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Lamento

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 11. August 2014

Lamento

Die Sektion Perspektive Deutsches Kino bietet ein jedes Jahr auf der Berlinale einigen jungen Filmschafenden die Möglichkeit ihren Debütfilm vorzustellen, ihr Werk dem breiten Publikum zu präsentieren und gleichwohl erste Kontakte zu potentiellen neuen Geldgebern zu knüpfen. Der schwedische Regisseur Jöns Jönsson stellte dort in diesem Jahr seinen Film „Lamento“ vor, welcher nicht nur von den Zuschauer mit wohlwollen aufgenommen wurde, sondern gleichwohl auch von der unabhängigen Filmproduktion missingFILMs, die Jönssons Film nun in die deutschen Kinos bringen wird.

LamentoSeit dem Tod ihrer Tochter Sara versucht Magdalena (Gunilla Röör) wieder in den Alltag zurück zu finden. Sie holt ihren Enkel vom Klavierunterricht ab, isst des Abends mit ihrer anderen Tochter zu Abend und trifft sich gleichwohl danach auch noch kurz mit Freunden in Kneipen, um ausgelassen zu feiern und das eine oder andere Bier zu sich zu nehmen. Magdalenas Leben besteht aus Routine und Alltagsritualen, doch diese werden plötzlich unterbrochen, als mit Johannes (Hendrik Kraft) der Ex-Freund ihrer verstorbenen Tochter zu Besuch kommt. Plötzlich muss sie sich der Vergangenheit stellen, die wohl errichteten Mauern um ihr Innerstes fangen an zu bröckeln, woraufhin auf einmal jener Schmerz zum Vorschein kommt, den sie über Monate hinweg wohlweislich unterdrücken konnte.

Eigentlich wollte der Schwede Jöns Jönsson (Das Meer) mit Hilfe des schwedischen Bafögs nur eine nette Zeit in Berlin verbringen, von einer Party zur anderen ziehen, um irgendwann wieder in sein Heimatland zurück zu kehren. Das dies nicht ganz so abgelaufen ist kann man sich bereits vorstellen, dass er aber kurzerhand an der Filmuniversität Babelsberg sein Regiestudium begann, verwundert dann aber nun doch ein wenig. Sein Erstlingswerk „Lamento“ wurde in der Sektion Perspektive Deutsches Kino in diesem Jahr auf der Berlinale präsentiert, der missingFILMs Filmverleih sah sogar eine solche Perspektive in dem Film, dass dieser nun einen regulären Kinostart erhält.

LamentoDie Geschichte von „Lamento“ ist schnell erzählt, die Bewältigung von Trauer ist beim besten Willen nicht neu und dennoch schafft Regisseur Jöns Jönsson genau das, woran ganz andere Filmschaffende sich die Zähne ausbeißen. Sein Werk ist authentisch, was zum einen am sehr guten Drehbuch begründet liegt für das er sich auch selber verantwortlich zeichnet, zum anderen aber auch an den sehr ausformulierten Figuren, die es einfach nicht schaffen sich der Vergangenheit zu stellen. Bei alledem war ihm gut daran gelegen den Film nicht in Berlin sondern in Schweden spielen zu lassen, wodurch zum einen die gesellschaftliche Akzeptanz der Schweden mit dem Thema Selbstmord in den Mittelpunkt rückt, zum anderen aber auch dieses gewisse multikulturelle Etwas, ist „Lamento“ doch gleich in drei Sprachen (Deutsch, Schwedisch, Englisch) gedreht worden.

Rein von der Geschichte hat „Lamento“ nicht unbedingt viel zu bieten, denn der Film lebt zum Großteil von den Szenen des Alltags und den vorgestellten Figuren. Da haben wir die ältere Magdalena die einfach niemanden an sich heran lässt, die Vorbehalte gegenüber ehemaligen Bekannten ihrer Tochter hegt und sich noch immer einredet, dass sie diese trotz ihrer labilen Einstellung doch nicht dazu hätte zwingen können, die Medikamente einzunehmen. Auf der anderen Seite ist mit Johannes jener Mann der diese Fassade zum bröckeln bringt, gleichzeitig es aber nicht schafft, dass seine ehemalige Schwiegermutter sich ihm öffnen würde.

LamentoDer Film lebt von Szenen wie diesen, den stillen Momenten, in denen der Zuschauer aus einer beobachtenden Perspektive heraus beginnt das große Ganze zu erfassen, sich gleichwohl aber mit keiner der dargebotenen Figuren identifizieren kann. Es verwundert ein wenig das „Lamento“ ein Erstlingswerk sein soll, denn schaut man einmal auf die wunderbaren Lichtverhältnisse, den gelungenen Schnitt und die Auswahl namhafter Darsteller, so ist dies ein Film den man Jönsson in dieser Form wohl am wenigsten zugetraut hätte. Was also wird er uns demnächst präsentieren, wo geht die Reise hin und bleibt er dem deutschen Kino treu? Wir dürfen gespannt sein.

Dem Schweden Jöns Jönsson ist mit „Lamento“ ein wirklich sehenswertes Erstlingswerk gelungen, dass von Trauer und der Bewältigung dieser in wunderbaren Bildern erzählt.

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Wir vergeben daher 7 von 10 Filmpunkten.

Copyright: missingFILMs

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Lamento

Länge: 86 min

Kategorie: Drama

Start: 09.10.2014

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

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Info

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Lamento

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 86 min
Kategorie: Drama
Start: 09.10.2014

Bewertung Film: (7/10)

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