Geschrieben von: Ronny Dombrowski

The Hunter

The Hunter

Das letzte Exemplar des tasmanischen Tigers starb im Jahre 1936 in der Gefangenschaft eines australischen Zoos, seitdem ringen sich die Gerüchte um diese ausgestorbene Rasse. Vom Aussehen her einem Wolf mit Streifen ähnelnd kommen immer wieder Gerüchte in den Medien auf, die von Menschen erzählen die ein solches Exemplar auf dem australischen Kontinent haben sehen wollen, doch eindeutige Beweise bleiben selbst in der heutigen modernen Gesellschaft noch immer aus. In “The Hunter” widmet sich Regisseur Daniel Nettheim (Last Man Standing) dem Mythos des tasmanischen Tigers und schickt den Oscar-nominierten Willem Dafoe  in die tasmanischen Wälder um Jagd auf das womöglich letzte Exemplar zu veranstalten.

Der Söldner Martin David (Willem Dafoe) ist eigentlich auf das Jagen von Menschen spezialisiert und dennoch nimmt er den lukrativen Auftrag eines Biotech-Konzerns an, tief in den tasmanischen Wäldern sich auf die Suche nach dem womöglich letzten Exemplar des tasmanischen Tigers zu begeben. Martin soll das Tier jagen, eliminieren, Genproben und Knochenmaterial sicherstellen und danach alle Beweise vernichten. Vor Ort bezieht Martin eine Unterkunft bei der verwitweten Lucy Armstrong (Frances O’Connor) und ihren zwei Kindern Sass (Morgana Davies) und Bike (Finn Woodlock), deren Vater als Umweltschützer bereits vor einem Jahr in den tasmanischen Wäldern als vermisst gemeldet wurde. In kurzen zwölftätigen Ausflügen verschlägt es Martin nun immer wieder in die Wälder, wo er schon bald auf die ersten Spuren trifft…

The HunterBasierend auf dem gleichnamigen Roman von Julia Leigh (Sleeping Beauty) versuchen die Drehbuchautoren Alice Addison (The Silence) und Wain Fimeri (Charles Bean’s Great War) diesen für die große Leinwand zu adaptieren, wobei hierbei weniger der für die Zuschauer prophezeite Action-Thriller im Vordergrund steht, als vielmehr eine wunderbare One-Man-Show  von Willem Dafoe (Der englische Patient), der sich erneut in einer wirklich starken Rolle selber übertrifft. Ursprünglich in Cannes 2011 uraufgeführt schafft es “The Hunter” in Deutschland nur zu einer Direct-to-DVD Veröffentlichung was oftmals ein überaus schlechtes Zeichen ist, wobei man bei “The Hunter” hier auf jeden Fall Entwarnung geben kann.

Im Mittelpunkt von “The Hunter” steht einzig und allein Martin David, der sich als alternder Söldner auf die Suche nach dem tasmanischen Tiger tief in die tasmanischen Wälder begibt, die zum Großteil noch immer unerforschtes Gebiet bedeuten. Wir beobachten ihn beim Fallenstellen, beim Lesen von Fährten und bei der Sondierung von Spuren bis hin zu einer verheißungsvollen Höhle, in der er das gesuchte Tier letztendlich auch gedenkt zu finden. So wie Martin früher die Spuren von gesuchten Menschen hat lesen können, so liest er in dieser verlassenen Gegend nicht nur die Spuren des tasmanischen Tigers, sondern auch jene der umliegenden Bevölkerung, die auf Umweltschützer alles andere als gut zu sprechen sind.

The HunterHieraus ergeben sich für “The Hunter” einige lukrative Sub-Plots, die sich zum einen um die Umweltschützer und deren Gegner die Holzfäller drehen, das doppelte Spiel von Jack Mindy (Sam Neill) sowie die Geschichte rund um die Familie Armstrong. Gerade letzterer Teil wird durch Daniel Nettheim überaus stark in den Fokus gerückt, wodurch in erster Linie all jene enttäuscht sein werden, die von “The Hunter” ein wenig mehr aus dem Genre des Thrillers erwartet hätten. Vielmehr entpuppt sich “The Hunter” als gerissene Charakterstudie eines Mannes der anfangs völlig abgehärtet gegenüber seiner Umwelt ist und sich nach und nach nicht nur öffnet, sondern ebenso die Vaterrolle in besagter Familie Armstrong versucht einzunehmen. Er kümmert sich um die letharge Lucy, repariert den Stromgenerator und die Musikboxen auf dem Baum und badet schließlich auch mit den Kindern, was diesem gerade am Anfang überaus unangenehm aufzustoßen vermag.

Getragen wird “The Hunter” einzig und allein von Willem Dafoe, der ähnlich wie auch schon in “Der blutige Pfad Gottes” mit seiner exzentrischen Mine überzeugen kann. Penibel genau steigert er sich in die Rolle des Jägers hinein, spielt überzeugend die leichte Wandlung gegen Ende des Filmes und trägt so ausschlaggebend für den Erfolg des Filmes bei. Während Dafoe sich also überaus positiv in den Vordergrund spielen kann, bleiben jedoch alle anderen Darsteller überaus blass und unscheinbar hinter ihren Erwartungen zurück. Egal ob dies Callan Mulvey (Heartbreak High) als Profikiller ist, Sam Neill (Das Piano) als Freund der Familie oder gar Frances O’Connor (Timeline – Bald wirst du Geschichte sein) als sorgende Mutter zweier Kinder, Dafoe stellt sie alle in seinen Schatten.

The HunterSo interessant sich diese Mischung aus Charakterstudie und Thriller gestaltet, so enttäuschend ist hierbei jedoch das Ende des Filmes geworden, bei dem nicht nur der tasmanische Tiger als schlechte CGI Animation (verständlich durch das überaus geringe Budget) in den Film eingefügt wurde, sondern ebenso ein überaus kitschiges Finale, dass sich auf keinen Fall in die Grundstruktur des Filmes einzureihen vermag.

Ab dem 24.07.2012 erscheint Daniel Nettheim’s Adaption von “The Hunter” im Verleih von Ascot Elite Home Entertainment auf Blu-ray und DVD und ist gerade hinsichtlich der Direct-to-DVD Veröffentlichung eine wirklich positive Überraschung. Neben dem wirklich guten Bild in 1080/24p sticht diesmal insbesondere der überaus klare Ton in DTS-HD 5.1 (DVD in Dolby Digital 5.1) in Deutsch und Englisch hervor, der wirklich gut abgestimmt ist. Wie immer haben wir uns auf die zahlreichen Extras der Blu-ray gefreut, durch die man oftmals direkten Einblick auf die Produktion bekommt. Neben dem Trailer ist leider das Einzige Extra ein etwa 31 minütiges “Making Of”, welches weitere Einblicke zur Geschichte und zum Dreh gestattet und einen kurzen Überblick zum Mythos des tasmanischen Tigers gibt.

Daniel Nettheim ist mit “The Hunter” ein wirklich beeindruckendes Spielfilm-Debüt abseits seiner Fernsehproduktionen gelungen. Obwohl gerade Thriller interessierte durch den Trailer womöglich enttäuscht werden könnten, liefert Willem Dafoe eine überaus gelungene One-Man-Show ab, in der er die tasmanischen Wälder erkundet.

Start: 24.07.2012

Copyright: Ascot Elite Home Entertainment

Kategorie: Adventure, Drama

Länge: 102 min

Bewertung Film: (7/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Bewertung Extras: (5/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1