Ein Anruf reißt Helen (Cara Seymour) und Henry Sawyer (J.K. Simmons) im Jahre 1986 aus ihrem beschaulichen Alltag. Ihr Sohn Gabriel (Lou Taylor Pucci) – der vor über 20 Jahren den Kontakt zu ihnen abgebrochen hat – wurde verwahrlost in New York aufgefunden und befindet sich nun mit einem schweren Gehirntumor im Krankenhaus. Obwohl der Tumor gutartig ist und die Operation erfolgreich verläuft, sieht es alles andere als gut für Gabriel aus. Ein Großteil seines Gehirns musste bei der Operation entfernt werden, was sich einerseits auf sein Erinnerungsvermögen auswirkt, andererseits auf sein Langzeitgedächtnis. Auf der Suche nach einer Form der Kommunikation stößt Henry auf die Arbeiten der Musik Therapeutin Dr. Dianna Daly (Julia Ormond) und bittet diese, sich seinen Sohn anzusehen. Mit Hilfe von Musikstücken aus den 50er Jahren gelingt es Daly, eine erste Brücke zu schlagen und Erinnerungsfetzen wieder aufkeimen zu lassen, doch die Epoche ist für Gabriel zu schmerzlich. Erst mit Hilfe des Beatles Songs “All You Need Is Love” wacht Gabriel auf, stolziert im Zimmer umher, philosophiert über die goldene Zeit der 60er und 70er Jahre und deren großartige Musik. Henry vergisst daraufhin seinen Stolz, kauft sich Platten dieser Zeit und gerät ins Schwärmen mit seinem Sohn, was für beide schließlich in einem Greatful-Dead-Konzert enden soll…
“The Music Never Stopped” basiert auf der Fallstudie von Dr. Oliver Sacks, der diese im Jahre 1995 als Kurzgeschichte in seinem Buch “An Anthrpologist on Mars” veröffentlichte. Obwohl diese Geschichte den Produzenten Jim Kohlberg (Trumbo) sofort faszinierte, sollte es 13 Jahre dauern, bis es dieser Stoff auf die Leinwand schaffte. Die Drehbuchautoren Gwyn Lurie (Voices from the Attic) und Gary Marks (Room Service) waren von Sacks Kurzgeschichte ebenso fasziniert und so wurde unter der Regie von Jim Kohlberg eine Geschichte gedreht, die als Drama auf Musik von Bob Dylan, Greatful Dead, The Beatles und den Rolling Stones baut.
Obwohl Henry und sein Sohn Gabriel mit der Music der 50er Jahre immer auf einer Wellenlänge lagen, hat Gabriel doch irgend etwas verändert. Er wandte sich seinem stoischen Vater ab, wollte mit der Musik der Hippie-Zeit erfolgreich sein und zusammen mit seiner Band in New York einfach nur abhängen. Als Gabriel schließlich eine US Fahne bei einem seiner Konzerte verbrennt, geraten beide in Streit und Gabriel verlässt wütend das Haus. 20 Jahre später soll Henry sich nun um seinen Sohn kümmern, noch immer uneinsichtig wie es zu dem damaligen Vorfall überhaupt erst kommen konnte. Erst mit Hilfe von Dr. Daly gewinnt er einen ersten Bezug zu seinem Sohn und dessen Musik, die dieser ihm voller Schwärmereien erklärt. Jetzt erst erkennt Henry, was Musik für seinen Sohn bedeutet und wie diese ihn politisch geprägt hatte. In Gesprächen die keinem der damaligen ähnelte, geraten beide ins Schwärmen und philosophieren über Musik, Texte und deren Bedeutungen. Beide sind sich in der Vater-Sohn Rolle nun näher, als sie es jemals zuvor waren…
In einer wirklich guten Rolle sehen wir hier Lou Taylor Pucci (Beginners), der den Gabriel Anfang 20 und später Mitte 30 spielt. Egal ob er nun stumm in seinem Zimmer sitzt oder mit seinem Vater angeregte Gespräche über Musik verfolgt, die Darbietung ist eindrucksvoll. Die Rolle seines Lebens hat hier aber J.K. Simmons (Juno) in der Rolle des Henry Sawyer. Mit wie viel Leidenschaft er diese Rolle verkörpert, seine Wandlung vom zu stolzen Vater zur aufgeschlossenen Person oder die Leidenschaft, die ihn später mit seinem Sohn verbindet, einfach nur gut. Höhepunkt aber ist die Szene nach dem Greatful Dead Konzert, wo sie beide vor dem Auto sitzend Musik aus ihrem Kassettenrekorder hören, die Tränendrüse wird hart beansprucht. Was aber wäre so ein Film ohne gute Musik? Mit einem wirklich großartigen Soundtrack erleben wir die Höhepunkte der damaligen Zeit. Egal ob Greatful Dead, Bob Dylan, Die Beatles, Die Rolling Stones, Buffallo Springfield und Crosby, Stills & Nash, sie sind fast alle mit dabei und lassen das Feeling der damaligen Hippie-Zeit wieder aufleben.
“The Music Never Stopped” ist ein wirklich guter Film mit einer großartigen Leistung von J.K. Simmons. Obwohl fast ein wenig zu sehr auf die Tränendrüse gedrückt wird, ist er grade für Musikfreunde der 60er und 70er Jahre absolut empfehlenswert.
