cinetastic.de - Living in the Cinema

Alpen

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 25. April 2012

Alpen

Neben der Finanz- und Wirtschaftskrise hat Griechenland in den letzten Jahren vor allem im Bereich des neuen griechischen Kinos durch einige bemerkenswerte Regisseure auch International viele Erfolge feiern können. Athina Rachel Tsangari konnte mit “Attenberg” auf diversen Film Festivals begeistern, Giorgos Lanthimos gewann mit “Dogtooth” im Jahre 2009 überraschend in Cannes und wurde sogar 2011 für den Oscar des besten ausländischen Films nominiert und ist nun mit seiner nächsten Regiearbeit zurück, die nicht minderer Qualität ist.

Unter dem Namen “Die Alpen” bietet eine Gruppe von Außenseitern eine ungewöhnliche Dienstleistung an: Sie versprechen den Trauernden die Linderung ihres Schmerzes in der schwersten Stunde ihres Lebens, indem sie den Platz des Verstorbenen einnehmen. Sie tragen fremde Kleidung, übernehmen die Gesten und Eigenarten anderer und gelangen so in ein Leben, dass fern ab von ihrem eigenen existiert. Unter der Führung von “Mont Blanc” (Aris Servetalis) erleben “Matterhorn” (Johnny Vekris), eine Turnerin (Ariane Labed) und die Krankenschwester “Monte Rosa” (Aggeliki Papoulia) die verschiedensten Alltagssituationen aus anderen Augen, wobei sie steht’s die eigenen Regeln der Alpen vor Augen haben. Doch was ist wenn sich ein Mitglied nicht mehr an besagte Regeln halten will?

AlpenBenannt nach den Bergen der Alpen versuchen Rettungssanitäter Mont Blanc, Gymnastik-Lehrer Matterhorn, Krankenschwester Monte Rosa und eine Turnerin das Leid anderer zu lindern, indem sie die Positionen der Verstorbenen einnehmen. Die Turnerin spielt die Enkelin eines älteren Herren, Gymnastik-Lehrer und Krankenschwester den Mann und die beste Freundin einer alten und blinden Frau der sie gelegentlich Alltagssituationen vorspielen und wenn dann noch Zeit ist, wechselt die Krankenschwester in die Rolle der Ehefrau eines Lampenverkäufers. Diese Rolle geht sogar so weit, als dass sie im Winter für ihn im eisigen Meer schwimmen geht, im Café auf Kuchen verzichtet da seine Frau Diabetes hatte und sich die ganze Zeit nur auf Englisch verständigt, da sie Kanadierin war.

Ähnlich wie auch schon in “Dogtooth” entwickelt sich auch in “Alpen” eine ungewöhnliche und beklemmende Atmosphäre die komplett von einer eher ungemütlichen Stimmung durchzogen ist. Hatte Regisseur Giorgos Lanthimos in “Dogtooth” noch den Fokus auf den Mikrokosmos einer fünfköpfigen Familie und deren Weltanschauung gelegt, versucht er diesmal aus diesem nicht aus- sondern eher einzubrechen. Seine vier Protagonisten nehmen auf tragische und humorvolle Art und Weise die Plätze von anderen ein, versuchen sich in dem Leben von Toten zurecht zu finden und reflektieren dabei im Ansatz ihr eigenes Leben wieder, welches jedoch nie wirklich zur Sprache kommt.

AlpenDer präzise Erzählstil von Giorgos Lanthimos, die Bilder mit den oftmals abgeschnittenen Gesichtern, die kargen Einstellungen und die ungewöhnliche Figurenkonstellation lassen “Alpen” zu einem Film verschmelzen, den man kaum mit anderen Werken vergleichen könnte. Oft überwiegt einfach die Trauer, die Fassungslosigkeit über diverse skurrile Situationen und die dadurch entstehende Komik, wenn die Protagonisten ihre eigene Rolle nicht mehr für voll nehmen können und auf einmal leise vor sich hin lachen. So entsteht wohl eine der ungewöhnlichsten Sex Szenen zwischen der Krankenschwester und dem Lampen Verkäufer, die man in letzter Zeit hat sehen können.

Hauptdarstellerin Aggeliki Papoulia (Kala krymmena mystika, Athanasia) ist das Herz und die Seele von “Alpen”, wenn sie mit ihren tief liegenden traurigen Augen und dem zurückgenommenen Schauspiel die undurchschaubare Krankenschwester spielt, bei der man bis zuletzt nicht weiß, woran man bei ihr letztendlich ist. Verloren in der eigenen Trauer versucht sie Nähe und Zuneigung in einer Welt zu finden, die ihr nach den Regeln der Alpen für immer verwehrt bleiben wird. Die existentielle Frage kann hier nur lauten, wer lindert die Trauer jener, die sich der Trauer selber verschrieben haben?

Mit “Alpen” gelingt Aggeliki Papoulia nach “Dogtooth” der nächste große Film und gleichzeitig der Beweis, dass er in seinen eigenen großen Schuhen auch weiterhin bestehen kann. “Alpen” mag mit seiner ungewöhnlichen Art sicherlich nicht für jeden geeignet sein und dennoch ist es großes Kino aus Griechenland, von dem man in Zukunft sicherlich noch einiges erwarten kann.

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Wir vergeben daher 7 von 10 Filmpunkten.

Copyright:

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Mit Facebook Anmelden um zu Posten!

Anmelden
plakat_alpen

Länge: 93 min

Kategorie: Drama

Start: 14.06.2012

cinetastic.de Filmwertung: (7/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (0,0/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten!

Gewinnspiele

Gewinne Kinokarten, BluRays, DVDs,
Fan Packages und mehr!

Gleich mitmachen

Info

plakat_alpen

Alpen

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 93 min
Kategorie: Drama
Start: 14.06.2012

Bewertung Film: (7/10)

  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1
  • 1

Leser Filmwertung: (0,0/10)

  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10

Film bewerten