Geschrieben von: Ronny Dombrowski

Wir kaufen einen Zoo

Benjamin Mee (Matt Damon) ist ein Zeitungskolumnist und Abenteuer-Journalist in Los Angeles, der nach dem Tod seiner Frau vor seiner größten Herausforderung steht, die Erziehung seiner beiden Kinder Dylan (Colin Ford) und Rosie Mee (Maggie Elizabeth Jones). Während Rosie ein wahrer Engel ist, sieht dies mit dem 14 jährigen Dylan schon ganz anders aus. Deprimiert, in sich gekehrt und überaus dunkle Bilder zeichnend bekommt dieser seinen vierten Verweis in einem halben Jahr und darf folglich die Schule nicht mehr besuchen. Veränderung muss her und so kündigt Benjamin seinen Job und geht zusammen mit seiner Tochter auf die Suche nach einem neuen Haus. Nachdem diese schließlich eine Unmenge besichtigt haben, fährt der leicht verrückte Makler Mr. Stevens (J.B. Smoove) zu einem Haus, neun Meilen fernab von jeder Zivilisation. Benjamin und Rosie sind sofort Feuer und Flamme. Das Haus ist ruhig gelegen und wunderschön, das Grundstück ist wahrlich riesig und auch sonst hat es alles, was sich beide erhofft haben. Alles? Leider gehört zu den 70.000 Quadratmetern auch noch der Rosemoor Animal Park mit über 200 Tieren, die von Tierpflegerin Kelly Foster (Scarlett Johansson) und ihrem Team betreut werden. Ohne die geringste Erfahrung von Tieren, einem sehr begrenzten Budget und reichlich Zeitdruck, machen sich nun alle auf, den Tierpark bis zum Sommer schnellst möglichst zu sanieren.

Wir kaufen einen ZooNach seinen Meisterwerken “Jerry Maguire – Spiel des Lebens”, “Almost Famous – Fast berühmt” und “Vanilla Sky” ist Regisseur Cameron Crowe nach 6 Jahren Spielfilm Pause wieder zurück und präsentiert mit “Wir kaufen einen Zoo” einen Film, wie ihn wohl nur das Leben selber schreiben kann. Basierend auf dem gleichnamigen autobiografischen Roman von Benjamin Mee erzählt er eine Geschichte von Familie, Tragik und Komik gleichermaßen. An Crowe’s Seite befindet sich die Drehbuchautorin Aline Brosh McKenna (Der Teufel trägt Prada), die vom eigentlichen Buch leider kaum noch etwas übrig gelassen hat. Die Geschichte wird – wie bei amerikanischen Produktionen so oft – von England in die USA verlegt und auch die Hauptdarsteller bekommen zum Wohle der Dramaturgie die eine oder andere Veränderung spendiert. So war es ursprünglich eigentlich so, dass Benjamins Frau nicht im Vorfeld schon verstarb, sondern erst während der Zeit, nachdem sie beiden zusammen den Tierpark gekauft haben.

Mit dieser nicht unerheblichen Änderung der Geschichte gehen Crowe und Brosh McKenna einen Weg der durchaus dem dramaturgischen Verlauf des Filmes gut tut, nichts desto trotz aber völlig vorhersehbar ist. Egal ob es der klischeehafte Vater-Sohn Konflikt ist, die sich anbahnende Beziehung zwischen Benjamin und Kelly oder das letztendliche Happy End, zu keiner Zeit kommt irgendwie Überraschung auf. Leider gehen beide im späteren Verlauf des Filmes sogar so weit, dass “Wir kaufen einen Zoo” in den letzten 15 Minuten Gnadenlos in die Länge gezogen wird. Obwohl wir bereits das Happy End erahnen können, wird dieses nun noch ewig lang mit “plötzlichen” Wochen andauernden Regen ausgeweitet, was letztlich auch noch darin endet, dass die Kinder unbedingt erfahren müssen, wie ihre Eltern sich im Restaurant kennen gelernt haben.

Wir kaufen einen ZooNeben dieser nur leidlich überzeugenden Geschichte können hier jedoch die Darsteller so einiges wieder herausholen. Matt Damon (Contagion ) gibt einen wunderbaren Vater ab, der zwischen all seinen waghalsigen journalistischen Erfahrungen nun mit der größten konfrontiert wird, der Erziehung seiner eigenen Kinder. Offensichtlich überfordert versucht er immer nur das Beste den Kindern zu geben, versucht einen kompletten Neuanfang und setzt sich letztendlich sogar mit Tieren auseinander, zu denen er noch nie einen wirklichen Draht hatte. Als herzlicher und liebenswerter Familienvater kann Damon mehr als nur überzeugen, was natürlich auch an seinen beiden völlig gegensätzlichen Kindern liegt. Scarlett Johansson (Lost in Translation – Zwischen den Welten) in der Rolle der Kelly Foster ist da schon etwas anderes. Obwohl Johansson auch in dieser Tierpfleger Kleidung einfach nur umwerfend aussieht, nimmt man ihr die Rolle irgendwie nicht ab. Sie hat kaum Bezug zu Tieren, ist mit diesen auch äußerst selten zu sehen und hätte dahingehend einfach eine etwas tiefergehende Charakterentwicklung gebraucht. Neben Thomas Haden Church (Sideways), Angus Macfadyen (Braveheart), Elle Fanning (Super 8 ) und John Michael Higgins (Bad Teacher) ist aber vor allem J.B. Smoove (The Sitter ) hervor zu heben. Seine Rolle ist nur kurz, die Dialoge dafür umso witziger.

“Wir kaufen einen Zoo” ist ein durchaus gelungener Film für die ganze Familie. Obwohl das Drehbuch einige Schwächen aufweist und gegen Ende unnötig in die Länge gezogen wurde, hat Crowe mit den Darstellern voll ins Schwarze getroffen.

Start: 03.05.2012

Kategorie: Comedy, Drama, Family

Länge: 124 min

Bewertung Film: (6,5/10)

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