Cristi – ein Polizist in den Mittdreißigern – lebt in der rumänischen Kleinstadt Vaslui, wo er als Zivilfahnder tätig ist. Für seinen neusten Auftrag beschattet er eine Gruppe bestehend aus drei Jugendlichen, welche auf der Rückseite eines Kindergartens für jeden sichtbar Hasch rauchen. Christi geht hierbei nach einem immer gleich bleibenden Schema vor. Er observiert aus der Ferne, folgt ihnen im immer gleich bleibenden Abstand und sammelt letztendlich die zurückgebliebenen Zigarettenstummel auf, um daran zu riechen und diese entweder einsteckt oder direkt wieder wegwirft. Im Laufe dieser Observierung plagt Cristi jedoch sein Gewissen, ist es wirklich vertretbar diese Jugendlichen für 7 Jahre einzusperren, deren Zukunft zu verbauen und das, obwohl schon bald das Betäubungsmittelgesetz geändert werden wird?
Nachdem in den letzten Jahren verstärkt Filme aus dem skandinavischen und russischen Raum den Sprung zu uns geschafft haben, blieb ein Land immer recht unbeobachtet. Im Jahre 2009 schaffte es schließlich die rumänische Produktion “Police, adjective” in die Kategorie Un Certain Regard der Filmfestspiele in Cannes, und begeisterte auf seine ganz eigene Art die dortigen Zuschauer und Kritiker gleichermaßen. Regisseur und Drehbuchautor Corneliu Porumboiu (A fost sau n-a fost?) setzt den Mittelpunkt seiner Geschichte in seine eigene Heimatstadt Vaslui, in der er 1975 geboren wurde. Mit überwiegend tristen Hausfassaden, schäbigen Büroräumen und heruntergekommenen Straßen sehen wir ein Bild, welches nicht nur die typische osteuropäische Kleinstadt repräsentiert, sondert auch ein Sinnbild für Porumboiu’s Umgang mit Bildern und Farbe ist.
“Police, adjective” sieht seinen Schwerpunkt gleich auf zwei Ebenen, die der bildlichen und jener der Sprache. In großflächigen Bildern präsentiert uns Porumboiu überwiegend Aufnahmen aus der Ferne, welche einerseits stilistisch mit einer völligen Leere an Farben gleichzusetzen ist, andererseits aber auch gewollt diese zu verbergen versucht, da Bilder vom blauen Himmel gekonnt ausgeblendet werden. Die zweite Ebene ist die der Sprache, in der Porumboiu von der Art und Weise wie er diese einzusetzen pflegt, wohl wenig Vergleichbares finden wird. Wie sagte Christi am Anfang so schön, du kannst kein Tennisfußball spielen, dass ist “Gesetz”. Dieses Gesetz aber ist es, was ihm sein Chef am Ende wieder vorzuhalten versucht, da er es selber nicht befolgt. In einer anderen Situation hört seine Frau Anca (Irina Saulescu) einen vollkommen kitschigen Song wieder und wieder, und erörtert ihm daraufhin den Sinn einer Anapher. Am Tag darauf spricht sie ihn auf einen seiner Observierungsberichte an, in denen er ein verneinendes Pronominaladjektiv getrennt geschrieben hat, dieses inzwischen aber zusammen gehört. Auf sprachlicher Basis ist allerdings das Ende des Filmes der absolute Höhepunkt, als Christi und sein Kollege Nelu (Ion Stoica) zum Kommissar zitiert werden. In nur einer einzigen Kamerablende vollführt Porumboiu das Kunststück, um Christi die Konsequenzen seiner Taten mit Hilfe eines rumänischen Dudens deutlich zu machen. Nacheinander lässt er ihn die Wörter Gewissen, Gewissensbisse, Gesetz, Moral, Moralgesetz und schließlich Polizist aus dem Duden heraus suchen, sich vorlesen und schließlich begreiflich machen, phantastisch.
Nach über 2 Jahren hat “Police, adjective” endlich einen deutschen Verleih gefunden, der sich diesem durchaus sehenswerten Film annahm. In tristen Bildern erschafft Corneliu Porumboiu einen auf Minimalistik aufgebauten Film, der auf bildlicher und sprachlicher Ebene nicht nur überzeugen, sondern auch glänzen kann. Sofern es ein Programmkino in eurer Nähe führt, unbedingt ansehen.