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Bel Ami

Geschrieben von Ronny Dombrowski am 18. Februar 2012

Bel Ami

Erst vor kurzem durften wir mit ein wenig Mitleid bewundern, wie sich Millionen von weiblichen Jugendlichen dem Twilight Star hingaben, als Robert Pattinson seinen (hoffentlich) vorletzten Vampir auf der Leinwand gegeben hat. Das dieser auch anders kann, soll uns seine neuste Rolle in “Bel Ami” beweisen.

Nach seinem Militärdienst in Algerien kommt der mittellose Georges Duroy (Robert Pattinson) im Jahre 1890 nach Paris. Als seine mageren Ersparnisse sich dem Ende zuneigen, trifft er seinen alten Kameraden Charles Forestier wieder, der es als Redakteur der liberalen Zeitung La Vie Francaise zu etwas gebracht und sich zur Aufgabe gemacht hat, die korrupte Regierung zu Fall zu bringen. Im Hause Forestier trifft er auf den Chefredakteur Rousset, der grade über den Einmarsch in Südafrika diskutiert, sowie auf Forestiers bildhübsche Frau Madeleine (Uma Thurman) sowie deren Freundinnen Clotilde (Christina Ricci) und Madame Rousset (Kristin Scott Thomas). Durch die Hilfe von Madeleine wird Georges als Redakteur einer Zeitungs-Kolumne angestellt und vollführt so den ersten Schritt in die feine Gesellschaft, der noch lange nicht der letzte gewesen sein soll. Er beginnt eine Affäre mit Clotilde, heiratet Madeleine nach dem Tode ihres Mannes und wagt sich plötzlich auch auf das politische Schlachtfeld, wo mehr als nur gutes Aussehen gefragt ist.

Bel AmiDen Roman Klassiker “Bel Ami” von Guy de Maupassant aus dem Jahre 1885, musste wohl schon der eine oder andere während seiner Schulzeit lesen, was nicht selten auf schlaflose Nächte bei der bevorstehenden Interpretation dieses Stoffes stieß. Die Regisseure Declan Donnellan (The Making of Martin Guerre: A Musical Journey) und Nick Ormerod (The Big Fish) haben es sich nun zur Aufgabe gemacht diesen nicht nur zu verfilmen, sondern einerseits ausschließlich deren Lieblingsstellen des Buches zu nutzen und andererseits diesen wohl aus marketingtechnischen Gründen auch noch so aufzubereiten, dass dieser auf Robert Pattinson und seiner weiblichen Anhängerschaft zugeschnitten ist. Drehbuchautoren Rachel Bennette (Lewis – Der Oxford Krimi) konnte einem nur Leid tun, musste diese doch die Adaption verantworten.

Schon die Eröffnungsszene hätte aus “Twilight” stammen können, wenn Georges Duroy im Sessel seines dunklen Zimmers sitzt, der Mond hinein scheint und auf sein bleiches Gesicht fällt. Mittellos und ohne Ersparnisse begibt dieser sich in die nächste Bar mit ausreichend Prostituierten, um nicht nur seinen alten Freund Charles wieder zu sehen, sondern schon nach fünf Minuten den ersten Sex zu haben. Wenn man nun die Geschichte des Romans mit der des Filmes vergleichen sollte, so fiele diese relativ kurz aus. Während der Roman noch seine Schwerpunkte auf die durchaus vorhandenen politischen Konflikte legte, scheint dies Bennette’s Drehbuch fast vollständig außer acht zu lassen. Diese werden zwar am Rande angedeutet und auch vollzogen, doch stehen hier vielmehr die unzähligen Bettgeschichten von George und seinen Frauen im Vordergrund, was die Geschichte spätestens nach 15 Minuten auf ein Niveau getrieben hat, auf welchem man nur noch schwer die Augen offen halten kann.

Bel AmiViel besorgter aber zeige ich mich von den wirklich hochkarätig besetzten weiblichen Nebenrollen (Christina Ricci, Uma Thurman, Holliday Grainger, Kristin Scott Thomas), welche sich auf dieses Konstrukt haben freiwillig eingelassen. Die Rollen sind konturlos, oberflächlich und offensichtlich nur beiläufig behandelt worden, sodass möglichst viel Aufmerksamkeit auf den Hauptdarsteller Robert Pattinson (Remember Me) fällt. Hatte man bei diesem noch gedacht, dass er nach diversen “Twilight” Verfilmungen doch einmal einen Schauspielkurs besucht, so musste sich auch hier erneut die Enttäuschung breit machen. Im ganzen Film verfügt dieser über genau zwei unterschiedliche Gesichtsausdrücke, mit denen er die ganzen 102 Minuten auf der Leinwand vertreten ist. Bleich, ohne Ecken und Kanten, ohne Konturen, einfach ein unverändertes Sinnbild seiner selbst, welches sich allein auf sein Aussehen zu verlassen scheint. Ohne Declan Donnellan und Nick Ormerod hier kalte Berechenbarkeit unterstellen zu wollen, aber wo bitte schön ist die Rechtfertigung für diesen Darsteller oder gar diesen Film, wenn man nicht auf Kosten der weiblichen Jugendlichen Kasse machen möchte? Wie sagten die Herren in der Pressekonferenz doch so schön, man kann durchaus die Parallelen zur heutigen Zeit ziehen, wenn in England die Telefone von der Presse überwacht werden. Ach, kann man das?

“Bel Ami” ist die Wettbewerbs Enttäuschung der Berlinale schlecht hin. Eine unmögliche Adaption eines wirklich gutes Romans, eine völlige Fehlbesetzung der männlichen Hauptrolle und zwei Regisseure aus dem Bereich des Theaters, die den Film nur als besseres Hobby ansehen.

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Bel Ami

Länge: 102 min

Kategorie: Drama

Start: 03.05.2012

cinetastic.de Filmwertung: (4/10)

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Bel Ami

Geschrieben von Ronny Dombrowski

Länge: 102 min
Kategorie: Drama
Start: 03.05.2012

Bewertung Film: (4/10)

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