Geschrieben von: Ronny Dombrowski

Das verborgene Gesicht

Das verborgene Gesicht

Der sogenannte Panic Room ist zumeist der letzte Zufluchtsort für reiche und sich verfolgt fühlende Menschen, wenn sich auf einmal fremde Personen in ihrem Haus befinden und sie selbst um ihre Sicherheit fürchten. Im Jahre 2002 nahm Regisseur David Fincher in “Panic Room” diese Thematik auf, wenn er Jodie Foster und Kristen Stewart in diesem Raum sich der Gangster erwehren ließ, doch was ist wenn man unfreiwillig in einen solchen Raum gelangt und statt hinein, nicht wieder hinaus gelangt?

Der gutaussehende und überaus erfolgreiche Dirigent Adrian (Quim Gutiérrez) bekommt die Chance für ein Jahr das Philharmonie Orchester von Bogota zu leiten und zieht mit seiner Freundin Belen (Clara Lago) in diesen verträumten Ort. Als Adrian jedoch plötzlich beginnt mit einer Violinistin zu flirten, zweifelt Belen an seiner Treue und stellt ihn auf eine harte Probe. Sie erstellt ein Abschiedsvideo und versteckt sich in dem geheimen und schalldichten Panic Room den ihr erst kürzlich eine alte Dame offenbarte, von wo aus sie die Wohnung unter Kontrolle hat und alle Gespräche belauschen kann. Als Adrian schließlich nach Hause kommt muss sie feststellen, dass sie ausversehen selber den Schlüssel draußen hat liegen lassen, woraufhin eine Zeit voller Entbehrungen beginnt…

Das verborgene GesichtÄhnlich wie auch schon in seinem Regie Debüt “Satanás” nutzt der kolumbianische Regisseur Andrés Baiz in seiner erst zweiten Arbeit mehrere Perspektiven seiner Erzählung, in der er auf recht unkonventionelle Art und Weise beginnt zwei Geschichten zu erzählen. Während sich die erste halbe Stunde fast ausschließlich um die neue Flamme Fabiana (Martina García) dreht, soll sich erst danach für den Zuschauer der eigentliche Film offenbaren. Gerade durch diese besagte erste halbe Stunde ist der Zuschauer sich fast schon sicher den Film durchschaut zu haben, zielen viele ähnliche Werke doch sofort darauf ab, dass Adrian der eigentliche Mörder und Psychopath ist.

Sobald sich diese halbe Stunde jedoch dem Ende neigt, wird der Zuschauer eines besseren belehrt, denn nun beginnt Andrés Baiz zweite Geschichte, die uns einige Monate in die Vergangenheit versetzt und das Leben von Adrian und Belen zeigt sowie dessen Entschluss, ihn aus besagtem Panic Room zu beobachten. Nun beginnen beide Geschichten langsam zu verschmelzen und wir sehen jene Affäre zwischen Adrian und Fabiana aus einem ganz anderen Blickwinkel, nämlich jenen hinter den verborgenen Spiegeln.

Das verborgene GesichtWährend sich hier das Eifersuchtsdrama zweier Kontrahenten herauskristallisiert und Belen aus dem schalldichten Raum Fabiana beginnt zu verfluchen, ist diese dennoch auf sie angewiesen, ist sie doch die Einzige die etwas in diesem riesigen Haus zu spüren gedenkt. Mit harten Schlägen auf die Wasserrohre kann Belen aus dem inneren des Raumes das Wasser im Waschbecken zum Wellen bringen, während Fabiana nach und nach beginnt die richtigen Rückschlüsse und Fragen zu stellen.

Gerade dieses letzte Drittel von “Das verborgene Gesicht” ist jenes das auf den Zuschauer am meisten Eindruck hinterlässt, rücken doch die beiden Kontrahentinnen einzig und allein in den Vordergrund, während sich die Perspektive des Zuschauers mehr und mehr zu Belen zu drehen beginnt, die verzweifelt um das eigene Überleben zu kämpfen hat. Daraus resultiert zwangsläufig das Clara Lago (La vida que te espera) in der Rolle der Belen eine eindrucksvolle Figur macht, während sich dagegen ihre Kontrahentin Martina García (Rabia) wenig in den Vordergrund spielen kann, die im Grunde nur durch ihre vielen Nacktszenen für den Zuschauer in Erinnerung bleibt. Enttäuschend war in diesem Dreiergespann jedoch vielmehr Quim Gutiérrez (Primos) in der Rolle des Adrian, der im Laufe des Filmes mehr und mehr verblasste. Weder die Rolle des leidenschaftlichen Dirigenten noch jene des gutaussehenden Frauenschwarms konnte dieser verkörpern, was teilweise an die überaus blassen Leistungen eines Robert Pattinson erinnerte.

Andrés Baiz hat mit seiner erst zweiten Regiearbeit einen spannenden Thriller kreiert, der zwar in der ersten halben Stunde seine Längen hat, danach aber in einem durchaus sehenswerten Eifersuchtsdrama endet. Hierbei kann insbesondere Clara Lago herausstechen, die eine wirklich beeindruckende Performance abliefern konnte.

Start: 13.09.2012

Copyright: 20th Century Fox

Kategorie: Thriller

Länge: 97 min

Bewertung Film: (7/10)

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