cinetastic.de - Living in the Cinema

The Wolf of Wall Street

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 10. Januar 2014

The Wolf of Wall Street

Der in Queens geborene 71-jährige Oscar-Gewinner Martin Scorsese muss es im Grunde schon lange niemanden mehr beweisen, denn mit seinen vielschichtigen Gangsterfilmen hat er vor allem ein Bild dessen gezeichnet, was auf der Rückseite des amerikanischen Traums geschah, während das Land in seiner Vielfalt aufgebaut wurde. Mit „The Wolf of Wall Street“ widmet sich Scorsese nun einem neuen, jedoch kaum weniger interessanten Kapitel des zeitgenössischen, wenn er den Aufstieg und den Fall von New Yorks Broker Jordan Belfort schildert.

Am Anfang der 80er Jahre ist für Jordan Belfort (Leonardo DiCaprio) die Welt noch in Ordnung. Frisch verheiratet kommt er an die Wall Street um das große Geld zu machen, wo er allerdings erst einmal ganz unten anfangen und sich anschreien lassen muss. Jordan lernt schnell, doch kaum hat er ein halbes Jahr später seine Broker Lizenz, macht der traditionsreiche Laden auch bereits wieder zu, haben sie doch am schwarzen Montag alles verloren. Jordan zieht es in die Randbezirke von New York wo er mit sogenannten Penny Stocks lernt einen Haufen Geld zu machen, winken doch nur dort 50% Provision. Er macht seine eigene Fima auf, nennt diese Stratton Oakmont und hat bald hunderte gierige Mitarbeiter unter seiner Hand, doch wo die Millionen an Renditen, Drogen und Alkohol nur so fließen, bleiben jene auf der Strecke denen er das Geld aus der Tasche gezogen hat. Plötzlich wird darauf jedoch die lokale Börsenaufsicht aufmerksam und FBI Agent Patrick Denham (Kyle Chandler) heftet sich an seine Fersen…

The Wolf of Wall StreetBereits im Vorfeld zu Martin Scorseses (Hugo Cabret) neustem Film „The Wolf of Wall Street“ gab es die eine oder andere kritische Stimme. Kann man das Leben eines der niederträchtigsten Finanzgenies wirklich in dieser Form abbilden, ohne dabei Rücksicht auf tausende geprellte Anleger zu nehmen? Selbst Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio (Django Unchained) sah sich dazu berufen seine Rolle und den Film zu erklären, die Intension von Drehbuchautor Terence Winter (Boardwalk Empire) darzulegen, der sich in erster Linie auf Jordan Belforts (Die verborgene Gruft) autobiografisches Buch beruf, welches ebenso humorvoll, wenn auch etwas respektvoller geschrieben war.

Herausgekommen aus die Adaption ist in erster Linie ein Film der auf überaus freche Art und Weise das Finanzgebaren der späten 80er und am Anfang der 90er Jahre aufs Korn nimmt, in denen alles möglich und noch weniger verboten war. Bereits der Einleitungssatz – gesprochen aus dem Off – lautet: „Mein Name ist Jordan Belfort. In meinem 26. Lebensjahr habe ich 49 Millionen Dollar gemacht. Was mich ziemlich angepisst hat, weil es immer noch etwas weniger als eine Million die Woche war“. Es folgt ein seriöser Werbeslogan seiner Firma Stratton Oakmont, woraufhin die Kamera nur wenige Sekunden später direkt in die Büros schaltet, wo man das wahre Gesicht der Finanzgenies und Broker erkennen kann. Laut feiernd steht eine Zielscheibe im Zentrum des Büros, während zwei Mitarbeiter gerade dabei sind einen Kleinwüchsigen direkt in die Mitte besagter Scheibe zu werfen, gilt es doch einen Preis zu gewinnen.

The Wolf of Wall StreetDiese lockere Art das finanzgebären darzustellen wird aus der Sicht von Jordan Belfort durch Leonardo DiCaprio aus dem Off kommentiert, wodurch der Zuschauer nicht nur die Rolle des Mitwissers einnimmt, sondern zeitgleich auch noch eine aktive Rolle dabei einnehmen kann, wie ahnungslose Menschen von gewieften Brokern über den Tisch gezogen werden. Die Broker verkaufen diesen in erster Linie Träume, den greifbaren Wunsch nach einer besseren Zukunft, während Aktienkurse durch Strohmänner gezielt beeinflusst werden, um die Klienten zu ruinieren und das Geld in die eigene Tasche fließen zu lassen. Entgegen anderer Unternehmen versauern die Millionen nun jedoch nicht auf die Bank, sie werden – so berichtet Belfort – wieder in den Wirtschaftskreislauf gepumpt. Da gibt man schon einmal 26.000 Dollar für ein geschäftliches Abendessen aus, was in dem Fall eben nicht nur aus Essen, sondern gleichwohl aus Drogen und jeder Menge Prostituierter zu bestehen hat, steuerlich absetzbar selbstverständlich.

Dies alles wirkt zuweilen sehr Überspitzt in seiner Darstellung, doch die offensichtliche Satire ist von Martin Scorsese mehr denn je beabsichtigt. Er versucht die Broker und dessen System vorzuführen, dabei weniger auf die eigentlichen geprellten Anleger zu achten, als alles möglichst überzeichnet aus der Sicht Belforts wiederzugeben. Nicht ganz umsonst wurde „The Wolf of Wall Street“ bei den anstehenden Golden Globes auch für die beste Komödie nominiert, denn obwohl das Thema ganz ohne Frage bitterer Ernst ist, ist es doch der seit langem lustigste Film des Scorsese hervorgebracht hat.

The Wolf of Wall StreetNatürlich haben bei alledem die Darsteller einen nicht geringen Anteil, bei dem vor allem Leonardo DiCaprio erneut ganz groß aufspielen konnte. Bereits am Anfang schnupft er Koks aus dem Hintern einer Prostituierten, wir sehen ihn charmant und elegant, dann wieder als das totale und mit Alkohol und Drogen zugedröhnte Arschloch. DiCaprio kann hier vor allem mit der Vielfalt seiner Figur spielen, mit den unterschiedlichsten Rollen, wodurch er vor allem für die weiblichen Zuschauer nicht nur einige Nacktszenen aufweisen kann, sondern sich gleichwohl sabbernd und auf allen vieren seinem Ferrari nähern darf. Neben DiCaprio sticht vor allem Margot Robbie (Pan Am) als seine zweite Ehefrau Naomi heraus die ihn gleich am ersten Abend verführt, Jonah Hill (Das ist das Ende) als sein bester Kumpel der vor Naomi erst einmal onanieren muss sowie Jon Bernthal (The Walking Dead) als Fitnessfreak in Trainingshosen.

Die mit weitem Abstand unterhaltsamste Nebenrolle konnte aber Rob Reiner (Harry & Sally) für sich verbuchen, der als Jordans Vater mit dem Spitznamen Mad Max blitzschnell zwischen einem ausgeglichenen Rentner und einer wilden Bestie wechseln kann, der sein Opfer so in sekundenschnelle zerreißt.

Mit „The Wolf of Wall Street“ präsentiert Martin Scorsese eine bitterböse Satire die das Finanzgebaren der Broker aufs Korn nimmt. Mit weitem Abstand Scorsese sein lustigster Film, auch wenn gegen Ende durchaus eine entsprechende Selbstreflexion angebracht gewesen wäre, gab es doch auf Seiten der geprellten Anleger unzählige ruinierte Existenzen. Belfort selber versprach übrigens alle Gewinne aus Film & Buch den Opfern zu spenden, zumindest etwas.

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Wir vergeben daher 8 von 10 Filmpunkten.

Copyright: UPI

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Mit Facebook Anmelden um zu Posten!

Anmelden
The Wolf of Wall Street

Länge: 180 min

Kategorie: Biography, Comedy, Crime

Start: 16.01.2014

cinetastic.de Filmwertung: (8/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Gewinnspiele

Gewinne Kinokarten, BluRays, DVDs,
Fan Packages und mehr!

Gleich mitmachen

Info

The Wolf of Wall Street

The Wolf of Wall Street

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 180 min
Kategorie: Biography, Comedy, Crime
Start: 16.01.2014

Bewertung Film: (8/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1