Angélique Delange (Isabelle Carré) ist fest entschlossen ihre extreme Empfindsamkeit in den Griff zu bekommen und so tritt sie der Selbsthilfegruppe der Anonymen Romantiker bei, bei der sich täglich hochsensible Menschen treffen. Während sie anfangs noch bei dem ersten Satz sofort in Ohnmacht fällt, steigert sich ihr Selbstvertrauen dank der Gruppe langsam, was auch bitter nötig ist. Als hochsensible Persönlichkeit war sie die letzten 7 Jahre die geheime Chocolatière für Monsieur Mercier, der ihr Talent sofort erkannte. Leider ist Monsieur Mercier inzwischen verstorben und Angélique benötigt dringend einen neuen Job, nur wie? Voll innerer Panik stellt sie sich bei dem Schokoladenfabrik Inhaber Jean-René (Benoît Poelvoorde) vor und bekommt den Job, der leider auf einer Verwechslung beruhen soll. Anstatt als Chocolatière Schokolade zu kreieren, ist sie für den Außendienst bestimmt, der in erster Linie direkter Kundenkontakt bedeutet. Während Angélique die Krise mit Hilfe ihrer Selbsthilfegruppe versucht zu meistern, geht Jean-René ganz andere Wege. Mit Hilfe von Therapiesitzungen versucht er seine Angst vor dem anderen Geschlecht in den Griff zu bekommen, woraufhin ihn sein Therapeut von Sitzung zu Sitzung verschiedene Ziele zu stecken versucht. “Laden Sie einen Menschen zum Essen ein” lautet eines dieser Ziele und so muss kommen was kommen musste, zwei hochsensible Menschen treffen aufeinander und beginnen sich zu verlieben. Ein Weg, der mit Allerhand Problemen und Überraschungen gepflastert sein soll…
Vor 12 Jahren versuchte Lasse Hallström in seinem Film “Chocolat… ein kleiner Biss genügt” ein kleines französisches Dorf mit Pralinen zu begeistern. Das die Liebe auch heute noch am liebsten durch den Magen geht, weiß nicht nur der Großteil der Leser, sondern auch der französische Regisseur und Drehbuchautor Jean-Pierre Améris (Das Hochzeitsboot), der mit “Die Anonymen Romantiker” ein Stück seiner eigenen Vergangenheit versucht aufzubereiten. Allein in Deutschland gibt es ca. 12 Mio. hochsensible Menschen und so verwundert es wenig, dass zu diesen auch Jean-Pierre Améris gehört, der lange Zeit selbst diverse Selbsthilfegruppen aufsuchte, um sein Leben in den Griff zu bekommen.
Mit diesen Erfahrungen im Gepäck schrieb er zusammen mit Philippe Blasband (Eine pornographische Beziehung) das Drehbuch zu einer lockeren französischen Komödie, die einerseits auf zwei großartige Hauptdarsteller aufbaut, und andererseits auf den Witz und Charme der Komödien aus den 50iger Jahren. Die Helden der Geschichte begeistern in erster Linie beide mit ihren hochsensiblen Eigenarten, die unterschiedlicher kaum sein können. Während Angélique Schüchtern und zurückhaltend ist und kaum ein Satz aus dem Mund bekommt, fängt Jean-René sofort an zu schwitzen, wenn er sich auch nur in der Nähe einer Frau befindet. Das dies zusammen eine explosive Mischung ist, zeigt uns ihr erstes wirkliches Aufeinandertreffen im Restaurant. Angélique versucht mit ihrem Zettel ein Gespräch vom Nahostkonflikt, über Fußball bis hin zu Autos zu eröffnen und Jean-René lässt sich alle 3min entschuldigen, da er sich auf der Toilette ein neues Hemd anziehen muss, köstlich.
Wie sagt man so oft, die Mischung macht’s. Genau diese Mischung ist es, die zwischen Isabelle Carré (Wahnsinnig verliebt) als Angélique und Benoît Poelvoorde (Nichts zu verzollen) als Jean-René eine Komödie entstehen lässt, die trotz ihrer Mängel einfach funktioniert. Beide genießen ihre Rolle, harmonieren wirklich bestens und lassen eine witzige Situation nach der anderen entstehen. Was Améris hier allerdings weniger gelungen ist, ist die auf Dauer doch recht einseitige Geschichte, die auch nur auf 80 Minuten Film kommt. Von der eigentlichen Entwicklung der Schokolade oder gar der Verführung damit sehen wir leider kaum etwas und auch die Nebendarsteller verdienen kaum die Bezeichnung dafür. Im Grunde ist “Die Anonymen Romantiker” eine zwei Personen Komödie zwischen Isabelle Carré und Benoît Poelvoorde, die zwar keinesfalls schlecht ist, aber auch nicht sehr gut.
Für alle Liebhaber französischer Komödien bringt der Delphi Filmverleih ab dem 19.01.2012 (Verleih) bzw. den 09.02.2012 die Blu-ray und DVD von “Die Anonymen Romantiker” in den Handel und somit in euer Wohnzimmer. Das Bildformat ist im üblichen 2,35:1 und der Ton liegt in den Sprachen Deutsch und Französisch vor, wobei die DVD und die Blu-ray ausschließlich auf Dolby Digital 5.1 setzt. Wie immer haben wir für euch ein besonderes Augenmerk auf die zusätzlichen Inhalte gelegt, die diese Medien vor allem ausmachen. In einem 22 minütigen Interview mit Jean-Pierre Améris erfahren wir viele Details zur Entstehung des Filmes, den eigenen autobiografischen hypersensiblen Hintergrund seiner Person sowie die schwierige Suche nach den beiden Hauptdarstellern. Neben einem zusätzlichen Interview von 7 Minuten von Benoît Poelvoorde und Isabelle Carré ist aber vor allem das 53 minütige Making Of zu empfehlen, was mit Hintergrundinformationen zum Dreh nur so glänzen kann. Wir bekommen viele Szenen im Detail zu sehen, können einen Blick hinter die Kamera werfen und sehen all die kleinen Probleme, mit denen die Darsteller vor Ort konfrontiert waren.
“Die Anonymen Romantiker” ist eine gut gelungene – wenn auch sehr kurze – Komödie über Hypersensible Menschen, wie sie aus unserer Gesellschaft kaum wegzudenken sind. In einer beeindruckenden Performance zeigen uns Isabelle Carré und Benoît Poelvoorde eine wunderbare französische Komödie, die mit mehr als einem guten Lacher glänzen kann.
