Geschrieben von: Ronny Dombrowski

The Ward

Völlig verstört wird die junge Kristen (Amber Heard) in die psychiatrische Abteilung des North Bend Hospital eingeliefert, nachdem diese nur mit einem Nachthemd bekleidet ein Haus in Brand gesteckt hat. Kristen kann sich jedoch an nichts erinnern und so wird sie zu den vier weiblichen Insassen Zoey (Laura-Leigh), Sarah (Danielle Panabaker), Emily (Mamie Gummer) und Iris (Lyndsy Fonseca) gesperrt, die alle das eine oder andere psychische Problem haben. Während die fünf die Tage im Gemeinschaftsraum verbringen und von Schwester Ratched und einem Pfleger überwacht werden, verbringen sie die Nacht in ihrem abgeschlossenen Zimmer. Was Kristen zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht weiß ist, dass des Nachts, wenn das Klinikpersonal schläft, der Geist eines ehemaligen Patienten durch die Gänge schleicht und ein Mädchen nach dem anderen zu sich nimmt…

The WardFast zehn Jahre ist es her, seitdem John Carpenter (The Fog – Der Nebel des Grauens) – der Großmeister des Horror Genres – mit “Ghosts of Mars” im Jahre 2001 auf der großen Leinwand vertreten war. Nachdem er sich in den Zwischenzeit fast ausschließlich seiner Fernsehserie “Masters of Horror” widmete, soll “The Ward” für ihn sein großes Comeback bedeuten. Leider hat sich die Carpenter Zeit seit seinem Überraschungserfolg “Halloween” von 1978 stark geändert. Wo er damals noch für Drehbuch, Kamera, Schnitt und Score verantwortlich war, wird seine Arbeit auf die des Regisseurs minimiert und andere – angehende – Drehbuchautoren nehmen seinen Platz ein. Für “The Ward” zeichnen sich die beiden Brüder und Drehbuchautoren Michael (Long Distance) und Shawn Rasmussen (Dark Feed) verantwortlich, die leider noch eine ganze Menge zu lernen haben.

In der Vergangenheit war in erster Linie immer Carpenters Drehbuch jenes, was einerseits durch seine Einfachheit bestechen, andererseits den Zuschauer auch immer wieder schockieren und an seine Grenzen bringen konnte. In “The Ward” sieht das leider gänzlich anders aus, was man auch deutlich an Carpenters reduzierte Rolle erkennen kann. Zurückversetzt in die 60er Jahre versuchen die Brüder Rasmussen ihre Geschichte auf die einer alten Psychiatrischen Anstalt aufzubauen, wie wir sie schon in gefühlten hundert Filmen haben sehen können. Dunkle Gemäuer, die selben steriotypischen Pfleger wie in allen Anstaltsfilmen dieser Zeit und ein Drehbuch, dass man nicht nur zum Großteil erahnen kann, sondern ein Finale, dass nicht langweiliger hätte ausfallen können. Mit den vier Anstaltsinsassinnen Zoey, Sarah, Emily und Iris erschufen sie außerdem vier Personen, die rein auf den üblichen Klischees beruhen. Sarah ist die Nymphomanin, Emily die Rebellin, Iris die verkappte Lesbe und Zoey die Kindfrau. Hätte man nun erwartet das die Rasmussen Brüder diese Klischees gesellschaftskritisch aufbereiten, wäre daraus eventuell sogar noch etwas geworden, so aber stehen sie für nichts, als ein wenig hübsches Beiwerk in einem sonst anspruchslosen Skript.

The WardDas nicht alles schlecht sein muss, zeigt uns die Person des Dr. Stringer (Jared Harris). Lange Zeit weiß man nicht wo diese im Konstrukt aus alternativen Behandlungsmethoden und Elektroschocks steht, ob er ein williger Arzt ist oder doch eine Person wie Frankenstein, die in erster Linie quälen will. Ausgesprochen gut ist hierbei das Spiel mit Mimik und Gestik gelungen, die letztlich dafür ausschlaggebend war, dass Jared Harris (Sherlock Holmes – Spiel im Schatten) die überzeugendste aller Rollen spielen durfte. Ganz anders sieht es da schon mit unserer Hauptdarstellerin Amber Heard (Zombieland) aus, die die Kristen spielt. Zu keiner Zeit nimmt man ihr die psychischen Probleme ab, zu keiner Zeit erinnert sie auch nur im Ansatz an eine Person, die in den 60er Jahren angesiedelt sein soll. Egal ob dies ihre Frisur ist, das Make-up oder die Kleidung, es passt einfach nicht.

Ein wenig Carpenter finden wir in “The Ward” dann aber doch wieder, vor allem in seiner bekannten Führung der Kamera. Die langen Einstellungen, die ewig langen Flure die er bedrohlich versucht uns glaubhaft darzustellen und vor allem die des Nachts immer wieder auftretenden Blitze am Fenster, schaffen die gewohnt bedrohliche Atmosphäre. Leider wird diese immer wieder durch unseren “Geist” zerstört, der absolut vorhersehbar auftritt und die üblichen Klischees versucht abzuspulen. Mit diesem einhergehend verhält es sich auch mit dem Spannungsaufbau der Geschichte, die ein stetiges auf und ab bedeutet.

Ab dem 16.02.2012 bringt Concorde Home Entertainment John Carpenter “The Ward” auf Blu-ray und DVD in euer Wohnzimmer, auf den vor allem Fans schon lange gewartet haben dürften. Das Bild ist wie gewohnt gestochen scharf in 1080p und insgesamt im typischen Stil der 60er Jahre eher dunkel gehalten. Für das entsprechende Klangerlebnis sorgt die DTS-HD Master Audio Tonspur in Deutsch und Englisch, die zusätzlich einen alternativen Audiokommentar von John Carpenter beinhaltet. Wie immer haben wir uns auf die zusätzlichen Inhalte gefreut, die mit einem solchen Werk einher gehen. Neben der 48 Minuten andauernden B-Roll, in der uns in erster Linie unkommentierte Szenen des Drehs gezeigt werden, sind vor allem die 46 Minuten Interviews interessant gewesen. Hierbei werden immer drei bis sieben Fragen eingeblendet, auf die der Interviewte Rede und Antwort steht. So erzählt John Carpenter über seine Regiearbeit, worauf er beim Skript und beim Casting achtet und wo der Film gedreht wurde. Des weiteren kommen die Produzenten Andrew Spauldrin, Mike Marcus, Peter Block und Rich Cowan zu Wort, die in erster Linie über die Produktion und ihre Arbeit mit Carpenter zu berichten haben. Zu guter letzt gibt es noch ein Interview mit Amber Heard, Jared Harris, Danielle Panabaker, Laura-Leight, Mamie Gummer, Lyndsy Fonseca, Mika Boorem und Paul Peters.

Die Erwartungen bei “The Ward” lagen nach 10 Jahren Abstinenz leider zu hoch. Das Drehbuch ist vorhersehbar und alles andere als gelungen, die Hauptdarstellerin fehlbesetzt und die Geschichte aus unzähligen anderen Filmen dieser Art bekannt. Obwohl “The Ward” besser als “Ghost on Mars” ist, sollten hier nur echte Fans zugreifen.

 

Start: 16.02.2012

Kategorie: Horror, Thriller

Länge: 88 min

Bewertung Film: (5,5/10)

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Bewertung Extras: (7/10)

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