
Wer hat nicht schon einmal davon geträumt durch eine glückliche Fügung im Lotto oder einer größeren Erbschaft dem eigenen tristen Leben zu entfliehen und irgendwo anders noch einmal komplett neu von vorn zu beginnen. Ganz ähnlich ergeht es auch der jungen Meike, die in Elmar Fischers (Fremder Freund) neustem Film “Offroad” ganze 50 Kilo Kokain findet und sich damit ein neues Leben erhofft.
Meike Pelzer (Nora Tschirner) ist eine ganz normale junge Frau in der Kleinstadt Geilenkirchen, die nicht nur demnächst die Firma für Grasfangbehälter ihres Vaters übernehmen wird, sondern mit Philip (Maximilian von Pufendorf) auch noch einen überaus langweiligen Verlobten an der Seite hat. Eines Tages ersteigert Meike bei einer Auktion des Zollamts einen alten Jeep, den ihr zwei seltsame Gestalten auch sofort wieder abkaufen wollen, doch Meike lehnt ab. Vielmehr träumt sie davon mit dem Jeep die Sahara zu durchqueren, wilde Abenteuer zu erleben und endlich dem Leben zu entfliehen, dass ihr von ihren Eltern aufgedrängt wurde. Als Meike plötzlich ihren Verlobten mit ihrer besten Freundin erwischt soll sich diese Gelegenheit ergeben und Meike macht sich auf nach Berlin, um dort ganze 50 Kilo Kokain unters Volk zu bringen das sie im Auto fand. An ihrer Seite ist dabei stets der deutsch-türke Salim (Elyas M’Barek) und zwei überaus merkwürdige Typen denen die Drogen eigentlich gehören…
Neben diversen Fernsehproduktionen wie “Tatort” oder “Der Kriminalist” kann Elmar Fischer nicht gerade auf ein breites Spektrum an Leinwanderfahrung zurückgreifen, hat dieser bisher doch lediglich mit seinem Debütfilm “Fremder Freund” brillieren können, der jedoch auch bereits zehn Jahre zurück liegt. Grund genug für Fischer also es noch einmal zu versuchen, wobei er zusammen mit der Drehbuchautorin Susanne Hertel (Die Garten der Villa Sabrini) weniger auf innovatives Neues setzt, als vielmehr auf alt bekanntes, dass wir in den letzten Jahren aus zahlreichen anderen deutschen Produktionen bereits zur Genüge gesehen haben.
“Offroad” sieht sich selbst irgendwo zwischen Roadmovie und einer dieser fast typischen Romantic Comedys, die im Grunde immer wieder nach demselben Schema ablaufen. An dieses Schema halten sich auch Fischer und Hertel überaus lange fest, wenn sie gleich nach den einleitenden Worten Nora Tschirners aus dem Off jenen Jeep im Mittelpunkt des Filmes platzieren, der mit seinen 50kg Drogen für die restlichen fast 100 Minuten Dreh und Angelpunkt der Geschichte sein soll. Das Problem an “Offroad” ist dabei jedoch weniger die fast schon bekannte Geschichte die mit ihren Wendungen kaum zu überraschen weiß, sondern vielmehr jener Witz, der im Grunde einfach nicht vorhanden ist. Es gibt ein paar Stellen über die man unweigerlich schmunzeln kann oder gar schmunzeln muss und dennoch fehlt dieses Gewisse etwas, um gerade Nora Tschirner in der Hauptrolle überzeugen zu lassen.
Wenn schon nicht der Witz in der eigentlich als witzig verkauften Komödie stimmt, so sind dies dann dennoch die einzelnen Figuren, die entgegen anderweitiger stereotypischer Figurenzeichnung diesmal sogar einen gewissen gesellschaftskritischen Hintergrund verpasst bekommen haben. Hierbei werden nicht nur die üblichen Klischees des deutsch-türken Salim in den Vordergrund gestellt, sondern ebenfalls darauf verwiesen, womit sich seine Schwester u.a. das Studium finanziert und welche Probleme es in ihrer Familie gibt, wenn sie einen anderen – gar eigenen- Weg beschreiten möchte, der ihr weiteres Leben zeichnet.
Mit Elyas M’Barek (Türkisch für Anfänger) als Salim und Maximilian von Pufendorf (Waffenstillstand) als Philip haben wir gleich zwei Verehrer die nicht unterschiedlicher sein könnten. Während M’Barek mit den fast schon typischen Vorurteilen des schmierigen Türken behaftet ist, spielt von Pufendorf eher jenen Anwalt, der stets mit knitterfreien Anzug und gelegtem Seitenscheitel zur Stelle ist, um Meike von jeder noch so kleinen Gefahr fern zu halten, die ihr Leben negativ beeinflussen könnte. Neben diesen beiden durchaus überzeugenden Darbietungen enttäuscht diesmal jedoch vielmehr Nora Tschirner (What a Man) selber in ihrer Hauptrolle, die sich zwar wie immer überaus vorlaut und frech gegenüber allem behaupten kann, ihrer Performance selber jedoch keinerlei neues hinzufügt. Viele Szenen von Tschirner wirken dahingehend überaus austausch- und berechenbar, sodass diese genauso gut aus “Keinohrhasen” wie auch aus “Vorstadtkrokodile” stammen könnten.
Das Größte Problem an “Offroad” ist jedoch die Geschichte selber, die zwar wie schon erwähnt nach dem üblichen Schema F aufgebaut ist und dabei dennoch den roten Faden vermissen lässt, um den sich alles dreht. Vielmehr bekommen wir einen relativ belanglosen Zusammenschnitt von Verfolgungsjagden, dem romantischen Aufeinandertreffen zweier Personen, drei in sich zerstrittenen Drogenhändlern einer Werbeagentur und zwei Männern zwischen die sich Meike nicht entscheiden kann, sodass sich dies alles äußerst wirr zusammengeschnitten anfühlt. Hierbei hätte man sich vielmehr ein zentrales Thema gewünscht um das sich alles dreht, als diesen Genre Mix der unterschiedlichsten (bekannten) Filme, die allein zu überzeugen wissen und dennoch zusammen einfach nicht funktionieren wollen.
Ab dem 02.08.2012 erscheint “Offroad” im Verleih von Paramount Home Entertainment auf Blu-ray und DVD. Neben dem gelungenen Bild in 1080/24p überzeugt diesmal einmal mehr der wirklich gut abgestimmte Ton in DTS-HD 5.1 (DVD in Dolby Digital 5.1) sowie die dem Medium beiliegenden Extras, die uns erweiterte Einblicke in den Film und die Produktion von “Offroad” gestatten. Neben 17 Minuten unkommentiertem “Making Of” bekommen wir das entsprechende Musikvideo von Culcha Candela, den offiziellen Trailer der Premiere und gleich 6 Featurettes von insgesamt 17 Minuten, bei denen wir erweiterte Einblicke zur Story, den Charakteren und diversen Action-Sequenzen erhalten.
“Offroad” ist eine dieser fast schon typischen deutschen Komödien wie wir sie die letzten Jahre vermehrt zu sehen bekommen haben. Während die Geschichte einfach nicht zünden will, sehen wir Nora Tschirner in einer ihrer üblichen Rollen. Hier hätte man sich von Elmar Fischer ein wenig mehr Mut gewünscht, um mit den bekannten Sehgewohnheiten einmal zu brechen.
