Geschrieben von: Ronny Dombrowski

Machine Gun Preacher

Machine Gun Preacher

In den Krisengebieten dieser Welt sind leider noch immer Bürgerkriege an der Tagesordnung die neben dem Kampf um Rohstoffe vor allem Menschenleben fordern. Eines dieser Krisengebiete befindet sich in Nord-Uganda und dem Süd-Sudan, wo Joseph Kony und seine Lords Restistance Army (LRA) mit eiserner Hand regieren und nicht nur für über 400.000 Todesopfer verantwortlich sind, sondern ebenso für rund 40.000 Kindesentführungen.

Sam Childers (Gerard Butler) ist ein Rocker der alten Schule mit dem man sich am liebsten nicht anlegen mag. Frisch aus dem Gefängnis entlassen zieht es den drogenabhängigen Sam als erstes zu seinem Hells Angels Freund Donnie (Michael Shannon) um erneut an Stoff zu kommen, bevor sich dieser seiner Frau Lynn (Michelle Monaghan) und seiner kleinen Tochter widmen kann. Jähzornig wie er ist findet er nach einem tragischen Vorfall und mit Hilfe seiner Frau Lynn jedoch zu Gott und aus dem räudigen Sünder wird plötzlich ein frommer Familienvater, der nicht nur Donnie von seinem Drogenproblem befreit, sondern sich auch aktiv mit in der Gemeinde einbringt. Als Sam eines Tages für ein Projekt in den Sudan fliegt offenbaren sich ihm jedoch die wahrhaftigen Probleme und auf einmal muss Sam wieder zur Waffe greifen, obwohl er dies doch nicht mehr wollte…

Machine Gun PreacherDer in der Schweiz geborene Regisseur Marc Forster (Schräger als Fiktion) hatte mit “Monster’s Ball” und “Wenn Träume fliegen lernen” enorme Erfolge erzielen können, sodass ihm im Jahre 2008 sogar die Ehre zuteil wurde das letzte James Bond Abenteuer “Ein Quantum Trost” zu verfilmen. Forster allerdings wollte sich schon bald lieber wieder den eher anspruchsvollen Filmen widmen und so stieß er auf die Geschichte des Bikers Sam Childers der zu Gott fand und im Sudan hunderte Kinder vor dem Tod rettete.

Die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte über Sam Childers unterteilt sich in zwei Geschichten, die man leider beide überaus differenziert voneinander betrachten muss. Gerade im ersten Teil des Filmes sehen wir mit Gerard Butler (300) einen Mann der nicht nur weit unter seinen Möglichkeiten spielt, sondern vor allem auch die Defizite des Drehbuches erkennen lässt. Er mimt den harten Rocker der aus dem Knast entlassen wird, sich in der Kneipe besäuft und mit Drogen zu dröhnt und ganz nebenbei seiner Frau befiehlt zurück in ihren alten Job als Stripperin zurückzukehren, während dieser nach nur zehn Minuten nach einem kurzen Zwischenfall plötzlich zu Gott gefunden hat. Diese Wendung ist gerade für den Zuschauer zu keiner Zeit wirklich nachzuvollziehen, sodass dies nicht nur unglaubwürdig wirkt, sondern geradezu lächerlich.

Machine Gun PreacherWeit besser entwickelt sich “Machine Gun Preacher” in der zweiten Hälfte des Filmes, wenn der Fokus auf den Sudan mit Joseph Kony und seiner Lords Restistance Army gelegt wird. Es werden die Massaker in den Dörfern gezeigt, die Kindesentführungen und die Ausbildung dieser zu Kindersoldaten sowie die Machtlosigkeit der westlichen Regierungen, wenn es um das Eingreifen in diesen Bürgerkrieg geht. Hier entfaltet sich auch die Stärke von Hauptdarsteller Gerard Butler, der mit all seiner Erfahrung maßgeblich dazu beiträgt das “Machine Gun Preacher” gerade durch die wirklich gute zweite Hälfte wieder einige seiner Fehler wettmachen kann. Einen nicht unwesentlichen Anteil haben daran auch Michelle Monaghan (Source Code) als Lynn Childers sowie Michael Shannon (Take Shelter) als Biker-Freund Donnie, die sich erst im weiteren Verlauf des Filmes wirklich entwickeln können.

Betrachtet man das Drehbuch von  Jason Keller (Spieglein Spieglein – Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen) und seine absolut verkorkste erste Hälfte so muss man ihm insbesondere für die detailgetreue Wiedergabe der aktuellen Ereignisse in Nord-Uganda und dem Süd-Sudan Komplimente aussprechen, denn Ereignisse wie diese kennt man bisher bestenfalls aus den Nachrichten, wo diese einen nie wirklich berühren konnten. In “Machine Gun Preacher” gibt er all diesen Menschen plötzlich ein Gesicht, lässt einen teilhaben an den schrecklichen Massakern und zeigt einmal mehr, dass ein jeder helfen kann, in welcher Form auch immer.

Machine Gun PreacherAb dem 24. August 2012 kommt “Machine Gun Preacher” im Verleih von Universum Film als Blu-ray und DVD in den deutschen Handel. Das Bild der Blu-ray ist mit 1080/24p wie immer gestochen scharf und reich an Farben, während der Ton in DTS-HD 5.1 (DVD in Dolby Digital 5.1) in Deutsch sowie in Englisch bestens auf die Boxen abgestimmt ist. Wie immer waren wir besonders gespannt auf die Extras der Blu-ray, welche uns weitere Einblicke auf den Film und die Produktion gewähren lassen würden. Neben dem Musikvideo “The Keeper” bekommen wir eine vier minütige B-Roll mit unkommentierten Szenen vom Dreh, dreizehn Minuten “Make the Music” bei der auf die Entwicklung der Musikentstehung des Filmes eingegangen wird sowie ein überaus interessantes Interview mit Regisseur Marc Forster, dass eine Länge von fast 18 Minuten hat.

Über “Machine Gun Preacher” kann und wird man überaus geteilter Meinung sein. Während gerade die ersten 30 Minuten absolut unglaubwürdig sind und auch vom Drehbuch nur wenig hergeben, ist insbesondere die zweite Hälfte des Filmes überaus emotional geworden bei der die Darsteller glänzen.

Start: 24.08.2012

Copyright: Universum Film

Kategorie: Action, Biography, Crime

Länge: 129 min

Bewertung Film: (6/10)

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