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Arteholic

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 20. August 2014

Arteholic

Der in Köln geborene Schauspieler, Regisseur, Produzent und Komponist Udo Kier hat es ganz ohne Frage im Leben zu etwas gebracht, denn er ist nicht nur einer der größten in der deutschen Filmszene, sondern ganz nebenbei auch Kunstkenner, Sammler und Förderer.

ArteholicNicht umsonst hat sich Regisseur Hermann Vaske (Wie man die Leute von ihrem Geld trennt) sich nun Udo Kier (Blade) gewidmet, wenn er diesen auf einer Reise durch die verschiedensten Kunsttempel begleitet. Vom Frankfurter Städel über das Museum Ludwig in Köln, vom Kunstmuseum in Bonn bis zum Hamburger Bahnhof in Berlin, vom Louisiana Museum in Kopenhagen bis zum Centre Pompidou in Paris. Auf dieser Reise trifft Udo Kier eine Reihe von Weggefährten und Freunden, Menschen mit denen er die letzten Jahrzehnte verbracht hat, Menschen die ihn schon früh in seinem Leben prägten und in die Kunstszene eingeführt haben.

Udo Kier beginnt seinen Film „Arteholic“ mit einer Begriffskette, Wörtern wie Sucht, Gier, Besitzen, Abhängigkeit und Kunst, woraus sich schließlich der Arteholic ableitet, ein Mensch der Kunst nicht nur versteht und zu schätzen weiß, sondern diese sprichwörtlich atmet und lebt. Wer nun jedoch eine Dokumentation über Udo Kier und dessen Kunstverständnis erwarten würde, der wird enttäuscht, denn „Arteholic“ ist Kunst über die Kunst. Es ist eine 85-minütige Selbstinszenierung von Udo Kier, bei welcher der dokumentarische Anspruch auf Authentizität vollkommen abhanden geht. Kaum eine Szene scheint spontan entstanden zu sein, vieles wirkt konstruiert, beinahe eine riesige Performance, in deren Mitte sich Udo Kier als Egomane und Selbstdarsteller auszuleben versucht.

ArteholicEs entstehen Gespräche über Kunst, über das Kunstverständnis und wie man diese zu leben hat. Nur ganz selten blitzt einmal etwas Privates auf, wenn Kier mit seinen Bekannten beispielsweise über alte Zeiten spricht, wie diese sich in Florenz kennengelernt haben und von einer Kunstparty zur nächsten zogen. Ob man Personen wie Rosemarie Trockel, Udo Kittelmann, Marc Brandenburg, Jonathan Meese, Marcel Odenbach, Nicolette Krebitz, Max Hollein, Tobias Rehberger, Nikolaus Hirsch und Lars von Trier wirklich als Freunde per Definition bezeichnen kann mag auch dahingestellt sein, denn ein wirklich freundschaftliches Verhältnis lässt sich zu keiner Zeit erkennen. Vielmehr sprechen alte Weggefährten miteinander, Personen die sich einmal im Jahr auf einer Kunstveranstaltung sehen, die sich zu schätzen wissen, viel mehr aber auch nicht miteinander zu tun haben.

Das ist jedoch nicht unbedingt weiter schlimm, denn aus den unterschiedlichsten Performances die daraus entstehen, lässt sich vieles ableiten, was zuweilen sogar ganz lustig sein kann. Wenn Udo Kier beispielsweise am Frühstückstisch mit Lars von Trier zusammen sitzt, jeder von beiden seine Zeitung ließt, mal interessiert rüber schaut, dabei jedoch nicht ein Wort verliert, mag das durchaus unterhaltsam sein. „Arteholic“ ist ganz ohne Frage eine sehr spezielle Dokumentation, mit der in dieser Form womöglich nicht allzu viele Menschen etwas anzufangen wissen. Es ist kein Werk über Udo Kier, vielmehr ein Kunstprojekt über die Kunst, in deren Mitte sich Udo Kier als Selbstdarsteller befindet.

Hermann Vaskes „Arteholic“ ist fern ab einer authentischen Dokumentation über die Person Udo Kier. Vielmehr ist es ein Projekt über die Kunst, über einen Menschen der sich gern selbst in den Mittelpunkt stellt, Kunst atmet, lebt und diese weiterzugeben versteht. Eben eine Dokumentation über einen echten Arteholic.

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Wir vergeben daher 6 von 10 Filmpunkten.

Copyright: Camino Filmverleih

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Arteholic

Länge: 85 min

Kategorie: Documentary

Start: 16.10.2014

cinetastic.de Filmwertung: (6/10)

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Info

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Arteholic

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 85 min
Kategorie: Documentary
Start: 16.10.2014

Bewertung Film: (6/10)

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