Geschrieben von: Ronny Dombrowski

Chinese zum mitnehmen

Chinese zum mitnehmen

In fast jeder Tageszeitung gibt es am hinteren Ende ein paar wenige Seiten, auf denen sonderbare Kuriositäten aus diversen Ländern abgebildet werden. Eine dieser Kuriositäten war vor einigen Jahren sogar in einer russischen Nachrichtensendung zu sehen, wo von einer fliegenden Kuh die rede war, die ein ganzes Fischerboot versenkte.

Der junge Chinese Jun (Ignacio Huang) sitzt ganz romantisch mit seiner Freundin in einem kleinen und mit Blumen geschmückten Boot, geht zwei Schritte zurück um die kleine Schachtel mit den Verlobungsringen zu holen, als etwas großes und völlig unbekanntes nicht nur die Hälfte von seinem Boot versenkt, sondern seine Freundin gleich mit dazu. Allein und völlig am Boden zerstört reist dieser schließlich nach Argentinien um seinen dort lebenden Onkel zu besuchen, doch Argentinien ist soviel anders als China. Kaum im neuen Land angekommen wird er ausgeraubt, kurzerhand aus dem Taxi geworfen und landet ausgerechnet vor den Füßen des allseits mürrischen Eisenwarenhändlers Roberto (Ricardo Darin). Jun spricht kein Wort Spanisch, Roberto kein Mandarin und dennoch hat er mit dem kleinen Mitleid, als er ihn zur Adresse seines Onkels fährt, die auf Jun’s Unterarm eintätowiert ist. Vom Onkel ist allerdings auch dort nicht viel zu sehen und so nimmt Roberto den alleingelassenen Einwanderer zwar auf, unterwirft ihn aber strengen Regeln für das zukünftige Zusammenleben…

Chinese zum mitnehmenRegisseur und Drehbuchautor Sebastián Borensztein (La suerte está echada) las die unglaubliche Geschichte von einer fliegenden Kuh die ein japanisches Fischerboot versenkte in der argentinischen Zeitung “Clarín” und sofort war die Idee für seinen neusten Film geboren. Auf der einen Seite haben wir den jungen Chinesen Jun der vom Schicksaal gebeutelt seine Verlobte bei einem tragischen Unfall verlor, auf der anderen Seite haben wir den ewigen Eigenbrötler Roberto, der allein und einsam sein Leben seit Jahrzehnten im immer gleichen Alltagstrott lebt. Ob dieser sich fast täglich über zu wenig Schrauben in den Verpackungen aufregt, seine Kunden als Arschloch beschimpft und aus dem Laden wirft oder neben dem Wecker bis exakt 23.00 Uhr liegt bevor er einschlafen kann.

Wie es das Schicksaal so will treffen ausgerechnet diese beiden völlig verschiedenen Charaktere aufeinander und Borensztein lässt eine Geschichte entstehen, die man am besten in die Kategorie Tragikomödie einordnen kann.  Zwei völlig alleinstehende Schicksaale die dennoch irgendwo miteinander verknüpft sind, zwei Menschen die in ihrem Leben alles verloren haben und sich langsam beginnen gegenseitig zu therapieren und zwei Menschen, die am liebsten gar nichts voneinander wissen würden. Basierend auf Zeichensprache und dem einen oder anderen etwas unfreundlichen Wort von Roberto beginnen sie sich schon bald zu verständigen, doch Roberto zeigt auch hier klare Grenzen auf. Wenn binnen sieben Tagen der Onkel von Jun nicht gefunden wurde so verschwindet dieser wieder, denn mehr könne er beim besten Willen nicht aushalten. So leichtfertig und herzlos dies von Roberto dahingesagt wurde, so ernst meint dieser es damit auch. In seinem kleinen abgeschotteten Mikrokosmos beginnen langsam erste Risse zu entstehen als ihn Jun ans Herz wächst, die lang verschmähte Liebe von Mari (Muriel Santa Ana) lässt sein Herz ein klein wenig erweichen und spätestens wenn Jun seine Geschichte dank eines Mitarbeiters eines chinesischen Restaurants erzählt, bricht für Roberto eine Welt zusammen.

Chinese zum mitnehmenDie Tragikomödie von Borensztein baut hier vornehmlich auf subtilen Humor der aus den kulturellen Unterschieden und dem Aufeinandertreffen völlig unterschiedlicher Temperamente entsteht und schafft es dadurch dennoch zu unterhalten. In Argentinien und Spanien avancierte er zum Publikumshit, in Rom begeisterte er auf dem dortigen Filmfest und gewann schließlich den Preis als bester Film und auch in Deutschland konnte er sein Publikum finden. Verantwortlich war dafür in erster Linie der argentinische Superstar Ricardo Darín (In ihren Augen) der mit seiner tief traurigen und dennoch eigensinnigen Performance auf ganzer Linie begeistern konnte. Ob er grad wieder fluchend die Schrauben zählt, sich in seiner Phantasie die tragischen Unfälle aus dem Ausland vorstellt oder mit Händen und Füßen versucht mit Jun zu kommunizieren, phantastisch.

Ab dem 08.05.2012 ist “Chinese zum mitnehmen” im Verleih von Ascot Elite Home Entertainment auf Blu-ray und DVD im Handel erhältlich. Die Blu-ray zeichnet sich hierbei vornehmlich durch ein gestochen scharfes und kontrastreiches 1080/24p Bild aus und der Ton weiß in DTS-HD Master Audio 5.1 in Deutsch und Spanisch zu überzeugen. Wie immer haben wir unseren Fokus für euch auf die zahlreichen Extras der Blu-ray gelegt, von denen diesmal leider nicht allzu viel enthalten sind. Neben einer Trailershow steht lediglich ein drei Minuten langes Making Of zur Verfügung, dass bestenfalls einen kurzen und oberflächlichen Überblick bieten kann. Interessant wären an dieser Stellen Interviews mit Ricardo Darín und Sebastián Borensztein gewesen, die uns einen erweiterten Einblick zum Dreh hätten geben können.

“Chinese zum mitnehmen” ist ein tragischer und komischer Film zugleich und weiß dank eines groß aufspielenden Ricardo Darín bestens zu unterhalten.

Start: 08.05.2012

Kategorie: Comedy

Länge: 93 min

Bewertung Film: (7/10)

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Bewertung Extras: (2/10)

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