Geschrieben von: Ronny Dombrowski

Faust

Professor Faust (Johannes Zeiler) seziert in seinen dunklen Gewölben Leiche auf Leiche, immer auf der vergeblichen Suche nach der Seele im Körper. Zusammen mit seinem Assistenten Wagner verfällt er dabei nicht nur in philosophische Träumereien über den Ursprung dieser,  sondern auch in seine eigene tiefe Depression. Mittellos und ohne Geld besucht Faust schließlich den Pfandleiher (Anton Adassinsky) Wucherer, welcher weniger an seinem letzten goldenen Ring interessiert ist, als an Faust selber. Als Faust schließlich seinem Leben überdrüssig wird und diesem ein Ende setzen möchte, tritt abermals Wucherer in sein Leben, welcher nichts anderes als Mephisto persönlich ist. Faust ist beeindruckt von Mephistos seiner Anziehungskraft auf Frauen und so verbringen diese die nächsten Tage zusammen. Als Faust schließlich die hinreißende Margarete (Isolda Dychauk) kennenlernt, bietet Mephistos ihm einen Handel an. Eine Nacht mit Margarete, für seine am Leben losgelassene Seele, ein Preis den er bereit ist zu zahlen…

FaustJohann Wolfgang Goethes “Faust” ist das wohl bekannteste Werk der deutschen Literatur und der Albtraum eines jeden Deutschschülers, wenn dieser sich durch den ersten und zweiten Teil quälen muss. In die Reihe bekannter Faust Regisseure reiht sich nun auch der russische Regisseur Alexander Sokurov (Russian Ark – Eine einzigartige Zeitreise durch die Eremitage, Aleksandra) ein, der in “Faust” den Abschluss seiner Tetralogie um das Thema Mach sieht. In “Moloch” zeigte er die letzten Tage Adolf Hitlers, in “Taurus” zeigte er den russischen Diktator Lenin und in “Slontse” schließlich den japanischen Kaiser Hirohito. Wie auch die Vorgänger ist “Faust” völlig losgelöst von Sokurov’s ersten drei Filmen und zeigt eine etwas andere Faust Verfilmung, als wir sie bisher aus Goethes Klassiker oder anderen Verfilmungen kennen sollten. Sokurov nimmt sich beide Faust Teile, zerpflückt sie förmlich einmal komplett und setzt sie wild wieder zusammen. So gleichen sich einige wenige Dialoge und Szenen, während andere wiederrum komplett verfremdet wirken.

Wenn Sokurov eines in seinem Film schafft, dass ist dies die ungewöhnliche Darstellung dieses. In dem völlig veralteten Bildformat 1:1.33 zeigt er uns ein Werk, das mehr an Malereien des 19. Jahrhunderts erinnert, als an die große Literarische Verfilmung, die wir hier erwartet hätten. Sokurov spielt förmlich mit seinen Bildern, der Farbgestaltung und der Schärfe der Einstellungen, welche stellenweise ins trübe und verwaschene abzudriften scheinen.

FaustJohannes Zeiler (Das Wunder von Kärnten, Tatort) ist der wohl ungewöhnlichste Faust, den ich seit langem sah. Streng der Wissenschaft verpflichtet, auf Übernatürliches nichts gebend und vor Zynismus nur so sprühend, zeigt er uns eine Darstellung fernab der literarischen Vorlage. Schlimmer noch als Faust wirkt hier aber die Entfremdung von Anton Adassinsky’s (Nur wegen einiger Zeilen, Unikum) Rolle des Mephisto. Während dieser oft als geschickter Schmeichler mit imposanten Äußeren dargestellt wird, ist er hier vielmehr ein unförmiges Stück Fleisch, das eher an Tumore erinnert, als an den Teufel an sich.

Während Presse wie auch Zuschauer Alexander Sokurov’s “Faust” bei den Internationalen Filmfestspielen in Venedig frenetisch feierten und er schließlich den goldenen Löwen hierfür auch bekam, konnte ich mich damit einfach nicht anfreunden. Zum einen ist die Entfremdung von Goethes Klassiker einfach zu stark ausgefallen, zum anderen wirkte er mit seinem alten Bildformat und den verwaschenen Farben bei einer Länge von fast zweieinhalb Stunden oft sehr ermüdend. Ich kann ihn beim besten Willen nur hartgesottenen Freunden der deutschen Literatur empfehlen.

Start: 19.01.2012

Kategorie: Drama

Länge: 134 min

Bewertung Film: (5/10)

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