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Anomalisa

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 17. Januar 2016

Anomalisa

Charlie Kaufman steht für einmalige Drehbücher, denn ihm verdanken wir Filme wie „Being John Malkovich“, „Adaption: Der Orchideen-Dieb“ und „Geständnisse – Confessions of a Dangerous Mind“. Für sein neustes Filmprojekt war es dennoch nicht so ganz einfach, die finanziellen Mittel aufzutreiben, denn nachdem ihm diverse Produzenten das Geld verweigerten, sammelte er via Crowdfounding 400.00 US-Dollar von seinen Fans, um „Anomalisa“ doch noch verwirklichen zu können.

AnomalisaDer etwa 60-jährige Michael Stone (Stimme: David Thewlis) ist ein angesehener Autor von Ratgebern, die überall auf der Welt gelesen werden. Um sein Gehalt zusätzlich aufzubessern, gibt er in regelmäßigen Abständen Vorlesungen für Mitarbeiter von größeren Konzernen, weswegen es ihn diesmal nach Cincinnati zieht. Frau und Kind werden daheim gelassen, doch um das langweilige Leben etwas aufzulockern, wird kurzerhand eine Dame angerufen, mit der Michael vor vielen Jahren einmal eine Affäre hatte. Besagte Dame stellt bereits frühzeitig die Fronten klar, woraufhin es Michael zurück ins Hotel zieht, wo er plötzlich die einmalige Lisa (Stimme: Jenifer Jason-Leigh) kennenlernt. Ihre Stimme ist faszinierend, die junge Lisa so herrlich verdreht, dass Michael schon bald bereit ist, seine Ehe für Lisa zu beenden, die er fortan nur noch liebevoll Anomalisa nennen wird.

In den letzten Jahren hat sich Crowdfounding zu einer durchaus lukrativen Möglichkeit zur Finanzierung von Filmprojekten entwickelt, die von größeren Produzenten bereits im Vorfeld aussortiert werden. Wie auch immer man dazu stehen mag, im Falle von Charlie Kaufmans „Anomalisa“ war es eine Möglichkeit, für kleines Geld (verglichen mit ähnlichen Projekten) ein Drehbuch zu verwirklichen, worin jede Menge Potential stecken sollte. Zusammen mit Co-Regisseur Duke Johnson (Marrying God) berichtet Kaufman von der Eintönigkeit des Lebens, vom Älterwerden und natürlich vom Wunsch nach Veränderung, um der Eintönigkeit der Ehe zu entkommen.

AnomalisaVerglichen mit seinen früheren Werken ist „Anomalisa“ weniger komplex ausgefallen, denn die überschaubare Geschichte offenbart selbst bei grade einmal 90 Minuten Länge die eine oder andere Szene, in denen sich inhaltlich vereinzelt Themen wiederholen. Dies alles ist nicht unbedingt nervenaufreibend, was allerdings dem doch recht traurigen Ton der Inszenierung geschuldet ist, der zuweilen beinahe ins Depressive abzudriften droht. Der im Mittelpunkt stehende Michael Stone ist nämlich einsam, er sucht Liebe, Anerkennung und womöglich dieses gewisse Etwas, dass seinem Leben doch noch einen Sinn geben könnte.

Insbesondere am Anfang wird diese Eintönigkeit beinahe perfekt dargestellt, wenn die verschiedensten Figuren von Tom Noonan gesprochen werden und dies erst mit dem Erscheinen von Lisa unterbrochen wird. Diese hat nun eine ganz eigene Stimme, etwas, das Anziehung ausstrahlt, und somit etwas, das Michael fortan zu besitzen gedenkt. Erst sexuell, am nächsten Tag schließlich in Form einer festen Beziehung, um diese einzigartige Frau bloß nicht im nächsten Moment wieder zu verlieren.

AnomalisaThemen wie diese sind nicht unbedingt für das jüngere Publikum gemacht, denn die dargestellte Midlife-Crisis mit all ihren Ecken und Kanten ist etwas, dass man im Ganzen wohl erst versteht, wenn man selber auf einen gewissen Abschnitt in seinem Leben zurückblicken kann. Autor und Regisseur Charlie Kaufman bot „Anomalisa“ ein Mittel, eben diese Erfahrungen auf der großen Leinwand darzustellen, auch wenn dies diesmal definitiv auf Kosten seiner Fans gehen wird. Kein einfacher Film, kein wirklich komplexer Film und wohl mit weitem Abstand einer seiner schlechteren, was die Aussagekraft dieses Werkes aber auf keinen Fall schmälern soll.

Charlie Kaufman versucht mit geringen finanziellen Mitteln, vom Älterwerden und der Midlife-Crisis zu berichten, was zuweilen jedoch recht substanzlos ausgefallen ist. Insbesondere langjährige Fans werden etwas komplett anderes erwarten, als ihnen hier dargeboten wird.

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Wir vergeben daher 6 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Paramount

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Anomalisa

Länge: 90 min

Kategorie: Animation

Start: 21.01.2016

cinetastic.de Filmwertung: (6/10)

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Info

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Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 90 min
Kategorie: Animation
Start: 21.01.2016

Bewertung Film: (6/10)

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