Billy Beane (Brad Pitt) wurde einst als künftiger Baseball-Superstar gehandelt, konnte den hohen Erwartungen jedoch nie gerecht werden. Viele Jahre später hat Billy einen Schlussstrich unter seine aktive Spielerkarriere gezogen und versucht sich als Manager der Oakland Athletics, einem Team dessen beste Zeiten seit langem vorbei sind. Nicht das Billy schlechte Spieler hätte nein, doch nach jeder erfolgreichen Spielsaison verliert er seine besten Spieler an andere Clubs, die ihnen einfach mehr Gehalt zahlen können. Aus diesem Dilemma sieht er einfach kein Entkommen, muss er doch mit rund einem Drittel von dem auskommen, was anderen Clubs zur Verfügung steht. Auf einer seiner üblichen Vorstellungen bei anderen Trainern lernt er den jungen Yale-Absolventen Peter Brand (Jonah Hill) kennen, für den Baseball nur aus Zahlen und Statistiken zu bestehen scheint. Anfangs von seinen Scouts noch belächelt, fangen beide an das gesamte Team der Oakland Athletics komplett neu zu strukturieren. Man achtet nicht mehr auf einen Spieler oder dessen soziales Umfeld und wie er sich womöglich integrieren würde, man geht rein nach den Zahlen auf dem Papier. Es werden Spieler geholt die niemand kennt, Spieler mit einer ungewöhnlichen und belächelten Wurftechnik oder Spieler die schlicht zu alt oder verletzungsanfällig sind. Aus ihnen formt Billy ein Team, das Fans wie auch Manager überraschen wird und die Art des Baseballs revolutioniert.
Wenn es für den gewöhnlichen Kino Besucher nichts Langweiligeres gibt, dann sind dies in der Regel Sportfilme. Noch schlimmer aber sind Filme über die amerikanische Sportart Baseball, die hier zu Lande wohl nur die wenigsten kennen oder begreifen dürften. Wenn man aus diesem schon trockenen Thema dann noch ein Sportfilm macht, der sich fast ausschließlich um Zahlen und Statistiken dreht, dürften wohl auch die letzten Interessierten verprellt worden sein. Das dies auch anders geht, zeigt uns eindrucksvoll der Regisseur Bennett Miller (The Cruise). Miller der zuletzt 2005 den Oscar prämierten Film “Capote” drehte, meldet sich nach nunmehr 6 Jahren mit einem Werk zurück, dass auf einer wahren Begebenheit des amerikanischen Baseballs basiert. Neben der Arbeit von Miller ist hier aber vor allem Drehbuchautor Aaron Sorkin (Eine Frage der Ehre) in den Vordergrund zu stellen, der erst in diesem Jahr für seinen Film “The Social Network” einen Oscar in der Kategorie “Best Writing, Adapted Screenplay” erhielt. Zusammen mit Steven Zaillian (Schindlers Liste) erschuf dieser ein schier unglaubliches Drehbuch, welches ein so trockenes Thema wie Baseball und Statistiken locker aufbereitete und mit gelungenen Dialogen gar spannend gestaltet.
In der Hauptrolle kann einmal mehr Brad Pitt (Inglourious Basterds, Fight Club) brillieren, welcher momentan wohl zu den gefragtesten Hollywood Darstellern zählen darf. Erst kürzlich lieferte er in “The Tree of Life” eine phänomenale Darbietung unter der Regie von Terrence Malick ab, welche ihn allein dafür schon die gefragte Oscar-Nominierung einbringen sollte. Sofern dies nicht reicht, kann er die Jury mit Sicherheit von seiner Leistung in “Die Kunst zu gewinnen – Moneyball” überzeugen. Pitt spielt hier den verbissenen Manager der Oakland Athletics, welche alles andere als ein großes Budget haben. Ihn interessieren hier keine 20 Siege in Folge, ihn interessiert kein Angebot über 20 Mio. der Konkurrenz, er will das System durchbrechen. Das System welches besagt, dass nur Clubs mit viel Geld die Meisterschaft für sich entscheiden können. Diesen Weg geht Pitt mit so viel Charisma und Engagement, dass man sich einfach nur zurücklehnen und ihm zuhören möchte. Die Überraschung schlecht hin ist allerdings Jonah Hill (Männertrip, Megamind), der bisher nur mit diversen Komödien auf sich aufmerksam machen konnte. Der von ihm beschreitende Weg vom Jüngling der frisch aus Yale kommt, bis hin zum erfahrenen Scout der auch den alten Herren noch Vorschriften machen kann, einfach gut gelungen. Unterstrichen wird diese Rolle immer wieder durch kleine, von Sorkin eingeworfene lustige Momente, die den Film immer wieder dezent an den geeigneten Stellen aufheitern.
“Die Kunst zu gewinnen – Moneyball” ist nach Matt Damon’s “Invictus – Unbezwungen” endlich wieder ein Sportfilm, der auf ganzer Linie begeistern kann. Ein phantastisches Drehbuch, ein wunderbarer Cast, was will man mehr?
