Geschrieben von: Ronny Dombrowski

Call Me Kuchu

Call Me Kuchu

Wie in vielen afrikanischen Staaten steht auch in Uganda Homosexualität unter Strafe, die im Jahre 2009 durch einen öffentlichen Gesetzesentwurf unter den Betroffenen für helle Aufregung sorgen sollte. Die beiden Regisseurinnen Katherine Fairfax Wright (Rapping with Shakespeare) und Malika Zouhali-Worrall sind durch besagten Gesetzesentwurf auf die Zustände in Uganda aufmerksam gemacht worden und begannen ihre fast zwei Jahre andauernde Dokumentation “Call Me Kuchu” über bereitgestellte Mittel des Crowd-Founding zu drehen, bis diesen schließlich internationale Gelder bereitgestellt wurden.

Schon am Anfang ihrer Arbeit wurden Wright und Zouhali-Worrall von einem Parlamentsabgeordneten darauf hingewiesen, dass es “in Uganda keine Diskussion mehr darüber gibt, ob Homosexualität richtig oder falsch ist – sie ist falsch.” Im Mittelpunkt ihres Werkes steht mit David Kato der erste sich öffentlich als schwul bekennender Mann in Uganda, der mit Hilfe seiner LGBT (Lesbian, Gay, Bisexual, Trans) Bewegung versucht das verschärfte Anti-Homosexualitäts-Gesetz wieder zu kippen, da dieses die Todesstrafe für HIV infizierte Personen vorsieht und jenen Bürgern mit einer dreijährigen Gefängnisstrafe droht, die nicht binnen 24 Stunden Homosexuelle der Polizei melden.

Call Me KuchuUnter David Kato’s Freunden und Mitgliedern der LGBT befinden sich zahlreiche Personen die versuchen das geplante Gesetz zu vereiteln, doch werden ihnen durch die Medien immer wieder Steine in den Weg gelegt. Im Oktober 2010 veröffentlicht schließlich die lokale Tageszeitung “Rolling Stone” (nicht zu verwechseln mit der Musik-Zeitschrift) eine Übersicht von 100 Schwulen und Lesben inkl. Bild und Wohnort, in der gefordert wird, dass man diese erhänge, 95% der ugandischen Bevölkerung unterstützt diese Haltung. Mit diesem Aufruf der öffentlichen Hetze auf eine Minderheit fühlen sich viele in der Gemeinschaft nun ausgegrenzt, weshalb nicht nur wenige den Wohnort wechseln oder sich den Kopf rasieren,  sondern gar Selbstmord begehen. Doch auch dagegen geht David Kato vor, indem er eine öffentliche Stellungsname des Chefredakteurs verlangt und diesen schließlich gar vor Gericht zieht, dass ihm nach einer längeren Verhandlung auch Recht gibt.

Während David Kato bei den zwei Jahren andauernden Dreharbeiten immer wieder von seinem Traum – dem “Gay Village” – zu sprechen beginnt, wird dieser schließlich im Januar des Jahres 2011 noch während der Dreharbeiten von unbekannten erschlagen, woraufhin es bei dessen Beerdigung zu heftigen Tumulten kommt. Ein anglikanischer Priester bezeichnet Homosexuelle schließlich als “verderbt”, woraufhin sich selbst die Menschenrechtsaktivisten der LGBT kaum noch halten können.

Call Me KuchuMit Hilfe harter Arbeit, dem Recht des ugandischen Gerichts und der politischen Unterstützung zahlreicher Länder wird das Gesetz schließlich fallen gelassen, was in erster Linie dem Parlamentarier David Bahati keinesfalls erfreut, konnte dieser doch mit Aussagen wie “Homosexualität ist kein Menschenrecht” unter der Bevölkerung für Zuspruch sorgen. Trotz dieses kurzfristigen Erfolges wegen können sich die Menschenrechtsaktivisten der LGBT doch noch lange nicht auf ihrer neu gewonnenen Freiheit ausruhen, ist in diesem Land doch nach wie vor viel Überzeugungsarbeit zu leisten.

Neben dem wirklich gut recherchierten Thema von Katherine Fairfax Wright und Malika Zouhali-Worrall ist vor allem jener Umstand bemerkenswert, dass sie es völlig ohne Fragen und zusätzlichen Kommentaren aus dem Off schaffen, aus dem Filmmaterial von ganzen zwei Jahren einen so geschlossenen Überblick zu geben. Bewundernswert ist dabei auch jener Umstand, dass trotz der Angst und dem Verbot in Uganda sie es geschafft haben, so zahlreiche Interviewpartner vor die Kamera zu locken, die nicht nur gezielt gegen den Gesetzesentwurf mitgearbeitet haben, sondern auch von ihren sehr persönlichen Erlebnissen aus der Vergangenheit offen berichten konnten.

Trotz dieses Erfolges der LGBT muss man abschließend leider auch sagen, dass kurze Zeit nachdem das ausländische Interesse wieder erloschen ist, der Gesetzesentwurf im Februar 2012 erneut ins Parlament eingebracht wurde, der Ausgang ist noch offen.

Mit “Call Me Kuchu” gelingt Katherine Fairfax Wright und Malika Zouhali-Worrall ein eindrucksvolles Portrait über den Aktivisten David Kato und seine LGBT, das insbesondere mit der Nähe seiner Protagonisten glänzen kann und so die Sorgen und Ängste jener transportiert.

Start: 20.09.2012

Copyright: Arsenal - Institut für Film und Videokunst e.V. / Katherine Fairfax Wright

Kategorie: Documentary

Länge: 90 min

Bewertung Film: (7,5/10)

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