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Dein Weg

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 4. April 2012

Dein Weg

Rückblickend auf die letzten Jahre konnte Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor Emilio Estevez nicht gerade von sich behaupten bei seiner Wahl an Filmen einem bestimmten Muster zu folgen oder gar eine gewisse Vorauswahl seiner Rollen zu treffen. Als Schauspieler wirkte er in so leidlich schlechten Filmen wie „The L.A. Riot Spectacular“ mit, als Regisseur drehte er den mäßig erfolgreichen „Culture Clash in AmeriCCa“ und selbst als Drehbuchautor kam nur die mittelmäßige Komödie „Men at Work“ heraus. Das Estevez auch anders kann zeigte er uns zuletzt im Jahre 2006 mit seinem Drama „Bobby – Sie alle hatten einen Traum“, in welchem er das Attentat von U.S. Senator Robert F. Kennedy verfilmte. Nach zahlreichen darauffolgenden Fernsehserien ist er nun mit „Dein Weg“ zurück auf der großen Leinwand vertreten, in dem er Martin Sheen (Apocalypse Now)  auf Pilgerfahrt über den El camino de Santiago schickt.

Tom Avery (Martin Sheen) ist ein erfolgreicher Augenarzt aus Kalifornien und verbringt seine spärliche Freizeit in erster Linie mit seinen Freunden bei einer gemütlichen Runde Golf. Eines Tages erreicht Tom ein schicksalhafter Anruf der alles verändern soll: Toms erwachsener Sohn Daniel (Emilio Estevez) ist auf dem Jakobsweg – dem El camino de Santiago – bei einem Unwetter ums Leben gekommen. Um Daniel bei seiner letzten Reise zurück nach Hause zu begleiten, setzt sich Tom sofort ins nächste Flugzeug. Dort angekommen beschließt Tom in seiner Trauer selbst den Jakobsweg entlang zu wandern und trifft dort auf allerhand seltsame Gestalten. Er trifft den übergewichtigen Holländer Joost (Yorick van Wageningen), die Kanadierin Sarah (Deborah Kara Unger) sowie den Iren Jack (James Nesbitt), mit denen er sich fortan durch skurrile, traurige und herzerwärmende Zeiten schlägt…

Dein WegAls Jakobsweg – im spanischen El camino de Santiago – wird der Pilgerweg zum angeblichen Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela bezeichnet, der von seinem Startpunkt aus am Saint-Pied-de-Port im Baskenland ganze 880 Km zählt und jedes Jahr von fast 200.000 Menschen zu Fuß bewältigt wird.

Toms Sohn Daniel ist einer jenen Menschen, der in einer Art Nomadendasein durch die verschiedensten Länder zieht um die dortigen Lebensweisen zu studieren. Wie sagt Daniel am Anfang zu seinem Vater so schön, die Universität kann ihm nichts mehr für das Leben bieten, er muss raus gehen und selber Erfahrungen sammeln. Ganz anders ist da schon sein Vater Tom, der das gesicherte Leben eines Augenarztes führt und dessen wöchentliches Highlight die Runde Golf im Country Club ist. Tom hat sich dieses einfache Leben bewusst ausgesucht, er wollte nichts anderes, er bereut nichts.

Dein WegDies alles soll sich jedoch schon bald ändern als er nach Spanien reist und dort den Leichnam seines Sohnes in Empfang nehmen möchte. Worauf war Daniel in all den Jahren aus als er die Welt erkundete, was waren seine Beweggründe und was hat seine Existenz letzten Endes ausgemacht? Tom beginnt nun nicht nur die Beweggründe seines eigenen Sohnes zu erforschen, sondern er sieht auch in sich hinein. Ist sein Leben wirklich so vorbestimmt gewesen, wollte er sein Leben wirklich so leben wie er es schließlich tat oder ist all dies nur aus dem Alltagstrott entstanden, dem er sich jeden Tag aufs neue hingeben muss?

Um dies heraus zu finden begibt sich Tom selber auf die spirituelle Reise auf dem El camino de Santiago, um sich der körperlichen sowie spirituellen Herausforderung zu stellen und auf diesem Weg den Überresten seines Sohnes die letzte Ehre zu erweisen, wenn er diese an den unterschiedlichsten Stellen des Weges verteilt. Auf dieser Reise trifft er auf die unterschiedlichsten Typen von Menschen, mit denen er im Grunde gar nichts zu tun haben möchte, die aber irgendwie auf magische Art und Weise an ihm und seiner Reise kleben bleiben. Da haben wir den Holländer Joost der die Reise bestreitet um für die Hochzeit seines Bruders abzunehmen, die Kanadierin Sarah die am Ende des Weges mit dem rauchen aufhören möchte und schließlich den Iren Jack, der geplagt von einer Schreibblockade versucht neue Inspirationen für sein neues Buch zu finden.

Dein WegSie alle haben ihre Art von Leid zu tragen, sie alle suchen auf dem El camino de Santiago ein Stück Weisheit und sie alle erlangen nicht nur Erkenntnis, sondern auch die Freundschaft einander. Sie wandern die 880Km lange Strecke durch Berg und Tal, bewältigen zusammen die eine oder andere Konfliktsituation und müssen dabei erkennen, dass der Jakobswegs als Metapher für ihr eigenes Leben steht.

Von den Darstellern kann man hierbei im Grunde fast niemanden hervorheben, machen doch im Grunde alle ihre Sache äußerst gut. Ob dies nun Martin Sheen ist der die Gruppe unaufhörlich antreibt und dabei seinen eigenen Schmerz zu vergessen versucht, Yorick van Wageningen  (Verblendung) als dauerhaften Konsumenten diverser Drogen seines Landes oder Deborah Kara Unger (Payback – Zahltag) und James Nesbitt (Der Hobbit – Eine unerwartete Reise), die auf ihre ganz eigene Art überzeugen können. Bewundernswert ist hierbei die Figurengestaltung im allgemeinen, ist eine jede der vier Geschichten doch wirklich gut ausgearbeitet worden. Unbedingt erwähnen muss man an dieser Stelle auch den wirklich guten Soundtrack von Tyler Bates (Dawn of the Dead), der bis auf einen einzigen unpassenden Song von Alanis Morissette gar als herausragend anzusehen ist.

Emilio Estevez „Dein Weg“ ist einer jenen wenigen Filme, bei denen man kaum die 123 Minuten vergehen merkt, so interessant ist dieser gestaltet. Eine wunderbar erzählte Geschichte, wirklich beeindruckende Darsteller, ein prägender Soundtrack und malerische Bilder vom El camino de Santiago, so muss Kino sein.

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Dein Weg

Länge: 123 min

Kategorie: Adventure, Comedy, Drama

Start: 21.06.2012

cinetastic.de Filmwertung: (8/10)

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Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 123 min
Kategorie: Adventure, Comedy, Drama
Start: 21.06.2012

Bewertung Film: (8/10)

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