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Das Salz der Erde

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 8. August 2014

Das Salz der Erde

Wenn der deutsche Regisseur und Drehbuchautor Wim Wenders beschließt ein dokumentarisches Porträt zu erschaffen, so wird daraus zumeist etwas ganz besonderes, dass man gesehen haben sollte. Mit „Pina“ zollte er der Tänzerin Pina Bausch erst vor kurzem seinen Tribut, mit „Das Salz der Erde“ widmet sich Wenders nun dem brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado, dessen einmalige Bilder bereits seit mehr als vier Jahrzehnten für großes Aufsehen sorgen.

Der brasilianische Fotograf Sebastião Salgado zählt ganz ohne Frage zu jenen Personen zu denen Wim Wenders ein ganz besonderes Verhältnis hat, denn obwohl sich beide erst vor kurzem zum ersten Mal haben kennenlernen dürfen, schätzt Wenders die Kunst seines Kollegen doch ungemein. Wenders konnte sich neben der Filmkunst selber einen Namen durch seine Bilder machen, von daher war er schon recht früh mit den wunderschönen Schwarz-Weiß Fotografien von Salgado vertraut, der erstmals am Anfang der 80er Jahre für Aufsehen sorgte, als dieser die Zustände in der Goldmine Serra Pelada aufzeigte, wo hunderte Männer auf Leitern übereinander versuchen ans Ziel zu kommen.

Da Wenders unweigerlich als Bewunderer Salgados angesehen werden kann, fehlt dem Werk zuweilen auch gänzlich seine Objektivität, was hier jedoch mit einem windigen Kniff nahezu negiert wurde. Wim Wenders zählt nicht als alleiniger Regisseur des Werkes, denn als Co-Regisseur trat ebenso Salgados Sohn Juliano Ribeiro Salgado auf, der seinen Vater über mehrere Jahre auf seinen Reisen begleitete. Auf diesen Reisen entstanden hunderte Stunden Filmmaterial, Material das gesichtet und ausgewertet werden musste und das man zum Teil dafür nutzen konnte, um die Reisen der beiden anschaulich aufzubereiten. Die besagten Reisen Salgados beginnen in der brasilianischen Goldmine Serra Pelada, gehen über die Sahel-Zone wo er in den Jahren 1984-1986 als Vertreter der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ unterwegs war und hören bei den brennenden Ölfeldern in Kuwait noch lange nicht auf.

Die vorgestellten Bilder bleiben über die Jahrzehnte hinweg in Schwarz-Weiß, warum Salgado nicht in Farbe fotografiert wird nie angesprochen, doch erklärt sich dies dem Zuschauer von selbst. Neben den filmischen Aufnahmen aus dieser Zeit werden dem Zuschauer zu den verschiedensten Reiseabschnitten in erster Linie Fotos gezeigt, die Sebastião Salgado aus dem Off kommentiert. Hier bedient man sich eines recht intelligenten Einfalls von Wim Wenders, denn dieser lässt Salgado in einer Art Black Box seine eigenen Fotos ansehen, filmt die Situation aus einer Perspektive hinter dem Foto heraus und vermittelt so den Eindruck, dass Salgado seine eigenen Fotos zu erklären versucht.

Daraus ergibt sich eine Unmenge an Details, es wird aber auch ein Leben porträtiert, das in dieser Form einmalig sein sollte. Wir erleben die Veränderung eines Mannes dessen Leben in erster Linie seine Reisen waren, der Goldminen besuchte und mit den dunkelsten Kapiteln der menschlichen Geschichte konfrontiert wurde. „Das Salz der Erde“ könnte man im Entferntesten als einen vier Jahrzehnte andauernden Leidensweg beschreiben, der die Abgründe des Menschen auslotet und diese wiederrum in Bilder einzufangen versucht. Salgado wird in der Sahel-Zone mit Hunger und Leid konfrontiert, auf der Straße nach Kigali sieht er 150 Kilometer nur tote am Straßenrand liegen, während er später davon berichtet, dass über 200.000 Menschen in Ruanda in einem Wald verschwanden und anschließend nie wieder gesehen wurden.

Insbesondere die Bilder und die Geschichten rund um die grauenvollen Massaker in Ruanda werden den Zuschauer berühren, einige werden diese Bilder kaum ertragen, doch letzten Endes wird genau jenes Gefühl vermittelt, dem sich Salgado ausgesetzt sah. Er konnte das dargelegte Leid selber nicht länger ertragen, brauchte Abwechslung, eine Form der Reinigung und fand diese schließlich in seinem Projekt „Genesis“, bei dem er es sich zur Aufgabe machte, zusammen mit seiner Frau und einer Unmenge an Helfern jenen Wald in seiner brasilianischen Heimat wieder auferstehen zu lassen, der vor so vielen Jahren abgeholzt wurde. Zusammen pflanzten sie rund 2.5 Mio. der unterschiedlichsten Bäume, der Prozess wurde auf Bildern festgehalten und dient heute als positives Beispiel dafür, wie man ein ökologisches System nahezu in seiner Gänze wiederherstellen kann. Besagte Bilder der Natur wirken jedoch nicht nur auf Salgado heilend und beruhigend, sondern ebenso auf den Zuschauer, der nun wieder etwas Abstand zu Gräueltaten in den Kriegsgebieten erhält, die ihn vorher auf unangenehmer Art und Weise zeichneten.

Wim Wenders schafft es mit „Das Salz der Erde“ beinahe vier Jahrzehnte aus dem Leben des brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado eindrucksvoll aufzubereiten. Die Mischung aus Schwarz-Weiß Fotos, Mitschnitte seiner Reisen und dem erklärenden Kommentar von Salgado ist wohl einmalig, weswegen uns diese zweistündige Dokumentation mehr schafft zu zeigen, als es eine Ausstellung jemals könnte.

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Das Salz der Erde

Länge: 110 min

Kategorie: Documentary, Biography

Start: 30.10.2014

cinetastic.de Filmwertung: (8/10)

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Info

Das Salz der Erde

Das Salz der Erde

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 110 min
Kategorie: Documentary, Biography
Start: 30.10.2014

Bewertung Film: (8/10)

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