
Das Leben der Nachkriegszeit in Ungarn war für viele Menschen unter dem strengen kommunistischen Regime von Stalin nicht einfach, was Schriftstellerin Magda Szabó (Vissza az emberig) am eigenen Leibe erfahren musste, als ihr 1949 der Baumgarten-Preis noch am gleichen Tag aus politischen Gründen wieder entzogen wurde. Erst mit ihrer Veröffentlichung von “Freskó” im Jahre 1958 sollte sie sich wieder der Literatur widmen, woraufhin mehrere große Romane entstanden. Regisseur István Szabó (nicht verwandt mit der Schriftstellerin) adaptiert nun ihren 1987 entstandenen Roman “Hinter der Tür” und bringt somit ein wenig von der Stimmung auf die Leinwand, die in Ungarn der 60er Jahre herrschte.
Die charismatische Magda (Martina Gedeck) zieht nach Jahren der Zensur zusammen mit ihrem kranken Mann Tibor (Károly Eperjes) in ein neues Haus außerhalb der Stadt, wo sie sich wieder verstärkt der Schriftstellerei widmen will. Da das Haus für sie jedoch viel zu groß ist, fragt sie in der nahen Dienstbotenbehausung nach einer Aushilfe, wo sie sofort Bekanntschaft mit der störrischen Emerenc (Helen Mirren) macht. So unterschiedlich beide Frauen auch sind, so entwickelt sich über die Jahre langsam eine Freundschaft, die keine von beiden jemals offen zugeben würde. Als Emerec jedoch älter wird und ihr kleines Haus kaum noch verlässt, steht Magda vor einer folgenschweren Entscheidung. Lässt sie Emerenc in ihrem Haus und beschützt somit ihr Geheimnis, oder setzt sie die Freundschaft aufs Spiel, indem sie ihr einen Arzt besorgt und das Geheimnis hinter der Tür lüftet?
Die meisten Menschen würden wohl etwas verstört reagieren, wenn sie einer Bediensteten einen Job anbieten und diese sich erst einmal zurückzieht und Erkundigungen einholt, da sie ja “nicht für jeden wasche”. Die Rolle der beiden beginnt sich schon jetzt zu drehen, denn nicht Emerenc bewirbt sich um einen Job, sondern Magda bewirbt sich um eine Bedienstete, welche ganz genaue Vorstellungen von ihrem Arbeitgeber hat. Schon bald steht hier die Beziehung zwischen zwei völlig unterschiedlichen Menschen im Vordergrund, die sich nicht nur gesellschaftlich voneinander unterscheiden. Wie sagt Emerenc so passend: “Es gibt zwei Arten von Menschen auf der Welt - die, die fegen und die, die fegen lassen. Jesus hat gefegt.”
Mit der Zeit erfahren wir durch die ungewöhnliche Erzählstruktur aus Sicht des Erzählers mehr und mehr Details zu Emerencs Leben. Ihre zwei Schwestern wurden auf einem Feld vom Blitz getroffen und sind verbrannt, ihre Mutter stürzte sich in einen Brunnen und verübte Selbstmord, und in ihrer Jugend hatte sie ein jüdisches Kind aufgezogen und es als ihres ausgegeben, welches sie hinterher aber verlassen hat. Wieviel von diesen Geschichten wirklich der Wahrheit entsprechen, lässt der Erzähler immer im Ungewissen, könnten sie aber dennoch Emerencs eigenartiges Gemüt erklären. Sie kümmert sich um Magda und Tibor, nennt ihn zu jeder Zeit “Herr” und ist beiden dennoch so abweisend und unfreundlich gegenüber, als dass sie Gutes nie freiwillig zugeben würde.
Ähnlich verhält es sich mit Emerencs kleinen Geschenken, die sie schon bald überall im Haus verteilt. Sie sind hässlich, stellenweise widerlich und geschmacklos, und dennoch schafft es Emerenc, diese Figuren zum Anlass zu nehmen, dem Haus etwas Würde zu verleihen. Diese Szenen sind wohl Sinnbild dafür, wie wenig Emerenc mit den Menschen zurecht kommt. Ihre Katzen im Haus kann sie gut leiden, den Hund von Magda liebt sie fast mehr als einen Menschen, und dennoch dauert diese Liebe nur genau so lange, wie die Tiere ihren Worten gehorchen und sich ihr unterordnen. Anders verhält es sich mit den Menschen in ihrer Umgebung. Weder die anderen Bediensteten noch Madga wollen “gehorchen”, sich nicht erziehen lassen und sind dennoch Ausgangspunkt dafür, dass auch in Emerenc eine langsame, aber stete Veränderung stattfindet, ohne den tiefliegenden Kern anzugreifen.
Mit “Hinter der Tür” bekommen wir nicht nur Einblicke in die gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten im Ungarn der 60er Jahren, sondern auch in eine Person, die durch widrige Umstände ihres Lebens sichtlich gezeichnet ist. Wie man diese fast lose aneinander gereihten Episoden für sich interpretiert, bleibt jedem selbst überlassen. Letztendlich wissen wir jedoch alle, dass hinter jedem verschrobenen Geist eine Geschichte steht. Eine Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden.
Ost Berlin im Jahre 1965. Die drei jungen Mossad Agenten David (Sam Worthington), Stephan (Marton Csokas) und Rachel (Jessica Chastain) bekommen den Auftrag, den berühmt berüchtigten Nazi-Kriegsverbrecher Dieter Vogel (Jesper Christensen) – den Chirurgen von Birkenau – zu stellen und nach Israel zu portieren. Um Vogel in die Falle zu locken, begibt sich die junge und noch unerfahrene Rachel in Behandlung des Berliner Frauenarztes, woraufhin er im Handumdrehen überwältigt und verschleppt werden kann. Durch Zufall allerdings kann dieser sich befreien und verhindert so den illegalen Grenzübertritt, woraufhin die drei wieder zurück in ihr Versteck müssen. Während die Zeit dort quälend langsam zu vergehen scheint, wird sich ein Vorfall ereignen, der alle drei für die nächsten 30 Jahre beschäftigen soll. Dreißig Jahre später werden Rachel, Stephan und David noch immer von Israel als Helden gefeiert, heute mehr denn je. Rachel (Helen Mirren) ist mit Stephan (Tom Wilkinson) verheiratet und hat mit ihm eine gemeinsame Tochter namens Sarah (Romi Aboulafia), die ausgerechnet über den damaligen Einsatz ihrer Eltern nun ein Buch veröffentlicht hat. Nachdem David (Ciarán Hinds) allerdings Selbstmord begeht, scheint Rachel und Stephen die Vergangenheit wieder einzuholen. Was ist wirklich damals passiert, im Jahre 1965 in Ost Berlin?
Nachdem der israelische Spielfilm “Ha-Hov” unter der Regie von Assaf Bernstein 2007 in die dortigen Kinos kam, erhielt er neben vielen hervorragenden Kritiken auch vier Nominierungen zum renommiertesten israelischen Filmpreis. Wie nicht anders zu erwarten, war dies auch der Zeitpunkt, an dem man sich für ein amerikanisches Remake entschied, dass in Anlehnung an die westlichen Bedürfnisse entsprechen angepasst wurde. Regisseur dieser Adaption ist niemand geringeres als der Oscar nominierte John Madden (The Best Exotic Marigold Hotel), der zuletzt mit “Shakespeare in Love” sein letztes großes Meisterwerk feiern konnte. Seitdem ist viel Zeit vergangen und da Madden nur alle 3 Jahre einen Film dreht, auch nur drei Filme. Zusammen mit den Drehbuchautoren Matthew Vaughn (Kick-Ass), Jane Goldman (Der Sternwanderer) und Peter Straughan (Dame, König, As, Spion) entstand ein Werk, das mit einigen Abstrichen durchaus den Vergleich mit seinem Original gewachsen ist.
Unterteilt in zwei Handlungsabschnitte – 1965 und 1997 – beschreibt Madden die über 30 Jahre andauernde Tortur, denen die drei ehemaligen Mossad Agenten ausgeliefert waren. Während dieser immer wieder in den Zeitebenen vor und zurück springt, erfahren wir nicht nur schon bald die Wahrheit über den Chirurgen von Birkenau, sondern auch die innere Ängste und Selbstzweifel die das Team plagt. Höhepunkt des Filmes ist aber deren Zusammensein im Versteck, sobald die Entführung Vogels misslungen ist. Auf engstem Raum durchleben die drei noch sehr jungen Mossad Agenten was es bedeutet, in der Ausweglosigkeit gefangen zu sein. Es gibt kein Zurück, es gibt keinen alternativen Plan nach vorn, es folgt die unbändige Ungeduld darauf, was denn als nächstes geschehen wird. In der Mitte dieser drei steht Vogel, der erbarmungslos mit den Gefühlen derer spielt, sie mit psychologischen Tricks versucht zu verwirren und dem letzten Endes dadurch auch die Flucht aus der Wohnung gelingt. So sehr gerade diese erste Hälfte des Drehbuches wirklich als spannender Thriller gestaltet ist, so sehr flacht dieses im weiteren Verlauf ab. Wir wissen was mit Vogel geschehen ist, die Zeitebenen vermischen sich immer mehr und gerade die letzten 10 Minuten des Filmes bringen uns dann das, was niemand auch nur im Ansatz wollte oder erwartet hätte. Ein komplett überflüssiges und scheinbar für westliche Gefilde bestimmtes Finale entsteht, das dem Film weder gut tut, noch in irgend einer Weise Story technisch weiter bringt.
Auch wenn die Geschichte damit leider nur als besserer Durchschnitt anzusehen ist, so können die Darsteller auf ganzer Linie überzeugen. Allen voran die durch “The Tree of Life” bekannt gewordene Jessica Chastain (Take Shelter) sowie die unglaubliche Helen Mirren (Die Queen). Ob sie beide nun die junge oder 32 Jahre später die ältere Rachel spielen, es ist im Grunde ein und dieselbe Person. Feine Nuancen und Gesten gleichen sich aufs Haar und beide drücken durch Mimik mehr aus, als es so mancher Dialog zustande bringen würde. Chastain mimt als jüngstes Mitglied des Mossad Teams eine komplett unerfahrene, teils noch ängstliche Darstellerin, wobei Mirren tief gezeichnet ist von der Last die sie in ihrer Seele mit sich trägt. 30 Jahre lang wird sie vom israelischen Volke gefeiert, 30 Jahre lügt sie dieses und die Weltbevölkerung an und ist mit der Zeit sichtlich davon gezeichnet. Nicht weniger gut sind Marton Csokas (Alice im Wunderland) und Tom Wilkinson (Shakespeare in Love) in der Rolle des Stephen sowie Sam Worthington (Avatar – Aufbruch nach Pandora) und Ciarán Hinds (There Will Be Blood) als David.
Ab dem 26.01.2012 bringt Universal Pictures “Eine Offene Rechnung” auf Blu-ray und DVD in euer heimisches Wohnzimmer und wie immer haben wir uns für euch die Scheibe ganz genau angesehen. In messerscharfen 1080p ist das Bild der Blu-ray allen Zweifeln erhaben und kann durch eine wirklich gute Farbgebung auf ganzer Linie überzeugen. Neben der deutschen Tonspur habt ihr ebenfalls Deutsch, Französisch und Italienisch zur Auswahl, wobei jede Tonspur leider nur in Dolby Digital 5.1 vorliegt. Neben einem Audiokommentar von Regisseur John Madden und Produzent Kris Thykier – die euch zu fast jeder Szene viele Hintergrundinformationen geben – sind die zusätzlichen Inhalte leider mehr als rar gesät. In “Einblick in Eine Offene Rechnung” erhalten wir einen kurzen Trailer artigen Überblick von 3 Minuten mit einer minimalen Vorstellung der Charaktere, was auch in “Jedes Geheimnis hat seinen Preis: Helen Mirren in Eine Offene Rechnung” nicht viel ausführlicher vonstattengeht. Helen Mirren spricht in sehr knappen 3 Minuten von der Rolle der beiden Rachels und wie beide Darstellerinnen diese Umgesetzt haben, was letztendlich in Lobeshymnen von John Madden endet. Den Abschluss bilden 2 Minuten “Die Berlin Affäre: Das Dreieck im Zentrum von Eine Offene Rechnung”, in denen vor allem die 3 jungen Darsteller zu Wort kommen. Ausgenommen von dem Audiokommentar haben wir zusätzliche Inhalte von ganzen 8 Minuten, was bei einem Film wie “Eine Offene Rechnung” schon fast als Frechheit anzusehen ist. Bis auf lose Interviewausschnitte die oftmals keine 10 Sekunden andauern, wird uns kaum etwas geliefert, was uns mehr Informationen liefern könnte, sehr schade!
“Eine Offene Rechnung” ist ein guter Thriller der vor allem in der ersten Hälfte überzeugen kann. Neben einem (fast) guten Drehbuch können hier vor allem die Darsteller überzeugen, allen voran Helen Mirren sowie Jessica Chastain, die eine wirklich beeindruckende Performance abliefern. Während der Film durchaus zu empfehlen ist, werden allerdings alle Fans sehr enttäuscht sein, von den wirklich minimalistisch dargebotenen Extras der Blu-ray und DVD, die kaum über 8 Minuten hinaus gehen.
Israel im Jahre 1997. Die junge Journalistin Sarah Gold (Romi Aboulafia) stellt ihr Buch der Öffentlichkeit vor, in welchem sie die Mossad-Aktion im Jahre 1965 detailliert schildert. An dieser Mission war neben ihrer Mutter Rachel Singer (Helen Mirren) auch David Peretz (Ciarán Hinds) und Stephan Gold (Tom Wilkinson) beteiligt. Aufgabe war es, den Naziverbrecher Dieter Vogel (Jesper Christensen) nach Israel zu entführen, um ihm dort vor allen Augen den Prozess zu machen. Leider ging die akribisch vorbereitete Mission in Ost Berlin schief und die 3 Agenten konnten das Land nicht verlassen. Bei einem Fluchtversuch Vogels musste dieser leider erschossen werden, so zumindest die offizielle Version. 32 Jahre später müssen die drei nun wieder die Geschichte von damals durchleben und es stellt sich heraus, dass nicht alles so war wie es in den Berichten wiedergegeben wurde. Erneut müssen sie sich der Vergangenheit und dem berüchtigten “Chirurgen von Birkenau” Dieter Vogel stellen…
“Eine offene Rechnung” ist das Hollywood Remake vom 2007 erschienenen israelischen Film “Ha Hov”, der unter anderen 4 Nominierungen vom “Awards of the Israeli Film Academy” erhielt. Da Hollywood alle guten Filme noch einmal für das westliche Publikum aufbereiten muss, erhielt hierfür John Madden (Shakespeare in Love, Killshot) die Gelegenheit. Hilfreich zur Seite standen ihn hierfür seine beiden Drehbuchautoren Matthew Vaughn (Kick-Ass, Der Sternwanderer) und Jane Goldman (X-Men: Erste Entscheidung). Herausgekommen ist ein durchaus nett anzusehender Agenten-Thriller der immer wieder zwischen zwei Zeitebenen hin und her wechselt. Weniger gut ist hierbei John Maddens nicht konsequent durchgezogene Haltung zum Film. Die Zeitebene um 1965 versucht er historisch in vielen kleinen Dingen zu untermauern und dennoch traut er sich nicht, die Gruppe für ihr eigenes Handeln zu hinterfragen. Er setzt sich nicht mit dem Thema auseinander ob diese Aktion gerechtfertigt war oder welche Konsequenzen dies im Jahre 1997 hätte, er beschränkt alles rein auf den Kriegsverbrecher Dieter Vogel.
Die Hauptrollen sind in “Eine offene Rechnung” gleich doppelt besetzt. Rachel Singer wird von Helen Mirren (Die Queen, Tintenherz) und Jessica Chastain (The Tree of Life, The Help) gespielt, David Peretz von Ciaran Hinds (Salvation Boulevard, The Rite) und Sam Worthington (Texas Killing Fields, Kampf der Titanen) sowie Stephan Gold von Tom Wilkinson (The Green Hornet, Die Lincoln Verschwörung) und Marton Csokas (Alice im Wunderland, The Tree). Alle 6 spielen ihre Rolle äußerst gut wobei Helen Mirren positiv hervorstechen kann.
So spannend “Eine offene Rechnung” am Anfang auch erzählt wurde, so urplötzlich fällt dieser Spannungsbogen ab der Hälfte des Filmes wieder ab. Die Geschichte ist erzählt, wir kennen die Wahrheit und alles weitere versucht irgendwie den Film künstlich in die Länge zu sehen. Spätestens nach dem völlig überzogenen Ende kann ich jedem interessierten nur raten, sich ggf. noch einmal das israelische Original anzusehen. Der bereits erschienene original Film heißt im deutschen “Der Preis der Vergeltung”.
Brighton 1964 im südlichen England. Die Sommersaison des berühmten britischen Seebades ist vorbei und die Straßen werden leerer, keinesfalls aber friedlicher. Wie überall in England organisieren sich auch hier junge Männer der Arbeiterklasse auf Scootern zur Gruppe der “Mods” und lassen ihre Muskeln spielen. Leider können dies die eingefleischten und älteren Rocker nicht durchgehen lassen, wodurch es langfristig zu verschiedenen Reibereien kommt. Neben diesem Konflikt bahnt sich aber auch Konfliktpotential in der Unterwelt von Brighton an. Der junge und ehrgeizige Kleinganove Pinkie Brown (Sam Riley) muss mit ansehen, wie ein Gangmitglied getötet wird und nimmt dafür kurze Zeit später Rache. Er erschlägt den stadtbekannten Gangster Hale (Sean Harris) mit einem Stein und gerät so ins Visier des mächtigen Mobsters Colleoni (Andy Serkis). Neben diesem eher kleineren Problem gibt es dafür allerdings einen Zeugen. Im Beisein der schüchternen Serviererin Rose (Andrea Riseborough) wurde von ihm und dem Opfer noch kurz vorher versehentlich ein Foto gemacht, welches er nun unbedingt wiedererlangen muss. Um dieses Ziel zu erreichen fängt er eine scheinbare Beziehung zu Rose an, welche sich sofort hoffnungslos in ihn und seinen Charme verliebt. Einzig Roses Chefin Ida (Helen Mirren) ist dies ein Dorn im Auge und schon bald erkennt sie das wahre Gesicht von Pinkie, doch da ist es schon fast zu spät!
Nachdem John Boulting (Eine Stadt hält den Atem an) bereits 1947 den Graham Greene Klassiker “Brighton Rock” (Am Abgrund des Lebens) verfilmt hatte, hat ihn nun Rowan Joffe in seinem Regiedebüt neu inszeniert. Rowan Joffe verlegt hierbei Greenes Klassiker von den 40iger Jahren in die 60er und unterstreicht so das sozialkritische Großbritannien und die Rivalität zwischen Rockern und Mods. Die sich abzeichnende Jugendgewalt erreicht ihren Höhepunkt und reflektiert mehr denn je die Situation im damaligen England.
Zur Seite stehen ihm hierbei zwei wirklich großartige Hauptdarsteller in Form von Sam Riley (Control) und Andrea Riseborough (Alles, was wir geben mussten). Riley verkörpert großartig den jungen und aufstrebenden Kleinganoven Pinkie und unterstreicht auf ganzer Linie seine Brutalität, seinen Ärger und das kleine Bisschen in sich gekehrte Hoffnung, auf einen anständigen jungen Mann. Hilfreich zur Seite steht ihm hierfür die entzückende Andrea Riseborough, welche nicht ohne Grund der gefeierte Berlinale Shooting Star ist. Riseborough zeigt uns eine wunderbar zurückhaltende aber gleichzeitig völlig verblendete junge Dame, die für ihre einzig große Liebe alles geben würde, selbst ihr Leben. Zusammen mit Riley schafft sie so einen wunderbaren Gegenpart wobei der Zuschauer bis zuletzt hofft, dass sie sein kühles Herz doch noch erweichen kann. Neben Riley und Riseborough sind aber noch weitere, nicht minder begabte Darsteller vertreten. Allen voran die Oscar-Preisträgerin Helen Mirren (Die Queen), welche zusammen mit John Hurt (Melancholia) sich stets mit Zurückhaltung für das Gute in Rose einsetzen.
Neben dem guten Drehbuch und den exzellenten Darstellern ist es aber erst Kameramann John Mathieson, der dies zu einem funktionierenden Ganzen zusammenfügt. Mit wunderschönen, teils poetischen Bildern fängt er jede Szene ein, sodass diese fast für sich allein stehen kann.
So großartig “Brighton Rock” an sich auch ist, so enttäuschend fallen allerdings auf der DVD wie auch der Blu-ray die zusätzlichen Inhalte aus. Lediglich den Trailer zum Film präsentiert man uns hier, was kaum noch zu unterbieten ist. Ich hätte mir hier vor allem Zusatz Informationen zur Entstehung von Graham Greenes Klassiker gewünscht, oder aber eine Art Vergleich zwischen beiden Versionen durch Rowan Joffe.