Geschrieben von: Ronny Dombrowski

Extrem laut und unglaublich nah

Extrem laut und unglaublich nah

Am 11. September 2001 starben beim Anschlag auf das World Trade Center ganze 2.983 Menschen, unter ihnen allein 343 Feuerwehr-Männer. Die Aufarbeitung besagter Ereignisse haben in den letzten 10 Jahren die verschiedensten Regisseure versucht in Bildern zu fassen, was teilweise nicht nur überaus emotional vonstatten ging, sondern oftmals auch den Angehörigen der Opfer half diese Ereignisse zu verarbeiten. Regisseur Stephen Daldry zeigt nun diese Ereignisse mit den Augen des elfjährigen Oskars und erschafft dabei einen Film der nicht nur thematisch für sich allein stehen kann, sondern ebenso einen gar einmaligen Hauptdarsteller zu Tage fördert.

Der elfjährige New Yorker Junge Oskar Schell ist etwas ganz besonderes. Besonders deshalb, weil er in seiner ganz eigenen Welt lebend die unterschiedlichsten Phasen eines Autisten durchmachen muss, was direkt allerdings nie bewiesen werden konnte. Oskars Vater Thomas (Tom Hanks) weiß um die Umstände seines Sohnes und kümmert sich liebevoll um diesen, versucht er ihn doch immer wieder mit kleinen Spielereien und Entdeckungsreisen auf die Welt dort draußen vorzubereiten. Dies endet jedoch am 11. September 2001 abrupt, als Thomas beim Anschlag auf das World Trade Center ums Leben kommt. Ein Jahr später entdeckt Oskar in den Hinterlassenschaften seines Vaters einen Schlüssel, einzig und allein mit dem Hinweis “Black” darauf versehen. Oskar ist nun mehr denn je der Meinung, dass dieser Schlüssel ein letztes Rätsel seines Vaters ist, dass dieser unbedingt zu lösen hat. Mit Hilfe von Telefonbüchern beschließt er in allen fünf New Yorker Bezirken ganze 472 Personen namens Black aufzusuchen, um diese nach seinem Vater zu befragen…

Extrem laut und unglaublich nahRomanautor Jonathan Safran Foer konnte bereits mit seinem Debüt “Alles ist erleuchtet” Kritiker und Leser gleichermaßen überzeugen sodass es nur eine Frage der Zeit war, bis sein zweites Buch “Extremely Loud & Incredibly Close” den Sprung auf die Leinwand schaffen würde. Im Roman konzentriert er sich einzig und allein auf die im Mittelpunkt stehende Person eines elfjährigen Jungen, der nicht nur auf eigene Faust beginnt New York ein Jahr nach dem 11. September zu erforschen, sondern ebenso als Ich-Erzähler agiert. Diese Form der Erzählung ist immer überaus schwer auf die Leinwand zu bringen und so schmückt Regisseur Stephen Daldry (Der Vorleser) diese Geschichte nicht nur ein wenig aus, sondern setzt gezielt mit neuen Personen und vor allem neuen Perspektiven jene Akzente, die aus dem Buch schwer für den Zuschauer auf die Leinwand zu transportieren wären.

Wie auch schon im Roman setzt Stephen Daldry alles auf seinen elfjährigen Hauptdarsteller, der in der Rolle des Oskar beginnt ein letztes Rätsel zu lösen, dass ihm angeblich sein Vater hinterlassen hat. Dieses Rätsel steht nicht nur für die innige Bindung die Oskar und sein Vater hatten, sondern in erster Linie für die letzte Große Prüfung, die Oskar nie hatte bestehen können. Wie auch schon bei den Erkundungsreisen mit seinem Vater auf der Suche nach New Yorks 6ten Distrikt lernt Oskar sein Wissen anzuwenden, wenn er New York nicht nur beginnt in Quadranten zu unterteilen, sondern diesen auch alle 485 “Blacks” zuzuordnen, die mit dem Schlüssel in Zusammenhang stehen könnten.

Extrem laut und unglaublich nahMit Gasmaske, Fotoapparat und Kompass macht sich Oskar nun Wochenende für Wochenende auf die Suche nach genannten “Blacks”, doch dieser soll mit dem geheimnisvollen Untermieter (Max von Sydow) seiner Großmutter schon bald Hilfe bekommen. Ähnlich wie sein Vater führt dieser ihn langsam auf die Menschen zu, lehrt ihm wie man mit diesen kommuniziert und das man vor Dingen wie U-Bahnen keine Angst zu haben braucht, nur weil die Möglichkeit bestände, dass dort der nächste Terroranschlag ausgeführt werden könnte.

Der Film selber wird dabei strickt in viele einzelne Erzählungen unterteilt in denen die von Oskar besuchten Personen ein eigenes Gesicht bekommen und dem Zuschauer am Leid dieser teilhaben lassen. So geschickt all dies von Stephen Daldry auch inszeniert wurde, so merkt man bei einer Spielfilmlänge von fast 130 Minuten dabei deutliche Defizite an, wiederholen sich diese Geschichten nicht nur mit der Zeit, sondern haben ebenfalls einige strukturelle Fehler und Längen.

Extrem laut und unglaublich nahDas Größte Problem neben der unausgereiften Erzählweise ist jedoch der eigentliche Hintergrund mit den Anschlägen des 11. September 2001, die hier im Grunde lediglich gewählt wurden damit ein entsprechender Rahmen existiert, bei denen man bei den Zuschauern entsprechend auf die Tränendrüse drücken könnte. Zu keiner Zeit werden diese Anschläge entsprechend aufbereitet oder gar tiefergehend thematisiert, stattdessen beruft man sich einzig und allein auf die jeweiligen unter Tränen erzählten Geschichten, welche die verschiedensten Personen vorzutragen haben.

Im Bereich der Darsteller ist “Extrem laut und unglaublich nah” wirklich bestens besetzt, auch wenn dieser namenhafte Cast die meiste Zeit eher enttäuscht, was jedoch vor allem dem Drehbuch geschuldet ist. Mit Tom Hanks (Forrest Gump) haben wir gerade am Anfang einen eher unglaubwürdigen Vater der im Laufe der Geschichte durch diverse Rückblenden immer weniger Leinwandzeit eingeräumt bekommt, während Sandra Bullock (Miss Undercover) schon fast auf eine namenlose stereotypische Person reduziert wird, die im Grunde bis auf eine Szene am Ende fast zu keiner Zeit für den Zuschauer eine wirkliche Bedeutung erfährt. Der einzige Lichtblick im gesamten Cast ist vielmehr Neuling Thomas Horn (Space Warriors), der zwar nicht gerade jene überwältigende Rolle inne hatte die eine entsprechende Oscar-Nominierung rechtfertigen würde, dennoch aber mit seinem Spiel nicht nur Akzente setzen konnte, sondern den Film auch überwiegend alleine trug.

Extrem laut und unglaublich nahBereits seit dem 22.06.2012 ist “Extrem laut und unglaublich nah” im Verleih von Warner Bros. Home Entertainment auf Blu-ray und DVD im Handel erhältlich. Das Bild der Blu-ray ist mit 1080/24p wie immer gestochen scharf, wobei hierbei vor allem durch das überwiegend dunkel gehaltene Bild Defizite im Kontrast zu erkennen sind. Wesentlich besser gestaltete sich der Ton in DTS-HD 5.1, der wie immer perfekt abgestimmt in den Sprachen Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch und Spanisch vorliegt. Wie immer waren wir jedoch besonders interessiert an den Extras der Blu-ray und wir wurden auch diesmal nicht enttäuscht. Es gibt ein etwa 20 Minuten langes Making Of, 8 Minuten über das Casting von Thomas Horn, 11 Minuten “Ten Years Later” sowie ein wirklich guter Bericht über Max von Sydow der mit ganzen 44 Minuten zu überzeugen weiß.

Stephen Daldry’s “Extrem laut und unglaublich nah” nutzt die Ereignisse rund um den 11. September 2001 um bei dem Zuschauer durch eine wirklich gut erzählte Geschichte ordentlich auf die Tränendrüse zu drücken. Leider fehlt genau dieser Geschichte oftmals die nötige tiefergehende Substanz, um den Zuschauer ganze 130 Minuten zu fesseln.

Start: 22.06.2012

Copyright: Warner Bros.

Kategorie: Adventure, Drama, Mystery

Länge: 129 min

Bewertung Film: (6/10)

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Bewertung Extras: (7/10)

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