Amadeus Warnebring (Bengt Nilsson) ist Kommissar im wunderschönen Stockholm und kommt so gar nicht nach seiner berühmten Verwandtschaft. Sein Großvater war Komponist, seine Eltern sind Musiker und ausgerechnet sein jüngerer Bruder wird als Wunderkind und neuer berühmter Komponist gefeiert. Der Einzige aus der Familie der Musik einfach nicht leiden kann, ist Amadeus. Ganz anders als Amadeus sind da schon die 6 Musiker Magnus (Magnus Börjeson), Anders (Anders Vestergård), Myran (Fredrick Myhr), Marcus (Marcus Haraldson Boij), Johannes (Johannes Björk) und Sanna (Sanna Persson Halapi), die mit ihrem revolutionären Gedankengut die Musik in Stockholm neu erfinden wollen. Mit einer Musik-Oper aus 4 Akten entwickeln sie “Music for One City and Six Drummers” und halten mit den Stücken “Doctor, Doctor, Gimme Gas (in my Ass)“, “Money 4 U, Honey“, “Fuck the Music, Kill! Kill!“ und “Electric Love“ nicht nur die Stockholmes Polizei in Atem…
Ganze 10 Jahre ist es nun her, seitdem Ola Simonsson und Johannes Stjärne Nilsson mit dem Kurzfilm “Music for One Apartment and Six Drummers” zahlreiche Festivals bereisten, unzählige Auszeichnungen entgegen nahmen und der Film auf YouTube zu einem der meistgeklickten Hits wurde. Auf Erfolg darf man sich nicht ausruhen dachten sich wohl auch diese zwei und so kam was kommen musste, aus dem Konzept des Kurzfilmes wurde die Idee zum Spielfilm, der an seiner eigentlichen Botschaft aber nichts verlieren sollte.
Damals wie heute steht die Musik im Vordergrund und so spielen die 6 gleichen Darsteller von damals auch heute noch mit. Der Schauplatz der Küche wird gegen das große Stockholm ausgetauscht, die Küchengeräte durch Menschen und Bagger und so erklingt neben dem tickenden Metronom der altbekannte Beat, wenn die verschiedensten Instrumente ihre Arbeit beginnen. Die 6 Drummer spielen im Krankenhaus auf einem Patienten, in der Bank auf dem Bankschalter, vor der Oper mit einem Bagger oder hoch oben an den Elektrizitätsleitungen Stockholms, vor diesen Musik Terroristen soll niemand sicher sein. Dass das Konzept von damals auch noch heute funktioniert, ist vor allem Ola Simonsson und Johannes Stjärne Nilsson sowie den 5 Musikern und der weiblichen Schauspielerin geschuldet, die auch nach 10 Jahren noch mit machen. Eine wunderbare Umsetzung der Geschichte verbunden mit 4 Musikstücken, die den Film nicht nur zusammen halten, sondern auch eine ganz besondere Note verleihen gibt sein Übriges.
Das “Sound of Noise” nicht nur eine herrliche anarchistische Komödie für Musikliebhaber ist, beweist zum einen der fein gestrickte Plot um Amadeus Warnebring, wie auch die wunderbare Umsetzung durch Bengt Nilsson (Tjenare kungen). Als schwarzes Schaf der musikalischen Familie kann er Musik beim besten Willen nicht ausstehen und so verwundert es wenig, dass genau er der richtige ist, um sich diesem Fall anzunehmen. In einer beeindruckenden Performance überzeugt er als Musik ablehnender und harmoniert perfekt mit Sanna Persson Halapi (Die ewigen Augenblicke der Maria Larsson), mit der er am Ende ein wirklich bezauberndes “Electric Love“ spielt. Kann Musik und Liebe schöner sein?
Ab dem 16.02.2012 veröffentlicht Sunfilm Entertainment dieses beeindruckende musikalische Werk in einer streng limitierten Special Edition mit Soundtrack auf DVD und Blu-ray, sodass ihr euch dem Beat im kraftvollen DTS HD 7.1 in Deutsch und Schwedisch auch im heimischen Wohnzimmer hingeben könnt. Wie immer haben wir uns für euch die zusätzlichen Inhalte ganz genau angesehen und diesmal könnte man allein darüber einen ganzen Artikel füllen. In einem wunderbaren auf Notenblättern animierten Menü können wir die verschiedensten Extras anwählen. In “Making Doc for Doctor” haben wir ein 22 minütiges Making Of des Stückes “Doctor, Doctor, Gimme Gas (in my Ass)“, welches ausschließlich in Schwedisch vorliegt und zahlreiches Hintergrundwissen dieser Szene vermittelt. In “Water Analysis Part 3″ bekommen wir das Wasserspiel von Senna zu sehen, was im Film nur als kurzer Ausschnitt ihrer Studienarbeit zu sehen war, sehr beeindruckende 5 Minuten. Die Qualität hierbei ist bewusst auf VHS Niveau gelegt, da dies die Videokassette des Filmes darstellen sollte, also bitte nicht wundern. Neben der für Drummer Liebhaber existierenden “Soundcard STHLM” sind vor allem die beiden Kurzfilme “Music for one X-Mas and Six Drummers” sowie “Music for One Apartment and Six Drummers” interessant, bei denen wir zwei ältere Werke bewundern dürfen.
“Sound of Noise” ist große musikalische Unterhaltung und der Beweis dafür, dass die Portierung vom Kurz- in einen Langspielfilm durchaus gelingen kann. Großartige musikalische Unterhaltung, eine gute schauspielerische Umsetzung und ein umfangreiches Angebot an zusätzlichen Inhalten runden die Blu-ray ab, eine absolute Empfehlung.