Natalie küsst

Als eine der wenigen Stars des französischen Kinos hat Audrey Tautou erfolgreich den Sprung auf die internationale Bühne vollzogen, ohne dabei den Filmen ihres eigenen Landes den Rücken zu kehren. Nach ihrem Durchbruch mit “Die fabelhafte Welt der Amélie” folgten so großartige Werke wie “Mathilde – Eine große Liebe”, “Zusammen ist man weniger allein” und sogar eine Hauptrolle an der Seite von Tom Hanks in “The Da Vinci Code – Sakrileg”, womit sie in Hollywood endgültig angekommen war. Auch in ihrem neuesten Film bleibt sie ihrem Genre treu und liefert uns eine bezaubernde Romanze, abseits der typischen Hollywood-Klischees.

Es ist Liebe auf den ersten Blick, als sich Nathalie (Audrey Tautou) und François (Pio Marmaï) in einem Café zum ersten Mal sehen. Sie verbringen eine wunderbare Zeit, heiraten schnell und sind auch sonst glücklich, bis François bei einem Unfall stirbt. Nathalies Welt bricht zusammen, sie verschließt sich vollends vor ihrer Umwelt und flüchtet die nächsten Jahre in ihre Arbeit, wo sie schon bald die Stufen ihrer Karriere erklimmt und zur Abteilungsleiterin avanciert. Eines Tages fällt sie dem Schweden Markus (François Damiens) um den Hals, küsst diesen abgöttisch und setzt sich danach wieder an ihren Schreibtisch. Markus ist danach total durch den Wind, weiß anfangs nicht wie ihm geschehen ist und fühlt sich dennoch auf eigenartige Weise zu Nathalie hingezogen, die sich an diesen Kuss allerdings schon gar nicht mehr erinnern kann. Obwohl beide grundverschieden sind, entwickelt sich langsam so etwas wie Liebe, die insbesondere gegen Arbeitskollegen und Freunde zu bestehen hat…

Natalie küsstBasierend auf dem französischen Bestseller “La délicatesse”, der 700.000 mal verkauft und in 21 Sprachen übersetzt wurde, haben sich die Brüder David (Une histoire de pieds) und Stéphane Foenkinos (Ein Sommer in New York – The Visitor) ans Werk gemacht, den eigenen Roman als Spielfilm zu adaptieren. Gerade hierbei tat sich David Foenkinos schwer, musste er doch ganze Passagen aus seinem eigenen Buch radikal kürzen, da sie einfach nicht umsetzbar waren. Im Interview berichtet er über die Schwierigkeit des zeitlichen Ablaufs, die er im Buch mit allerhand Nebensächlichkeiten versucht hat darzustellen, die nun aber mit rein visuellen Tricks gelöst werden musste.

Die Eröffnung des Films beginnt mit einem Sprecher im Off, der die einleitenden Worte findet, wie es überhaupt dazu kam, dass sich Nathalie und François haben kennenlernen können. Über 20 Minuten wird eine glückliche Ehe zelebriert, und der Zuschauer befindet sich in einem Kosmos aus Gefühlen bekannter Filme, bis die Gebrüder Foenkinos einen radikalen Bruch vollziehen, wie man ihn eigentlich eher aus Liebesfilmen aus dem asiatischen Raum kennt. François stirbt, wir begleiten Nathalie bei ihrer grenzenlosen Trauer und müssen miterleben, wie sie sich mehr und mehr von ihrer Umwelt abschottet und den Glauben an eine neue Liebe verliert, war François doch ihr Ein und Alles. Die nächste Stufe ist die womöglich neue Liebe in Form ihres schmierigen Vorgesetzten Charles (Bruno Todeschini), dem sie aber schon bald eine mehr als direkte Abfuhr erteilt. Erst mit dem Auftauchen von Markus bahnt sich langsam die große Liebe an, die zunächst keiner von beiden wirklich wahrhaben will. Für Nathalie ist der Schwede Markus in seinem Wollpullover einfach zu ungewöhnlich, für ihn ist Nathalie eine Frau, von der er nicht mal zu träumen wagt.

Natalie küsstBeide versuchen, sich anfangs aus dem Weg zu gehen, wobei insbesondere François Damiens (Der Auftragslover) einen wunderbar schüchternen Markus zu spielen vermag. Er geht Nathalie aus dem Weg, weigert sich, diese anzusehen und kann dennoch gerade mit seinem Witz und seinem Charme ihr verlorenes Herz, das sie seit dem Tod ihres Mannes fest weggeschlossen hatte, langsam wieder erwärmen. Hier kommt nun die Erfahrung von Audrey Tautou zum Tragen, die diese Rolle nicht nur mit ihrem umwerfenden Aussehen zu lösen vermag, sondern auch schauspielerisch groß aufspielt. Ihre Wandlung von der überglücklichen Frau zur Trauer tragenden und dann wieder verliebten Figur ist durchaus gelungen, das Zusammenspiel mit Damiens nahezu perfekt, und auch sonst bringen beide gerade diese Prise Humor mit, die benötigt wird, um den einen oder anderen Lacher platziert unterzubringen.

Neben der wirklich guten Adaption des Buches muss leider auch gesagt werden, dass insbesondere die Einleitung und das Ende einfach zu langatmig geraten sind. So wichtig ihre erste große Liebe auch ist, so gelungen das romantische Happy-End daherzukommen vermag - die Hälfte der Zeit hätte auch ausgereicht. An dieser Stelle muss explizit auf den wirklich guten Soundtrack von Émilie Simon verwiesen werden, der bis auf einen Song sehr gelungen ist und sich nahtlos in den Film einreiht.

Mit “Nathalie küsst” ist den Gebrüdern Foenkinos eine wirklich gute Adaption ihres Buches gelungen, die vor allem durch François Damiens und Audrey Tautou getragen wird. Beide harmonieren perfekt, die Geschichte ist bis auf einige Längen durchaus gelungen, und nach dem nur mittelmäßigen “Bezaubernde Lügen” sehen wir endlich wieder einen Film, in dem Audrey Tautou mit ihrer ganz besonderen Art zu überzeugen vermag.

Als im Frühling 1986 so kriminelle Beschlüsse wie das Schengener Abkommen unterzeichnet werden, blickt der belgische Grenzbeamte Ruben Vandevoorde (Benoît Poelvoorde) finsteren Zeiten entgegen. In nur 7 Jahren soll die Grenze im kleinen Grenzörtchen Courquain verschwinden, welche bisher sein geliebtes Belgien vor der Invasion der Franzosen beschützt hatte. Nicht nur das man diesen Franzosen nicht trauen kann, nein der schlimmste von allen wohnt gleich auf der anderen Seite. Sieben Jahre später ist die Grenze verschwunden und nur noch gelegentliche, eigentlich völlig unnötige Kontrollen gehen vonstatten. Steht’s voran geht hier natürlich Ruben, der weniger das Problem im Drogenschmuggel sieht, als in den Franzosen die sein geliebtes belgisches Benzin tanken wollen. Sein direkter Gegenspieler ist der verhasste französische Zollbeamte Mathias Ducatel (Dany Boon), der ihn täglich aufs Neue auf die Palme bringt. Mathias ist eigentlich ein ganz ruhiger und umgänglicher Typ, wenn da nicht das Problem mit seiner Freundin Louise (Julie Bernard) wäre. Ausgerechnet sie ist die Schwester vom Belgier Ruben und ausgerechnet dieser weiß nicht, dass sie seit über einem Jahr zusammen sind. Als sich Louise dies nicht länger bieten lassen will, meldet sich ausgerechnet Mathias freiwillig, die erste gemeinsame belgisch französische mobile Grenzkontrolle zusammen mit Ruben einzuführen. Zusammen eingequetscht in ihren alten R4 versuchen sie nun den Drogen Schmugglern das Fürchten zu lehren, wenn da nicht noch immer ihre Vorurteile wären…

Nichts zu verzollenNachdem Dany Boon (Willkommen im Süden, Mein bester Freund) nach seinem Film “Willkommen bei den Sch’tis” auch in Deutschland seinen Durchbruch verzeichnen konnte, ist er als Regisseur und Darsteller in der locker flockigen Komödie “Nichts zu verzollen” zurück. Wie sagte Boon bei der Premiere in München so schön, “ihr Deutschen habt Vorurteile gegen uns Franzosen und wir haben diese auch gegen die Belgier”, so einfach ist das also. Um dies zu unterstreichen nimmt Boon in “Nichts zu verzollen” so ungefähr jedes Vorurteil mit, was es nur geben kann. Ob dies nun das französische Wasser ist was selbstverständlich im Hals kratz, ob es die natürlich belgischen Sterne sind oder der Mond, der sich nur nachts glücklich über Belgien zum Schlafen legen kann. Mittelpunkt seiner eigentümlichen Komödie ist das kleine Restaurant “No Man’s Land”, welches dem Ehepaar Irène (Karin Viard) und Jacques Janus (François Damiens) gehört. Beide haben mit ihren ganz eigenen Sorgen zu kämpfen, sind sie doch seit der Grenzeröffnung fast Pleite. Was liegt also näher, als in den Drogenschmuggel mit einzusteigen?

Wenn Boon für eines ein Händchen hat, dann sind dies seine ausgewählten Charaktere. Karin Viard (Delicatessen) und François Damiens (Der Auftragslover ) sind auf ihre ganz eigene – fast dumme – Art absolut witzig und können den Großteil des Filmes überzeugen. In ihrer Paraderolle aber befinden sich Benoît Poelvoorde (Die Anonymen Romantiker) und Dany Boon. Poelvoorde flucht zwar den halben Film nur über die verhassten “Les Camemberts” herum, aber die Darbietung ist absolut grundsolide. Niemals verlieren die rassistischen Witze den Boden, nie übertreibt er zu sehr, immer bleibt Boon auf einer Ebene seiner gewählten Darstellung.

Nichts zu verzollenNachdem “Nichts zu verzollen” in den französischen wie auch in den deutschen Kinos ein voller Erfolg war, bringt PROKINO Home Entertainment diesen ab dem 01.12.2011 auf Blu-ray und DVD in den Handel. Die DVD beinhaltet eine Deutsche wie auch Französische Tonspur in 5.1 Dolby Digital, die dazugehörigen wahlweise dazu schaltbaren Untertitel und natürlich jede Menge zusätzliches Material. Wir bekommen fünf entfallene Szenen von etwa 7 Minuten Länge, eine exklusive Begrüßung von Dany Boon (er versucht Deutsch zu sprechen) sowie 8 Minuten “Hinter den Kulissen”. Hier wird uns in erster Linie der Dreh und auch der Bau diverser Kulissen gezeigt. So wurde beispielsweise das Restaurant “No Man’s Land” komplett im Studio erschaffen und dann auf riesigen Lastwagen zum Drehort transportiert. Neben der Impressionen der Deutschlandpremiere in München ist hier aber vor allem das “Gag Reel” interessant. Ein Zusammenschnitt aus 13 Minuten schief gegangener Szenen vom Set die überaus witzig anzusehen sind, einfach ein Muss.

“Nichts zu verzollen” ist ein Muss für jeden der guten Komödien nicht abgeneigt ist. Wer Dany Boon noch nicht kennt oder so seine Vorurteile gegen französisches Kino pflegt, dieser Film wird euch vom Gegenteil überzeugen. Eine rundum gelungene Blu-ray/DVD Veröffentlichung, die nur etwas mehr Extras verdient gehabt hätte.

 

Beschreibung: Das französisch-belgische Grenzörtchen Courquain blickt schweren Zeiten entgegen, seit in Europa so kriminelle Beschlüsse wie das Schengener Abkommen in Kraft treten – die Abschaffung der stationären Grenzkontrollen. Das jedenfalls findet der belgische Grenz-Beamte Ruben (Benoît Poelvoorde).

Sein französischer Gegenspieler Mathias Ducatel (Dany Boon) steht nur wenige Meter entfernt. Rubens schlimmste Befürchtungen werden wahr, als er zum mobilen französisch-belgischen Patrouillendienst antreten soll, und das ausgerechnet mit Mathias, der noch dazu mit seiner hübschen Schwester (Julie Bernard) liiert ist…
Laufzeit: 108 min
Kategorie: Comedy
Bewertung: 7/10

Nachdem Dany Boon schon mit “Willkommen bei den Sch’tis” überaus erfolgreich war, hat er das Drehbuch zu “Nichts zu verzollen” geschrieben, die Regie übernommen und spielt auch selber noch mit. Wie sein Vorgänger wird hier in erster Linie auf alle Arten von Vorurteilen rum geritten, die zwischen Belgier und Franzosen so existieren. Angefangen von französischem Mineralwasser das im Hals mehr kratzt als belgisches bis hin zu den Sternen, die natürlich nur über Belgien so hell scheinen, wird alles Mögliche einmal durch den Kakao gezogen. “Nichts zu verzollen” ist eine wirklich breite Ansammlung von erstklassigen Gags die in den knapp zwei Stunden zu kaum einer Zeit langweilig werden.

Die Besetzung ist mit Dany Boon, Benoît Poelvoorde, Julie Bernard und François Damiens erstklassig und kann zu absolut jedem Zeitpunkt überzeugen. Alle strahlen überaus viel Witz aus und bringen ihre Rolle so rüber, wie man es erwartet hätte. Ein großes Lob auch an jenem, der den kleinen Fiat im Film so umgebaut hat, würde ich auch nehmen!

Da sich bei diesem Film leider wieder die Meinungen sehr teilen, kann ich keine wirkliche Empfehlung aussprechen. Wer “Willkommen bei den Sch’tis” schon nicht witzig fand, wird diesen indirekten Nachfolger auch nicht mögen. Ich wurde jedenfalls glänzend unterhalten und warte gespannt schon jetzt auf die Blue Ray.