der ersten Hälfte überzeugen kann. Neben einem (fast) guten Drehbuch können hier vor allem die Darsteller überzeugen, allen voran Helen Mirren sowie Jessica Chastain, die eine wirklich beeindruckende Performance abliefern. Während der Film durchaus zu empfehlen ist, werden allerdings alle Fans sehr enttäuscht sein, von den wirklich minimalistisch dargebotenen Extras der Blu-ray und DVD, die kaum über 8 Minuten hinaus gehen.

 

Take Shelter
Curtis LaForche (Michael Shannon) lebt zusammen mit seiner Frau Samantha (Jessica Chastain) und ihrer gemeinsamen tauben Tochter Hannah (Tova Stewart) in einer Kleinstadt in Ohio. Als Teamleiter einer Sandgewinnungsfirma verfügt Curtis zwar über ein geregeltes Einkommen, doch reicht dieses grade so zum Leben aus. Während seine Frau den einen oder anderen Dollar als Näherin verdienen kann, ist es grade Hannah, die den glücklichen Lebensmittelpunkt beider bildet und diesen dennoch mit Sorge betrachten lässt. Hannahs medizinische Versorgung und ihre Förderschule sind kostspielig und so verwundert es wenig, dass in der glücklichen Familie dennoch jede Ausgabe genau überlegt sein muss. Diese gründliche Überlegung soll sich eines Tages ändern, als Curtis Hals über Kopf beginnt, den alten Tornadobunker hinter dem Haus auszubauen. Von schrecklichen Albträumen geplagt sieht er jede Nacht aufs Neue, wie ein gewaltiger apokalyptischer Sturm herauf zieht und das Leben seiner Familie bedroht. Einen Bank Kredit aufnehmend und Maschinen der Firma entwendend erschafft er für seine Familie und sich einen Bunker, der besorgniserregende Formen annimmt. Zwischen Vorausahnungen und dem Wahnsinn verfallend, muss Curtis schon bald um seine Familie kämpfen…

Take ShelterZum Himmel herauf blickend mussten wir erst kürzlich mit Lars von Trier seinem Meisterwerk “Melancholia” feststellen, dass Wahnsinn und Realität oftmals dicht beieinander liegen. Ähnlich verhält es sich mit Jeff Nichols (Come Early Morning) “Take Shelter”, welcher die Zuschauer in Cannes und Sundance gleichermaßen beeindrucken konnte. Nach seinem Regiedebüt “Shotgun Stories” sehen wir Nichols erneut in der Doppelrolle des Regisseurs und des Drehbuchautor und können uns hiervor nur verneigen, denn dieser präsentiert einmal mehr ein Meisterwerk gekoppelt mit politischer Relevanz.

Wenn das Amerika der letzten Jahre vor allem vor eines Angst verspürte, so ist dies oft die ungewisse Zukunft. Genau dieses Thema baut Nichols immer wieder in “Take Shelter” ein, was jetzt mehr denn je an Aktualität verspricht. Ob dies die grade erst überstandene Finanzkrise ist, vor dem ihn auch sein Bankberater warnt, das marode Gesundheitssystem mit Bezug auf seine taube Tochter Hannah oder der ölige Regen, auf den immer wieder gezielt angespielt wird. Während Nichols seine Dramaturgie anfangs nur langsam aufbaut ist sie letzten Endes doch so fesselnd, dass sie die vollen 120 Minuten unterhalten kann. Dies ist allen voran Michael Shannon (Pearl Harbor, Vanilla Sky) zu verdanken, an dem die Kamera förmlich zu kleben scheint. Immer im Mittelpunkt positioniert sehen wir einen Hauptdarsteller, bei dem wir förmlich die Veränderung in jeder einzelnen Pore mitverfolgen können. Wie er sich langsam wandelt, sich selbst in Frage stellt und dann aus Angst um seine Familie und Herkunft sich beginnt selber zu therapieren, ist einfach nur erstaunlich und bewundernswert zugleich. Was auch immer mit ihm passiert, es ist ihm egal, so lang es seiner Familie gut geht. Zu sehr ist er durch seine in der Psychiatrie sitzende Mutter gezeichnet, zu sehr hat er sich geschworen, seine eigene Familie nie zu verlassen.

Take ShelterNicht weniger überzeugend ist Jessica Chastain (Eine offene Rechnung), welche wir erst kürzlich in “The Help” und dem großartigen “The Tree of Life” bewundern durften. Elegant kann sie mit Shannen harmonieren und verkörpert eine Frau, die gleichermaßen die Gefahr in ihrem Mann sieht, sowie die Liebe, die sie letztendlich zusammen gebracht hat. Ob nun ihre Performance als Hausfrau und Mutter, oder ihre beschwichtigende Art ihrem Mann bei seinen Problem auch zuletzt beizustehen, einfach gelungen.

Mit “Take Shelter” übertrifft sich Regisseur Jeff Nichols in seinem erst zweiten Film erneut und lässt auf eine spannende Zukunft hoffen. Ein großartiger sozialkritischer Plot, ein überragender Michael Shannon und ein wirklich schöner Score versprechen schon jetzt Lust auf mehr. Mit “Take Shelter” haben wir den ersten 8/10 Kandidaten für das Jahr 2012, der meine absolute Empfehlung verdient. Ganz großes Kino!

Israel im Jahre 1997. Die junge Journalistin Sarah Gold (Romi Aboulafia) stellt ihr Buch der Öffentlichkeit vor, in welchem sie die Mossad-Aktion im Jahre 1965 detailliert schildert. An dieser Mission war neben ihrer Mutter Rachel Singer (Helen Mirren) auch David Peretz (Ciarán Hinds) und Stephan Gold (Tom Wilkinson) beteiligt. Aufgabe war es, den Naziverbrecher Dieter Vogel (Jesper Christensen) nach Israel zu entführen, um ihm dort vor allen Augen den Prozess zu machen. Leider ging die akribisch vorbereitete Mission in Ost Berlin schief und die 3 Agenten konnten das Land nicht verlassen. Bei einem Fluchtversuch Vogels musste dieser leider erschossen werden, so zumindest die offizielle Version. 32 Jahre später müssen die drei nun wieder die Geschichte von damals durchleben und es stellt sich heraus, dass nicht alles so war wie es in den Berichten wiedergegeben wurde. Erneut müssen sie sich der Vergangenheit und dem berüchtigten “Chirurgen von Birkenau” Dieter Vogel stellen…

Eine offene Rechnung“Eine offene Rechnung” ist das Hollywood Remake vom 2007 erschienenen israelischen Film “Ha Hov”, der unter anderen 4 Nominierungen vom “Awards of the Israeli Film Academy” erhielt. Da Hollywood alle guten Filme noch einmal für das westliche Publikum aufbereiten muss, erhielt hierfür John Madden (Shakespeare in Love, Killshot) die Gelegenheit. Hilfreich zur Seite standen ihn hierfür seine beiden Drehbuchautoren Matthew Vaughn (Kick-Ass, Der Sternwanderer) und Jane Goldman (X-Men: Erste Entscheidung). Herausgekommen ist ein durchaus nett anzusehender Agenten-Thriller der immer wieder zwischen zwei Zeitebenen hin und her wechselt. Weniger gut ist hierbei John Maddens nicht konsequent durchgezogene Haltung zum Film. Die Zeitebene um 1965 versucht er historisch in vielen kleinen Dingen zu untermauern und dennoch traut er sich nicht, die Gruppe für ihr eigenes Handeln zu hinterfragen. Er setzt sich nicht mit dem Thema auseinander ob diese Aktion gerechtfertigt war oder welche Konsequenzen dies im Jahre 1997 hätte, er beschränkt alles rein auf den Kriegsverbrecher Dieter Vogel.

Die Hauptrollen sind in “Eine offene Rechnung” gleich doppelt besetzt. Rachel Singer wird von Helen Mirren (Die Queen, Tintenherz) und Jessica Chastain (The Tree of Life, The Help) gespielt, David Peretz von Ciaran Hinds (Salvation Boulevard, The Rite) und Sam Worthington (Texas Killing Fields, Kampf der Titanen) sowie Stephan Gold von Tom Wilkinson (The Green Hornet, Die Lincoln Verschwörung) und Marton Csokas (Alice im Wunderland, The Tree). Alle 6 spielen ihre Rolle äußerst gut wobei Helen Mirren positiv hervorstechen kann.

So spannend “Eine offene Rechnung” am Anfang auch erzählt wurde, so urplötzlich fällt dieser Spannungsbogen ab der Hälfte des Filmes wieder ab. Die Geschichte ist erzählt, wir kennen die Wahrheit und alles weitere versucht irgendwie den Film künstlich in die Länge zu sehen. Spätestens nach dem völlig überzogenen Ende kann ich jedem interessierten nur raten, sich ggf. noch einmal das israelische Original anzusehen. Der bereits erschienene original Film heißt im deutschen “Der Preis der Vergeltung”.

Beschreibung: Jack (Hunter McCracken) wächst in den 60er-Jahren im mittleren Westen der USA als ältester von drei Brüdern auf. Vordergründig scheint die Welt in Ordnung. Alles geht seinen gewohnten Gang, jeder hat seinen Platz in der Gesellschaft. Der sonntägliche Kirchgang gehört ebenso zum festen Ritual wie die gemeinsamen Mahlzeiten im Kreis der Familie.

Aber der kleine Jack sieht die Risse in der Fassade. Wie seine Mutter (Jessica Chastain) hat er die Fähigkeit, mit der Seele zu sehen und dadurch Liebe und Empathie zu entwickeln. Sein Vater (Brad Pitt) hingegen predigt dem Kind, unnachgiebig für die eigenen Interessen zu kämpfen. Er will ihn stärken für das “richtige, feindliche Leben”. Jack ist hin- und hergerissen zwischen seinen Eltern und ihren Idealen. Als er im Laufe seiner Kindheit mit Krankheit, Leid und Tod konfrontiert wird, verdüstert sich seine heile Kinderwelt und erscheint ihm immer mehr als undurchdringliches Labyrinth.
Laufzeit: 139 min
Kategorie: Drama
Bewertung: 7/10

The Tree of Life ist das neuste Meisterwerk von Regisseur Terrence Malick und war in Cannes einer der Überraschungserfolge schlechthin. Einige Kritiken waren durchschnittlich, der großteil aber voller Begeisterung. Der Film läuft nun seit nun mehr 3 Wochen in dieversen Programmkinos und nun kam ich auch endlich dazu, ich war gespannt!

Normalerweise kann ich Brad Pitt nicht viel abgewinnen, hier aber ein dickes Lob. Schauspielerisch wirklich sehr gut und auch die Leistung von Sean Penn, Hunter McCracken und vor allem Jessica Chastain oberstes Niveau. Der ganze Film ist sehr geprägt vom Glauben, allen voran an Gott. Auch wenn man nicht religiös ist keine Scheu, wirklich sehr gut umgesetzt und mit vielen rhetorischen Fragen gefüllt. Insgesamt überwiegt im ganzen Film die Arbeit mit unterbewussten Fragen auf welche der Film durchaus nicht freiwillig antworten liefert. Tree of Life ist einer jener Filme zum nachdenken, über die man auch hinterher noch Stundenlang diskutieren kann, herlich. Für jene wie mich die Opern und klassische Musik zu schätzen wissen, ist Tree of Life auch rein musikalisch ein wirklich schöner Film. Sehr gute musikalische Untermalung mit diversen Stücken aus der klassischen Musik bis hin zu großartigen italienischen Opern.