Geschrieben von: Ronny Dombrowski

Die Eiserne Lady

Die Eiserne Lady
Chester Square der Gegenwart. Margaret Thatcher (Meryl Streep) – die ehemalige Premierministerin Großbritanniens – ist inzwischen 80 Jahre alt und beschließt den Kleiderschrank ihres verstorbenen Gatten Denis (Jim Broadbent) zur Verwunderung des Personals auszuräumen. Dieser Entschluss löst bei ihr eine Reihe von alten Erinnerungen aus und so sieht sie sich plötzlich zu Zeiten des zweiten Weltkrieges, wo sie ihren Vater Alfred – einen leidenschaftlichen Konservativen – auf einer Veranstaltung sprechen sieht. In ihr erwacht das politische Bewusstsein, es folgt ein Studienplatz in Oxford und eine weitere Erinnerung von einem Abendessen, bei dem sie als Kandidatin für die kommenden Regionalwahlen ausgewählt werden möchte. Zurück in der Gegenwart macht sich ihre Tochter Carol (Olivia Colman) große Sorgen, denn der Realitätsverlust ihrer Mutter nimmt immer größere Ausmaße an. Während Carol sie bittet den Arzt aufzusuchen, taucht Margaret erneut in die Vergangenheit ab…

Margaret Thatcher ist wohl eine jener Persönlichkeiten Großbritanniens, die mehr als nur polarisiert. Von den einen gefeiert, von anderen gehasst, entschließen sich Theaterregisseurin Phyllida Lloyd (Mamma Mia!) und Drehbuchautorin Abi Morgan (Shame) ein Porträt über diese zu zeichnen, das ungewöhnlicher nicht sein kann.

Morgan beleuchtet in ihrer Geschichte rund um Margaret Thatcher den Zeitraum von ihrer Jugend im zweiten Weltkrieg, bis hin zur aktuellen Gegenwart. Während sie in den Zeitebenen immer vor und zurück springt, was mit Thatchers Erinnerungen ausgedrückt werden soll, legt sie den Fokus auf drei wesentliche Aspekte in ihrer Regierungszeit. Diese sind der Kampf gegen die IRA, der Krieg um die Falkland Inseln sowie Großbritanniens wachsende Arbeitslosigkeit und die damit verbundenen wirtschaftlichen Probleme. Während hier die Geschehnisse nur äußerst oberflächlich von Lloyd dargestellt werden, verzichtet diese auch völlig auf den eigentlichen politischen Inhalt, der damit verbunden war. Sie geht vielmehr auf die Rolle als Frau ein, die Thatcher damals inne wohnte, als auf die eigentlichen politischen Themen, die einen Film über diese polarisierende Persönlichkeit ausgemacht hätte.

Versteht mich nicht falsch, die Rolle als Frau in der damaligen von Männern dominierenden politischen Oberschicht Großbritanniens und der damit verbundenen Aufopferung gegenüber der eigenen Familie ist mit Sicherheit wichtig und interessant, darf aber nicht Hauptthema in einem Portrait wie diesem werden. Leider geht dies Hand in Hand mit der Tatsache, dass Phyllida Lloyd durchaus Erfahrung im Theater haben mag, ihre Arbeiten im Film aber alles andere als gelungen sind. Schon mit “Mamma Mia!” zeigte sie eindrucksvoll wie man ABBA ruinieren kann, mit “Die Eiserne Lady” verhält es sich ähnlich. Immer wieder springt sie im Stil ihrer Szenen hin und her, sodass man sich fragen muss, ob einem hier eine dokumentarisch aufbereitete Arbeit unterhalten soll, oder ob dies doch eher ein Drama ist.

Die Eiserne LadyTrotz dieser nicht wenigen negativen Worte zu Lloyd und ihrer Art Filme zu drehen, muss unbedingt noch die hervorragende Leistung von Meryl Streep (Der Teufel trägt Prada ) in den Vordergrund gerückt werden. Bereits mit einem Golden Globe bedacht und für ihre Rolle auch heiße Oscar Anwärterin gehandelt, überrascht sie uns mit einer wirklich beeindruckenden Performance einer Margaret Thatcher. Mit Ausnahme der jungen Jahre – gespielt von Alexandra Roach (Private Peaceful) – zeigt sie uns eine unglaublich intensive Darbietung, in denen sie Thatcher ganze vierzig Jahre verkörpert. Eindrucksvoll, bewegend, überwältigend… man kann der lobenden Worte nicht genug gebrauchen.  Mit dieser Performance geht leider auch einher, dass Darsteller wie Jim Broadbent (Moulin Rouge!) und Olivia Colman (Tyrannosaur – Eine Liebesgeschichte ) fast vollständig unter gehen. Beide kommen kaum aus Streeps Schatten heraus und so verwundert es wenig, dass diese für den Zuschauer nicht mehr als schmuckes Beiwerk sind.

“Die Eiserne Lady” dürfte es aufgrund ihrer Thematik schwer haben, in deutschen Kinos Fuß zu fassen. Alle die sich dennoch darauf einlassen, werden mit einer grandiosen Meryl Streep belohnt, die hier wohl die Rolle ihres Lebens zu spielen scheint.

Start: 01.03.2012

Kategorie: Biography, Drama

Länge: 105 min

Bewertung Film: (6/10)

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