Geschrieben von: Ronny Dombrowski

360

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Der Oscar-nominierte brasilianische Regisseur und Drehbuchautor Fernando Meirelles feierte seinen Durchbruch mit “City of God” im Jahre 2002 und gehört seitdem zu einem der gefragtesten Regisseure Weltweit. Im steten drei Jahres Takt widmete sich dieser erneut einem Spielfilm, wobei so großartige Werke wie “Der ewige Gärtner” oder “Die Stadt der Blinden” entstanden. Für seinen neusten Film “360″ reist Meirelles von einem Kontinent zum nächsten und zeigt uns das unsichtbare Geflecht, dass die Menschen in einer globalisierten Gesellschaft verbindet.

Die Slowakin Mirkha (Lucia Siposová) befindet sich nackt im Atelier des Fotografen und Zuhälters Rocco (Johannes Krisch), der von ihr Aufnahmen für seinen neuen Escort-Service macht. Zusammen mit ihrer Schwester reist Mirkha nach Wien um den englischen Geschäftsmann Michael Daly (Jude Law) zu treffen, doch dieser macht an der Bar im letzten Moment einen Rückzieher. Währenddessen vergnügt sich allerdings Daly’s Ehefrau Rose (Rachel Weisz) mit dem jungen spanischen Fotografen Rui (Juliano Cazarré), dessen eigene Freundin Laura (Maria Flor) bereits schon bald mit diesem Schluss machen wird. Im Flugzeug zurück nach Rio de Janeiro trifft Laura einen älteren Herrn (Anthony Hopskins), der auf der Suche nach seiner verschwundenen Tochter ist. Während beide am Flughafen in Denver wegen eines Schneesturms festsitzen, trifft Laura den erst kürzlich aus der Haft entlassenen Tyler (Ben Foster), der sich mit aller Macht ihrer Avancen erwehren muss…

360Während die letzten Filme von Fernando Meirelles örtlich immer stark begrenzt waren, nutzt er zusammen mit Drehbuchautor Peter Morgan (Die Queen) nun die ganze Welt, wenn er seine Geschichte in Anlehnung an Arthur Schnitzlers “Reigen” entstehen lässt. Von Wien nach London, Paris, Bratislava, Denver und Phoenix führen seine sechs Kurzgeschichten, in denen er aufzeigen möchte, wie in einer globalisierenden Welt die Schicksale eines jeden verflochten sein könnten.

Der Ausgangspunkt eines jeden Schicksals sind für Meirelles jedoch die eigenen Entscheidungen, die er bei “360″ in den Vordergrund stellt. Wie kann meine getroffene Entscheidung das Leben einer anderen Person im positiven wie im negativen Sinne Beeinflussen? Die Basis all dessen ist für Meirelles die Begierde und das Verlangen, dass er nach dem Ursache und Wirkung Prinzip immer wieder in den Vordergrund stellt und somit die bereits angedeuteten Kreisläufe der Welt (Stichwort: 360 “Grad”) vereinigt.

360So interessant sich dieses System in der Theorie gestaltet so enttäuschend ist hierbei jedoch das Drehbuch von Peter Morgan, der nach eigener Aussage diese Geschichte deswegen konzipierte, da er sich immer häufiger auf Flughäfen befände und so kleine Einblicke in die Menschen und ihrer Geschichten in dieser unseren globalisierten Welt bekäme. Leider sind seine verflochtenen Kurzgeschichten allesamt wenig unterhaltsam, was vor allem an dem fast vollständigen fehlen der nötigen Dramaturgie liegt. Lediglich bei der Geschichte um den Pädophilen Tyler, der auf dem Flughafen hoffnungslos von Laura an geflirtet wird, kommt ein wenig Spannung auf, während der Rest eher unbeachtet an dem Zuschauer vorbei zieht.

Was also macht “360″ grad überhaupt interessant? In erster Linie ist das die Struktur von Fernando Meirelles, wenn er uns sechs unabhängige und über die Welt verteilte Standorte präsentiert, bei denen sich die Protagonisten in ganzen sieben unterschiedlichen Sprachen unterhalten. Genau diese Protagonisten sind es auch die “360″ trotz der wenig spannenden Kurzgeschichten tragen, was insbesondere an den international hochkarätig besetzten Rollen liegt. Egal ob dies nun Jude Law (Sherlock Holmes), Anthony Hopskins (Hannibal) oder Moritz Bleibtreu (München) ist, sie alle waren überzeugende Darsteller für ihren Teil einer jeden Kurzgeschichte. Ein besonderes Augenmerk sollte man hier aber auf die Newcomerin Gabriela Marcinkova (Byzantium) legen, die letztendlich die erste und die letzte Geschichte zum gewollten Kreislauf verbindet. Mit ihrem Spiel, den leuchtenden Augen und dem sanften Lächeln bringt sie auch das Herz des gefürchtetsten Fahrers eines Gangsterbosses zum schmelzen, wenn diese sich in gelernten englischen Wortfetzen versuchen zu unterhalten, die als Brücke zwischen dem russischen und slowakischen dienen.

Fernando Meirelles ist mit “360″ nur im Ansatz ein guter Film gelungen, der trotz seiner wirklich guten Darsteller am wenig konsequenten und vor allem Dramaturgie armen Drehbuch kränkelt. Hier hätte man insbesondere von Peter Morgan weitaus mehr erwartet, denn die sechs losen Kurzgeschichten sind trotz aller positiven Verflechtungen einfach zu wenig.

Start: 16.08.2012

Copyright: Prokino

Kategorie: Drama, Romance

Länge: 110 min

Bewertung Film: (6/10)

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