
Von Taugenichtsen und hoffnungslosen Muttersöhnchen die allein im Haus der Eltern vor sich hin leben haben wir in den letzten Jahren bereits allerhand haben sehen können, was also soll uns hier im Bereich der Komödie noch überraschen können? Genau dies haben sich auch die Brüder Jay (The Puffy Chair) und Mark Duplass (Humpday) gefragt, die nach ihrer Komödie “Cyrus” aus dem Jahre 2010 darauf genau die richtige Antwort parat haben.
Der arbeitslose Jeff (Jason Segel) ist alles andere als ein Durchstarter, denn wenn andere mit Anfang 30 bereits in ihrem Traumjob angekommen sind, vegetiert dieser noch immer kiffend im Keller seiner Mutter vor sich hin. Wie auch schon in seinem Lieblingsfilm “Signs – Zeichen” wartet Jeff nur auf das richtige Zeichen das ihn aus seiner Lethargie erwachen lässt, welches schließlich mit einem Anruf kommen soll, der einfach nur einen gewissen Kevin zu sprechen wünscht. Fortan ist Jeff auf der Suche nach Kevin, während dieser schon bald auf seinen älteren Bruder Pat (Ed Helms) trifft, der sich nicht nur einen Porsche vom nicht vorhandenen Geld leisten musste, sondern dessen Ehe sich auch gerade auf einem abbrechenden Ast befindet. Ganz anders ergeht es deren beider Mutter Sharon (Susan Sarandon), die nach Jahren eines unbefriedigenden Jobs endlich einen geheimen Verehrer zu finden geglaubt hat…
Nachdem die Brüder Jay und Mark Duplass im Jahre 2010 mit ihrer lockeren Komödie “Cyrus” von der Beziehung zwischen Mutter und Sohn berichtet haben, greifen sie diese Thematik in “Jeff, der noch zu Hause lebt” im Ansatz wieder auf, wenn sie diesmal von zwei völlig verschiedenen Brüdern und deren Hoffnungsloser Mutter erzählen. Während im Mittelpunkt der Geschichte diesmal der “How I Met Your Mother” Star Jason Segel (Ich – Einfach unverbesserlich) steht, sind insbesondere die beiden eingeflochtenen Nebenplots nicht zu verachten, die sich gegen Ende zu einem wirklich bemerkenswerten Finale vereinen.
Wenn in vergleichbaren Filmen wie “Bad Sitter” der Humor oft unter der Gürtellinie angesiedelt ist und oftmals auf Kosten der eigenen Darsteller etabliert wird, sind die Witze in “Jeff, der noch zu Hause lebt” eher von seichterer Natur die den Zuschauer regelmäßig zum Schmunzeln, nie aber zum laut los Lachen bringen. Ist dies aber wirklich schlimm? Humor ist so vielseitig wie unser aller Filmgeschmack und so wird auch genau dieser eher intelligente Humor der oftmals in reiner Situationskomik endet sein Publikum finden, auch wenn es das wohl eher erwachsene sein wird. Egal ob wir Jeff und Pat dabei beobachten können wie sie von einer üblen Situation in die nächste bei der Aufklärung von Pats Ehe schlittern, der allseits präsente Jeff ist nie um eine Ausrede verlegen. Die wohl aber witzigste Stelle bekommen wir gleich am Anfang geboten, wenn Jeff seinem “Zeichen” folgt und mit Kevin jene Person zu finden geglaubt hat, die sein Leben fortan in die richtigen Bahnen lenken könnte.
Durch den Humor der fast vollständig auf Situationskomik basiert bleiben unsere drei Protagonisten stets unangetastet wodurch diese eine eigenartige Beziehung zueinander entwickeln, die insbesondere aus unseren beiden Anti-Helden Pat und Jeff bald das Team macht, dass sie als Brüder ihr ganzes Leben eigentlich schon hätten sein sollen. Beide versuchen die Ehe von Pat zu retten, werden durch den einen oder anderen Unfall fester zusammen geschweißt und wenn dann schlussendlich auch noch ihre Mutter mit dem neuen “Freund” auftaucht, soll einem abschließenden Finale nichts mehr im Wege stehen das nun endgültig beweist, dass ein jeder eventuell nur das richtige Zeichen abwarten muss, bevor das Universum mit seiner schier unendlichen Kraft ihn in die ihn vorbestimmten Bahnen lenkt.
Von Seiten der Darsteller merkt man auch diesmal wieder die feine Auswahl der Brüder Jay und Mark Duplass, die auch schon in “Cyrus” ihr Händchen für einen wirklich gelungenen Cast haben darlegen können. Hauptdarsteller Jason Segel konnte zuletzt mit Komödien wie “Die Muppets” sein Comedy Talent endgültig unter Beweis stellen und auch wenn Jason diesmal nicht anfängt zu singen, so ist seine Rolle doch stets mit seiner ruhigen Art über alles erhaben. Ähnlich verhält es sich auch mit Susan Sarandon (Dead Man Walking – Sein letzter Gang) in ihrer nicht minder gelungenen Nebenrolle, wenn diese nicht nur die Hoffnung auf ein neues Leben in trauter Zweisamkeit perfekt auf den Zuschauer transportiert, sondern einen der wohl romantischten Filmküsse diesen Jahres unter den fallenden Regentropfen einer Sprinkleranlage des Feuermelders zelebriert. Verglichen mit diesen beiden Figuren wirkt die Rolle von Ed Helms (Hangover) gerade am Anfang um einiges überzeichnet, doch wenn man gerade die beiden Brüder als Anti-Helden versucht darzustellen, muss auch dies in einem gewissen Rahmen gestattet sein.
Mit “Jeff, der noch zu Hause lebt” gelingt den Brüdern Jay und Mark Duplass eine weitere überaus interessante Komödie die mit ihrem seichten Humor eine Geschichte über den Ernst des Lebens und deren unerwartete Wendungen erzählt. Besonders hervorzuheben ist hier der seichte Indie-Soundtrack von Michael Andrews, der stark an Filme wie “Garden State” erinnert.
Website zum Film: http://www.jeffdernochzuhauselebt.de
