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Blackthorn

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 9. April 2012

Blackthorn

Im Jahre 1969 erschuf George Roy Hill den vierfachen Oscar-Gewinner “Butch Cassidy and the Sundance Kid” und zeigte auf beeindruckender Art und Weise das Leben von Buch Cassidy – geboren als Robert Leroy Parker – und seinem Partner Sundance Kid, bis diese schließlich im Jahre 1908 von der bolivianischen Polizei in einem kleinen Dorf gestellt und getötet wurden. Nachdem im Jahre 1980 schließlich die Überreste von Cassidy untersucht und die DNA mit seinen direkten Nachfahren verglichen wurde musste man feststellen, dass keinerlei Übereinstimmung existierte. Die Gerüchte hielten sich daraufhin wacker, dass Butch Cassidy damals womöglich doch entkommen konnte. Regisseur Mateo Gil (Vanilla Sky) machte sich diese Berichte zu eigen und inszenierte mit “Blackthorn” einen Film über die letzten Jahre des totgeglaubten Gesetzlosen.

Bolivien im Jahre 1927. Der in die Jahre gekommene Butch Cassidy (Sam Shepard) – alias James Blackthorn – hat die letzten 20 Jahre damit verbracht Pferde und Vieh zu züchten und auf einem abgelegenen Stück Land zu leben. Nun zieht es ihn jedoch wieder in seine alte Heimat, wo er vor allem seinen nie gesehenen Neffen begegnen möchte, dem er bereits seit Jahren nur Briefe schreibt. Blackthorn holt kurzerhand sein gesamtes Geld von der Bank, macht sich auf den Weg und wird von einem unbekannten von seinem Pferd herunter geholt. Natürlich flüchtet sein Pferd mit den angesparten 6000 Dollar, zurück bleibt nur der Schütze. Der Spanier Eduardo (Eduardo Noriega) ist selber auf der Flucht vor den Schergen eines reichen Minenbesitzers und unterbreitet Blackthorn ein kaum abzulehnendes Angebot. Wenn Blackthorn ihm Hilft zu überleben, bekommt er die Hälfte der 50.000 Dollar…

BlackthornSo sehr sich der ehemals wilde Westen verändert hat, so ist auch Butch Cassidy in die Jahre gekommen. Vorbei sind die Raubzüge mit seinem Kumpel Sundance Kid (Padraic Delaney) und dessen Frau Etta Place (Dominique Mcelligott), vorbei sind all die Zug- und Banküberfälle und vorbei ist auch die Flucht vor derer Erzfeind Mackinley (Stephen Rea). Butch hatte sich die letzten 20 Jahren in der Abgeschiedenheit Boliviens vielmehr und Vieh- und Pferdezucht gewidmet, sich ein stattliches finanzielles Polster auf ehrliche Weise verdient und träumt nun von nichts anderem, als zurück nach Haus zu reiten und zusammen mit seinem Neffen seine alten Tage zu verbringen.

Das dies manchmal nicht ganz so kommt wie man am liebsten will soll uns der Überfall des spanischen Diebes Eduardo zeigen, durch dessen Schusswechsel Butch nicht nur sein lang erspartes verliert, sondern gleichzeitig erneut zu einem letzten Raubzug herausgefordert wird. 50.000 Dollar hat Eduardo einem Minenbesitzer gestohlen und jede Menge Männer sind nun hinter beiden her, der letzte große Ritt bevor sich Butch als reicher Mann zur Ruhe setzen kann.

BlackthornSo interessant das Drehbuch mit seinen zahlreichen Wendungen erzählt wird, so treffend das Finale in der bolivianischen Wüste am Ende gewählt wurde, so gut ist auch die Wahl mit Sam Shepard (Black Hawk Down) als Hauptdarsteller ausgefallen. Ähnlich wie Tommy Lee Jones gehört Shepard zum ganz alten Eisen an Darstellern, die einen Film im Grunde lediglich mit dem Spiel ihrer Mimik tragen können. In seinem Gesicht sieht man die vergangenen Strapazen, die Einsamkeit, die Sehnsucht nach Veränderung und zugleich den Wunsch endlich einmal kürzer zu treten und in den alten Tagen die Beine nach oben zu legen. Zuviel hat er sich in seiner Jugend mit wilden Schießereien herum schlagen müssen, er hatte seinen Spaß, doch auch für ihn soll nun langsam die Zeit gekommen sein.

Ganz anders ist da leider schon Eduardo Noriega (Öffne die Augen), der von Drehbuchautor Miguel Barros (Corsarios del chip) zwar eine nette Geschichte mit einer guten Wendung am Ende präsentiert bekommen hat, ansonsten aber zu keiner Zeit glänzen kann. Wir erfahren nichts über seinen eigentlichen Antrieb, wenig über seine Vergangenheit und auch sonst kann er sich gegen Shepard nicht einmal im Ansatz behaupten. Während wir immer wieder mit Rückblenden von Butch Cassidy in der Zeit zurückversetzt werden, muss man sich hier ernsthaft nach dem Sinn dessen fragen. Die immer wieder angerissene Flucht vor Mackinley ist nur leidlich interessant, die inhaltlichen Fakten aus seiner Jugend beschränken sich auf ein Minimum und auch sonst kann man dadurch nur die leidliche Feststellung ziehen, dass sein jüngeres Pendant namens Nikolaj Coster-Waldau (Jo Nesbø’s Headhunters) der Rolle nicht im Ansatz gewachsen ist.

BlackthornAb dem 24.04.2012 ist “Blackthorn” auf Blu-ray und DVD im Handel erhältlich und kann vor allem mit einem wirklich ansehnlichen 1080/24 Bild glänzen, dass teilweise in einigen Szenen jedoch ein wenig überbelichtet wirkt. Die Audiospur ist in DTS-HD Master Audio 5.1 gehalten und steht in den Sprachen Deutsch und Englisch zur Verfügung. Wie immer haben wir uns die Extras der Blu-ray für euch ganz genau angesehen und sind dabei auf einige durchaus sehenswerte Dinge gestoßen. Neben dem Trailer kann vor allem das elf minütige “Making Of” überzeugen, in welchem Drehbuchautor Miguel Barros auf die Entstehung von “Blackthorn” eingeht und von den Berichten aus dem Jahre 1980 erzählt, wo die DNA vom angeblichen Leichnam mit der seiner direkten Nachfahren verglichen wurde. Es folgen etwa vier Minuten Deleted Scenes sowie die beiden Kurzfilme “Breaking and Entering” sowie “Say me” von Regisseur Mateo Gil.

Mateo Gil’s fiktive Erzählung über die letzten Jahre des totgeglaubten Butch Cassidy kann im Ansatz durch die wirklich gute Leistung von Sam Shepard überzeugen. Leider hat “Blackthorn” gegen Ende unnötige Längen, die neben den unglücklich agierenden Nebendarstellern oft genug ins Bewusstsein rücken.

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Blackthorn

Länge: 102 min

Kategorie: Western

Start: 24.04.2012

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Blackthorn

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 102 min
Kategorie: Western
Start: 24.04.2012

Bewertung Film: (6/10)

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