cinetastic.de - Living in the Cinema

Der Babadook

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 11. März 2015

Der Babadook

Im Bereich des Horrorfilms hat sich in den letzten Jahren nur noch bedingt etwas getan. Im Grunde gehen die verantwortlichen Filmemacher zumeist nach Schema F vor, wirklich Neues sieht man kaum und so ist es auch nur wenig verwunderlich, dass ein Großteil besagter Filme von den Kritikern abgestraft wird. Die Australierin Jennifer Kent versuchte für ihren Debütfilm „Der Babadook“ genau deswegen etwas völlig anderes, was ihr nicht nur auf zahlreichen Festivals ungemein viel Lob, sondern auch zahlreiche Auszeichnungen eingebracht hat.

Der BabadookDie Mittdreißigerin Amelia (Essie Davis) wurde bereits frühzeitig mit dem Tode eines geliebten Menschen konfrontiert, denn genau auf dem Weg zum Krankenhaus wo sie später ihren Sohn Samuel (Noah Wiseman) zur Welt bringen sollte, verstarb ihr Ehemann bei einem schweren Autounfall. Die kommenden sieben Jahre versucht Amelia mehr schlecht als recht als alleinerziehende Mutter zurecht zu kommen, doch Samuel macht ihr immer wieder das Leben zur Hölle. Der heranwachsende junge Mann sagt offen was er denkt, hört auf niemanden und fliegt deswegen direkt von der Schule, was das Fass zum Überlaufen bringt. Als Samuel dann noch die grausame Gutenachtgeschichte Der Babadook aus dem Regal holt und die kommenden Tage nur noch von einer im Haus umherwandelnden Gestalt berichtet, scheint Amelia endgültig vor einem Nervenzusammenbruch zu stehen.

Auf der Weltkarte des Films ist Australien alles andere als stark vertreten, denn obwohl immer mal wieder einzelne wirklich sehenswerte Genrebeiträge den Weg in unser Kino finden, vermag der normale Zuschauer doch kaum einen Film mit diesem Land in Verbindung bringen. Die Australierin Jennifer Kent (Schweinchen Babe in der großen Stadt) versuchte dies im letzten Jahr zu ändern, als sie mit ihrem Debütfilm „Der Babadook“ von einem Festival zum nächsten reiste und dort zumeist mit ungemein viel Wohlwollen vom Publikum aufgenommen wurde.

Der BabadookIm Grunde könnte man „Der Babadook“ mit tausenden anderen Genrebeiträgen vergleichen, die sich dem Schwarzen Mann, dem ungewissen Etwas im Dunkeln oder einem Wesen unter dem Bett widmen. Besagter Film von Kent versucht aber weitaus mehr zu sein, denn entgegen erster Vorurteile hat Kent eine Geschichte zu erzählen, die nicht nur Hand und Fuß, sondern vor allem Inhalt hat. Beginnend mit einer prägenden Szene eines Autounfalls werden wir in erster Linie mit einem Quälgeist von Sohn konfrontiert, mit einer völlig überforderten und vor allem übermüdeten Mutter, die sich gerade noch so auf den Beinen zu halten vermag. Die Trauer hinsichtlich des verstorbenen Ehemanns liegt selbst sieben Jahre danach noch immer in der Luft, eine Überwindung steht in den Sternen, lehnt die im Mittelpunkt stehende Amelia doch jedwede Hilfe ab.

Als ob diese Trauerbewältigung noch nicht genug wäre, versucht Kent nun eine Mutter-Sohn-Beziehung zu etablieren, die komplizierter kaum sein könnte. Ein Kind von sieben Jahren das sich nichts sagen lassen will, das von der Schule fliegt, gleichwohl aber auch allerhand gefährliche Erfindungen entwirft, mit denen es die Umwelt als Zauberer zu beeindrucken versucht. Mit dem Kinderbuch Der Babadook wird schließlich eine Wendung, zugleich aber auch der dritte Bestandteil dieser Geschichte eingeführt, denn fortan gibt es ein unheimliches Wesen im Haus, dass sich beider zu bemächtigen versucht.

Der BabadookFür Kent steht an dieser Stelle aber nicht der simple Horror im Vordergrund, sondern vielmehr die Frage: Was passiert wenn einem das eigene Kind entgleitet? Es wird mit den Urängsten von Eltern gespielt, gleichwohl aber auch von Trauer und Verlust berichtet, während sich die Mutter-Sohn-Beziehung durch Medikamente und Kontrollverlust immer schwieriger gestaltet. Das dabei der Babadook mehr als nur eine zusätzliche Metaebene ist wurde geschickt gewählt, denn dadurch schafft es Kent die Spannung bis zuletzt aufrecht zu erhalten. Ob die gewählte Auflösung allen Zuschauern gerecht wird, muss an dieser Stelle allerdings Infrage gestellt werden, denn obwohl ein gewisses Raunen durch die Reihen geht, mag damit mit Sicherheit nicht jeder zufriedengestellt werden.

Hinsichtlich der Besetzung setzt Jennifer Kent auf zwei starke Hauptdarsteller, die den Film über weite Strecken absolut sehenswert tragen. Auf der einen Seite der kleine Noah Wiseman (The Gift) der einen Quälgeist von Sohn gibt, auf der anderen Seite Essie Davis (Matrix Revolutions), die langsam unter dem auf sie hereinstürzenden Druck zu zerbrechen droht.

Jennifer Kent gelingt mit „Der Babadook“ ein eindrucksvoller Genrebeitrag, welcher kaum Wünsche offen lässt. Eine tiefgründige Geschichte, Spannung bis zur letzten Minute und zwei wirklich starke Hauptdarsteller, die bis zuletzt überzeugen.

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Wir vergeben daher 7,5 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Capelight

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Mit Facebook Anmelden um zu Posten!

Anmelden
Der Babadook

Länge: 93 min

Kategorie: Drama, Horror, Thriller

Start: 07.05.2015

cinetastic.de Filmwertung: (7,5/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Gewinnspiele

Gewinne Kinokarten, BluRays, DVDs,
Fan Packages und mehr!

Gleich mitmachen

Info

Der Babadook

Der Babadook

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 93 min
Kategorie: Drama, Horror, Thriller
Start: 07.05.2015

Bewertung Film: (7,5/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1