
In der Generation Web 2.0 gibt es immer wieder die unglaublichsten Geschichten die sich via Facebook, Twitter oder YouTube verbreiten. Eine dieser Geschichten war ein am Anfang des Jahres 2010 aufgenommener Clip in welchem ein älterer Herr mit grauem Vollbart einen vorlauten Afroamerikaner so sehr in einem vollen Bus verprügelte, dass das Video innerhalb kürzester Zeit auf fast 6 Mio. Klicks auf YouTube kam. Dieses Video nahm schließlich auch Regisseur und Drehbuchautor Craig Moss als Vorlage, als er den Rachethriller “Bad Ass” mit Danny Trejo in der Hauptrolle schrieb.
Frisch aus dem Vietnamkrieg heimgekehrt muss Frank Vega (Danny Trejo) feststellen das die Gesellschaft für einen Kriegshelden ohne Ausbildung keinen Platz übrig hat und so verwahrlost Frank die nächsten 40 Jahre immer mehr, während er sich mit dem Verkauf von Würstchen über Wasser hält. Eines Tages fährt Frank mit dem Linienbus zur Arbeit als zwei halbstarke Skinheads einen noch viel älteren Mann belästigen, woraufhin Frank beide kurzerhand mit der bloßen Faust auf die Bretter schickt. Der Busfahrer hat diesen Kampf auf Video aufgenommen und so entwickelt sich Frank schon binnen kürzester Zeit zur Berühmtheit und wird von der Presse auf den Namen “Bad Ass” getauft. Als eines Tages Franks bester Freund Klondike (Harrison Page) wegen eines mysteriösen USB-Sticks ermordet wird und die Polizei keine Ergebnisse liefert, nimmt Frank das Gesetz in die eigene Hand…
Dem noch jungen Regisseur und Drehbuchautor Craig Moss kann man nicht gerade nachsagen das er mit Talent gesegnet sei, wurden seine ersten beiden Filme “The 41-Year-Old Virgin Who Knocked Up Sarah Marshall and Felt Superbad About It” sowie der Twilight Verriss “Breaking Wind” von Zuschauern und Kritikern gleichermaßen zerrissen. Was also verspricht uns sein neustes und drittes Regiewerk “Bad Ass”, dass ebenso wie seine Vorgänger als Direct-to-DVD Veröffentlichung seinen Weg direkt in die Händlerregale unseres Vertrauens fand? Entgegen der beiden genannten Filme kann Moss in diesem Fall auf einen überaus bekannten und durchschlagenden Hauptdarsteller namens Danny “The Machete” Trejo bauen, der einmal mehr durch seine ganze Präsenz den Film zu tragen vermag.
Die Rachegeschichte von Craig Moss ist überaus einfach gestrickt, muss er doch im Grunde nur seinem Hauptdarsteller Danny Trejo ein grobes Drehbuch an die Hand geben und der Rest erledigt sich fast wie von selbst. Herausgekommen ist dabei ein Film der spielend leicht zwischen den Genres hin und her springt und dabei oftmals gar nicht weiß was er eigentlich zu sein vermag. Am deutlichsten ist dies an der Figur von Frank selber zu erklären, der zum einen am Anfang für sein Land einsteht und danach den Beruf des Polizisten versucht zu erlernen, während er nur wenig später sich seinen Weg mit den eigenen Fäusten zu bahnen versucht.
Ähnlich unvollkommen erscheint aber auch das ganze Gerüst rund um Frank aufgebaut worden zu sein, dass am ehesten als ein Mix der verschiedensten Filme zu bezeichnen ist. Da läuft Frank durch die Gegend und findet spielend einfach Indizien am Straßenrand welche die Polizei übersehen haben soll, der Waffenhändler ließt die Patronenhülse wie das Tagebuch seiner Frau und ein jeder auf den Frank trifft hat auch schon den nächsten Lösungsweg für diesen parat. Dadurch wird “Bad Ass” ein Großteil der eigenen Spannung beraubt, hat man doch über weite Teile des Filmes das Gefühl, dass ihm wie von Zauberhand die Lösungen auf der Suche nach dem Mörder seines Freundes nur so zu fliegen.
Neben der eigentlichen Action die wie bei allen Trejo Filmen überaus solide dargeboten wurde überzeugen in “Bad Ass” jedoch hauptsächlich einige Witze, die das gesehene in regelmäßigen Abständen auflockern können. Da haben wir mit einem USB Stick einen Running Gag der wie am Fließband wiederverwendet wird, einen kurzen Ausflug in die Welt von Facebook bei der Frank trotz alter Klamotten jede Menge neuer Freundschaftsanfragen erhält und natürlich die völlig überzogene und mit Klischees vollgepackte Liebesgeschichte, die unglaubwürdiger kaum konzipiert sein könnte.
Trotz allem überzeugt in dieser hanebüchenen Geschichte einmal mehr Hauptdarsteller Denny Trejo, der sich auf seine alten Tage noch immer überzeugend mit seinen Fäusten zur Wehr setzen kann. Ob dieser nun im Bus zwei Skinheads zusammenschlägt, auf dem Basketballplatz eine halbe Gruppe an frechen Jugendlichen dezimiert oder aber einen Drogenverkäufer kopfüber aus dem Fenster hängen lässt, es passt gerade durch sein ausdrucksvolles Spiel fast immer alles zusammen, sodass dieser selbst diesen recht ungewöhnlichen Genre-Mix aus Action und Komödie glaubhaft vertritt.
Ab dem 16. August 2012 erscheint Craig Moss “Bad Ass” im Verleih von Universal Pictures Germany auf Blu-ray und DVD im deutschen Handel und ist einmal mehr eine Empfehlung an alle Fans von Danny Trejo die einen Film zum Überbrücken der langen Wartezeit bis “Machete Kills” benötigen. Das Bild der Blu-ray ist mit 1080/24p wie immer gestochen scharf, während der Ton in Deutsch und Englisch in DTS-HD 5.1 (DVD in Dolby Digital 5.1) wirklich gut auf die Boxen abgestimmt ist. Wie immer haben wir uns besonders auf die Extras der Blu-ray gefreut – die diesmal identisch mit der DVD sind – bei der wir weitere Einblicke in den Film und dessen Produktion erhalten. Als einziges Extra liegt dem Medium diesmal allerdings nur ein Audiokommentar von Regisseur Craig Moss bei, durch den wir zwar einiges interessantes erfahren, der dennoch aber das fast schon obligatorische Making Of vermissen lässt.
Craig Moss “Bad Ass” ist mit seiner Mischung aus Komödie und Action ein wirklich guter B-Movie der gerade durch seinen Hauptdarsteller Denny Trejo zu überzeugen weiß. Während einige mit Sicherheit die oftmals unglaubwürdige Geschichte negativ anmerken werden, dürfte diese insbesondere für Trejo Fans kaum ins Gewicht fallen.
