Geschrieben von: Ronny Dombrowski

My Reincarnation

In “My Reincarnation” erzählt Regisseurin Jennifer Fox (On the Ropes) in einer beeindruckenden Dokumentation von zwei Menschen die uns aufzeigen, dass egal welchen Alters man ist, die unterschiedlichsten Generationen dennoch vor denselben Problemen stehen. Der hohe tibetisch-buddhistische Meister Chögyal Namkhai Norbu wuchs in einem strengen Kloster in Tibet auf, wurde dort von seinem Meister und Onkel unterrichtet und musste schließlich im Zuge der Verfolgung durch die Chinesen Ende der 50iger Jahre schließlich nach Italien fliehen. In Italien wurde er schon bald zu einem der hoch angesehenen Lehrer des buddhistischen Glaubens, wo schließlich auch sein Sohn Yeshi geboren wurde. In Yeshi sah man die Wiedergeburt seines verschollenen und als tot geglaubten Onkels und so wurde schon von Anfang an viel Hoffnung in ihn gesetzt, zu viel. Yeshi hatte ganz andere Pläne, indem er statt den buddhistischen Lehren seines Vaters zu folgen, lieber seinem Psychologie Studium nachging und so den ersten Bruch in der Familie beschwor.

My ReincarnationRegisseurin Jennifer Fox – welche bisher ausschließlich Dokumentationen drehte – widmete sich der Geschichte rund um Chögyal Namkhai Norbu und seinem Sohn Yeshi ganze 20 Jahre, was so von Anfang an nicht im Entferntesten geplant war. Ihrem Film “My Reincarnation” unterteilt sie dahingehend in zwei zeitlich unabhängige Teile, in denen wir Yeshi begleiten. Zum einen sind diese seine Jugendjahre in denen er zu seinem Psychologiestudium aufbricht, zum anderen erleben wir die Zeit 20 Jahre später, in der er bereits erwachsen ist, einem gefestigten Job nachgeht, eine Familie hat und sein Vater unheilbar an Krebs erkrankt ist. Jennifer Fox erzählt hierbei nicht nur eine Geschichte über den buddhistischen Glauben oder einem Vater-Sohn Konflikt, Fox erzählt vielmehr von einem Bruch von zwei völlig unterschiedlichen gesellschaftlichen Epochen. Während Chögyal Namkhai Norbu unter strengen Lehren in einem tibetischen Kloster aufwuchs, ist sein Sohn in eine völlig neue Zeit geboren worden, in die Zeit der westlichen Gesellschaft, in der die Interessen weniger im Glauben begründet liegen als vielmehr in persönlichem Erfolg und der Entwicklung des Einzelnen.

My ReincarnationKinder berühmter Persönlichkeiten haben es schwer, ob es die Kinder von Musikern sind, die von Schauspielern oder jene wie Yeshi, die einen berühmten tibetisch-buddhistische Meister als Vater haben. Yeshi war mit dieser Rolle von Anfang an überfordert, sah man in ihm doch mehr als er eigentlich war. Wie sagte er einmal so bezeichnend: “We live in Italy, must we live this way?”. Neben den unterschiedlichen Ansichten wurde im Laufe der Jahre insbesondere die Arbeit seines Vaters zum Problem, kümmerte er sich doch mehr um seine Schüler und Studenten, als um seinen eigenen Sohn. 20 Jahre später sieht dies schon ganz anders aus, wie wir in der zweiten Hälfte der Dokumentation erfahren. Yeshi ist erwachsen, hat einen guten Job bei IBM wo er dauernd viel verreisen muss und lebt glücklich mit seiner Frau und seinem Kind zusammen. Nun kommen ihm langsam die ersten Bezugspunkte zu den Dingen, die sein Vater seit Jahrzehnten predigt. Er erkennt die Lebensweisheiten darin, sieht das die Menschen damals dieselben Probleme hatten wie heute und kündigt schließlich seinen Job, um sich seinem an Krebs erkrankten Vater und dessen Schüler und Studenten zu widmen.

“My Reincarnation” ist ein eindrucksvolles und über 20 Jahren aufgenommenes Werk von Jennifer Fox, die sich nicht nur dem eigentlichen Vater-Sohn Konflikt widmet, sondern sich ebenso auf die Spuren unterschiedlichster gesellschaftlicher Ansichten begibt, die sich in den neueren Generationen herauskristallisieren.

Start: 02.02.2012

Kategorie: Documentary, Adventure, Biography

Länge: 100 min

Bewertung Film: (6,5/10)

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