Der Schweizer Milliardär Urs Doucier (Ulrich Tukur) will in Berlin eine neue Online Zeitung – ähnlich dem amerikanischen Kulturmagazin The New Yorker – heraus bringen und hat dafür auch schon den passenden Chefredakteur an der Angel. Leider erliegt Baby Schimmerlos bei einem Motoradunfall am Brandenburger Tor dem plötzlichen Tode, woraufhin die Stunde für dessen Chauffeur geschlagen hat. Max Zettel (Michael Bully Herbig) wird neuer Chefredakteur des The New Berliner und mit Paparazzo-Urgestein Herbie Fried (Dieter Hildebrandt) kann im Grunde nichts mehr schief gehen. Ohne Skrupel begeben sie sich in das Kreuzfeuer der Reichen und Mächtigen, der Schönen und Schamlosen und der Halbprominenten der Hauptstadt Berlin.
Basierend auf der Fernseh-Serie “Kir Royal” aus dem Jahre 1987 ist Regisseur Helmut Dietl (Kir Royal) pünktlich zum 25. jährigen Jubiläum wieder zurück. Im Fokus der damaligen Serie stand der Skandalreporter Baby Schimmerlos, der die Münchner High Society unsicher machte. Nun allerdings soll die Devise lauten: Vergesst München, Willkommen in Berlin! Zusammen mit Drehbuchautor Benjamin von Stuckrad-Barre (Soloalbum) zieht Dietl alle Register, um der Berliner Oberschicht seinen ganz persönlichen Stempel aufzurücken.
Max Zettl ist ein Schlawiner wie er im Buche steht. Er hat nichts gelernt, schlägt sich irgendwie durchs Leben und wird letzten Endes mit einem Karriere-Sprung vom Chauffeur zum Chefredakteur belohnt, wie er ihn wohl am wenigsten verdient gehabt hätte. Zusammen mit seinem am Rollstuhl gefesselten Paparazzo Fotografen macht er sich auf, der Berliner Oberschicht das Fürchten zu lehren. Egal ob er direkt die Berliner Bürgermeisterin angeht, die in Wahrheit ein Mann ist, oder eine Story des im sterben liegenden Bundeskanzlers schreibt, der sich entgegen anderer Medienberichte nicht im Urlaub, sondern im Berliner Krankenhaus befindet. Schamlos nutzt er diese Kontakte und Informationen aus und erspinnt daraus ein Lügenkomplott, was ihn letztlich sogar zum Sohn der Bürgermeisterin aufsteigen lässt.
Im letzten Sommer hatte Michael Bully Herbig bei der Pressekonferenz zu “Hotel Lux” noch einen Ausblick darauf gegeben, dass er sich womöglich nicht immer der Komödie hingeben möchte und durchaus auch die eine oder andere ernstere Rolle anstreben wolle. Mit großer Sorge haben damals einige diese Sätze vernommen und spätestens mit “Zettl” beginnt er nun einen Weg, der nicht mehr rein auf Klamauk hinauslaufen soll. Versteht mich an dieser Stelle nicht falsch, “Zettl” ist lustig, unterhaltsam und nimmt mit einer guten Portion Satire die Berliner High Society auf den Arm. Vergleicht man diesen allerdings mit früheren Werken so muss man sich eingestehen, dass die reine “Blödelzeit” auch für Bully so langsam aber sicher vorbei ist. In einer etwas ernsteren Rolle konnte er zumindest mich diesmal völlig als Max Zettl überzeugen, was zum Großteil aber auch an dem wirklich glänzend besetzten Cast lag. Egal ob Ulrich Tukur (Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte), Dieter Hildebrandt (Neues aus der Anstalt),Senta Berger (Unter Verdacht), Harald Schmidt (Die Harald Schmidt Show), Götz George (Stonk!) oder die wirklich bezaubernde Karoline Herfurth (Der Vorleser), sie alle hatten das gewisse Etwas für ihre Rolle. Insbesondere bei Götz George muss man dem Maskenbilder ein nicht zu knappes Lob zugestehen, so verfallen haben wir ihn schon lange nicht gesehen.
“Zettl” wird unweigerlich polarisieren. Ich – der die Serie “Kir Royal” noch nie gesehen hat – fand ihn wirklich unterhaltsam, von der Geschichte wie auch den Darstellern her. Anderen die den Bezug zur auf Satire aufbauenden Serie legen, dürften eventuell enttäuscht sein, da hier womöglich etwas zurückhaltender gearbeitet wurde, als dies damals üblich war. Hier sollte sich jeder seine eigene Meinung bilden. Die meinige ist jedenfalls, dass “Zettl” für sich stehend wunderbarer “anderer” Bully Klamauk ist, als wir es bisher gewohnt waren.
