
Über die heilende Wirkung von Musik wurde schon oft in den unterschiedlichsten Fachzeitschriften berichtet, wenn anhand von Fallbeispielen jene Therapiemöglichkeiten dargelegt wurden, bei denen man in Lethargie verfallenen Personen mit dem gezielten Einsatz von Musik wieder Leben einhauchen konnte. Ähnlich verhält es sich auch mit dem neusten Werk von Regisseur Jim Kohlberg, wenn er eine Geschichte von einem an Amnesie leidenden jungen Mann erzählt, der sich einzig mit gezielter Musiktherapie wieder an Dinge seiner Vergangenheit erinnern kann.
Im Jahre 1986 bekommt das Ehepaar Sawyer – bestehend aus Henry (J.K. Simmons) und Helen Sawyer (Cara Seymour) – den lang ersehnten Anruf über den Verbleib ihres Sohnes Gabriel (Lou Taylor Pucci), von dem sie bereits seit über 20 Jahren kein Wort mehr gehört haben. Doch anstatt über diese Nachricht in Freude auszubrechen, müssen beide sofort in das nächst gelegene Krankenhaus, denn Gabriel leidet an einem Gehirntumor und muss sofort operiert werden. Da bei dieser Operation ein beachtlicher Teil von Gabriels Gehirn entfernt werden musste, kann dieser sich fortan weder an vergangene Ereignisse erinnern, noch eine normale Konversation führen. Erst die Therapeutin Dianne (Julia Ormond) soll bei Gabriel den Durchbruch schaffen, indem sie erfolgreich Musik der 60er und 70er Jahre für die Therapie nutzt…
Der bekannte Neurologe Dr. Oliver Sacks ist nicht nur eine Chorefäe im Bereich der Medizin, sondern außerdem ein überaus erfolgreicher Autor von Büchern wie “Zeit des Erwachens”, dass 1990 mit Robert De Niro und Robin Williams in den Hauptrollen verfilmt wurde. Ein weiteres wirklich lesenswertes Buch ist die 1995 veröffentlichte Sammlung an Kurzgeschichten namens “An Anthrpologist on Mars”, dass insbesondere den Produzenten Jim Kohlberg (Trumbo) sofort faszinierte. Trotz dieser Faszination sollte es ganze 13 Jahre dauern bis die Drehbuchautoren Gwyn Lurie (Voices from the Attic) und Gary Marks (Room Service) diese Geschichte für die Leinwand adaptierten und so Sacks Geschichte mit der wunderbaren Musik der 60er und 70er Jahre vermischten.
Im Zentrum von Kohlbergs “The Music Never Stopped” stehen mit Gabriel und Henry zwei Personen die sich nicht unähnlicher hätten sein können, obwohl diese zu Gabriels Jugend nicht nur dieselben Interessen, sondern auch den gleichen Musikgeschmack hatten. Während Henry jedoch geprägt war von seiner Musik aus den 50er Jahren, wandte sich sein Sohn Gabriel schon bald der Musik der späten 60er Jahre zu, die nicht nur überaus politisch geprägt, sondern vor allem in der oft von Eltern ungern gesehenen Hippie-Zeit angesiedelt war. Durch einen späteren Konflikt der in erster Linie durch den heraufziehenden Vietnamkrieg ausgelöst wurde, trennten sich beide schließlich für ganze 20 Jahre, in denen die Familie von einander nicht ein Wort hörte.
Nach all dieser Zeit rumort es in Henry jedoch noch immer und erst der Verlust seines Jobs soll ihn dazu bringen sich nicht nur um den auf Hilfe angewiesen Gabriel zu kümmern, sondern auch seine Seite zu verstehen. Plötzlich philosophieren beide durch die von Dr. Daly ausgelöste Musiktherapie über Texte zu den Grateful Dead, den Rolling Stones und anderen großen Künstlern dieser Zeit, während Henry nicht nur seine eigenen in der Vergangenheit getätigten Fehler beginnt zu verstehen, sondern auch jene Zeit versucht nachzuholen, die er bei seinem Sohn über 20 Jahre hat liegen lassen.
Getragen wird “The Music Never Stopped” in erster Linie von Lou Taylor Pucci (Beginners) – der Gabriel Anfang 20 sowie in den 30er Jahren spielt – sowie von J.K. Simmons (Juno), der hier wohl die Rolle seines Lebens auf die Leinwand bringt. Wunderbar gespielt kann dieser nicht nur den Vater-Sohn Konflikt hervorragend transportieren, sondern ebenso jene Wandlung die ihn langsam aber sicher Aufnahmefähig für jene Ereignisse macht, die seinen Sohn Gabriel in dessen Jugend beschäftigte.
Neben diesen beiden wirklich sehenswerten Rollen und der Geschichte die gerade gegen Ende bei dem einen oder anderen mehr als nur eine Träne auslösen wird, steht aber die wirklich gute Musik im Vordergrund von “The Music Never Stopped”, bei der einige der größten Hits der 60er und 70er Jahre in einem wirklich guten Soundtrack zusammengefasst wurden. Von zahlreichen Stücken der Greatful Dead über Bob Dylan, Die Beatles, Die Rolling Stones, Buffallo Springfield und Crosby, Stills & Nash ist so gut wie alles vertreten, was das Musikerherz erstrahlen lässt.
Ab dem 03.08.2012 ist “The Music Never Stopped” im Verleih von Senator Home Entertainment im Handel auf Blu-ray und DVD erhältlich und überzeugt hierbei neben dem guten Bild in 1080/24p vor allem mit dem gut abgemischten Ton in DTS-HD 5.1 (DVD in Dolby Digital 5.1), der neben der deutschen und englischen Tonspur zusätzlich noch einen optionalen Audiokommentar von Regisseur Jim Kohlberg enthält. Neben den Informationen aus besagten Audiokommentar waren wir natürlich gespannt darauf, was die Blu-ray für uns noch bereit hält und wir wurden nicht enttäuscht. Neben fast zehn Minuten deleted Scenes konnten hier vor allem die Interviews mit Lou Taylor Pucci, J.K. Simmons und Dr. Oliver Sacks überzeugen, die in 20 Minuten auf die ihnen gestellten Fragen antworten und so weitere Einblicke in den Film gewährleisten.
Jim Kohlbergs Adaption der Kurzgeschichte “The last Hippie” kann ohne Zweifel als gelungen angesehen werden, kann dieser neben der Geschichte doch in erster Linie mit zwei hervorragenden Hauptdarstellern sowie einer gelungenen Auswahl an Musikstücken der 60er und 70er Jahre überzeugen.
